Geheimnisvolle Heimat
Der Westwall und seine Bauwerke in der Pfalz und Baden

Regelbau 10
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Baden/Südpfalz. Der Westwall ist militärisches Verteidigungsbauwerk aus dem Zweiten Weltkrieg, das an der westlichen Grenze des damaligen Deutschen Reiches verlief und aus über 18.000 Bunkern, unterirdischen Stollen, tiefen Gräben und auch heute noch kaum überwindbaren Panzersperren bestand. Das imposante Bauwerk - von den Alliierten auch Siegfried-Linie genannt - ist rund 630 Kilometer lang, wurde in der Rekordzeit von rund 15 Monaten bis 1939 errichtet und verlief von der niederländischen Grenze in Richtung Süden bis an die Schweizer Grenze von Norden nach Süden.
Auch in der Region von Baden und der Südpfalz ist der Westwall präsent: Um 1936 entstand südlich von Karlsruhe beispielsweise der Ettlinger Riegel. Parallel dazu wurden zwischen Wörth und Saarlouis Bunker errichtet, um die Grenze zu Frankreich und die strategisch wichtigen die Rheinübergänge zu sichern. Östlich von Karlsruhe, bei Grötzingen (bis an die Mosel) verlief die "Luftverteidigungszone West", die aus Flugabwehrstellungen bestand und ab 1938 unter Federführung der deutschen Luftwaffe gebaut wurde - zwischen der Mosel und Karlsruhe.
Während bei Karlsruhe die Überreste der militärischen Verteidigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg nur schwer zu finden sind, gibt es in Rheinland-Pfalz einige Wanderwege und Museen, die sich mit dem Westwall beschäftigen. Hier stehen ausnahmslos alle zum Westwall und zur Luftverteidigungszone West gehörenden Anlagen unter Denkmalschutz - Bunker, Minengänge, Stellungen, Höckerlinien, Sperranlangen, Hindernisse oder Eingriffe in die natürliche Oberflächengestaltung wir aufgeschüttete Rampen, ausgehobene Gräben oder aufgestaute Bäche Sie bilden zusammen das „Strecken- und Flächendenkmal Westbefestigung“, das aus geschichtlichen Gründen Denkmalwert besitzt und Besuchern aus der ganzen Welt als Mahnung gegen Krieg und für den Frieden dienen soll.

Das Westwall-Museum in Bad Bergzabern

Wer die Informationen und geschichtlichen Fakten über den Westwall kompakt geliefert bekommen möchte, dem sei das Westwall-Museum in Bad Bergzabern empfohlen. Nach der Corona-Pandemie nun wieder geöffnet, können hier gut erhaltene Bunker besichtigt werden, rund um das Museum laden einige Wanderwege zum Erkunden des militärischen Verteidigungssystem ein. Alle Informationen zu den aktuellen Öffnungszeiten des Museums finden sich hier (https://www.otterbachabschnitt.de/)
Auch rund um Steinfeld und Kapsweyer bietet ein Westwall-Wanderweg Geschichte pur. Hier gibt es die berühmten Höckerlinien und den Panzergraben zu sehen.

Der Westwall im Bienwald

Wer ein bisschen mehr Abenteuer sucht, wandert auf den Westwall-Pfaden durch den Bienwald - ob von Berg oder Schaidt aus, das ist Geschichte pur. Die Westwall-Wege in dem großen Naturschutz-Gebiet bieten aber neben historischen Verteidigungsbauwerken, den Westwallbunkern auch noch beträchtlichen Erholungswert. Panzersperren, Bunker, Ruinen, Gräben - die Westwall-Anlagen im Bienwald sind zum Teil gut versteckt, aber größtenteils auch gut erschlossen und mit Hinweistafeln gekennzeichnet.
Die Westwallbunker im Bienwald ziehen historisch interessierte Menschen aus der ganzen Welt an. Auf dem Schaidter Westwallweg lassen sich wohl die meisten Bauwerke erwandern. Das B-Werk, die Panzermauer bei Berg, der Regelbau 10, Sprengtrichter-Sperren, Panzergräben, Ein-Mann-Bunker, der Schießstand Haukensee - wer dem großen und kleinen Rundweg folgt, erfährt hier nicht nur Details über die Bauwerke des Westwalls, sondern auch die lokalen Bezüge, die aus der Pfalz hinaus in die große Welt-Geschichte reichten.

Ein-Mann-Bunker

Die Maginot-Linie

Was den Deutschen der Westwall ist den Franzosen die Maginot-Linie. Auch die lässt sich in der Region gut erleben, wer mehr über die Aktivitäten der alliierten Truppen im Zweiten Weltkrieg erfahren möchte, sollte einen Abstecher ins benachbarte Elsass einplanen. Auch hier finden sich Bunker, Panzergräben, Höckerlinien - der Europäische Festungssommer, der in der mulitnationalen Region Oberrhein noch bis Oktober dauert, bietet übersichtliches Kartenmaterial, das beim Erkunden der Bauwerke auf beiden Seiten der Grenze weiterhilft. ()

Der Westwall in Baden-Württemberg

Auch der Blick über den Rhein, hinüber nach Baden lohnt: Zwar sind rund um Karlsruhe historische Bunkeranlagen nur schwer zu finden, aber im Wald bei Grötzingen (Teile der LVZ-West) und am Knielinger See (ein Bunker des Ettlinger Riegels) finden sich auch heute noch Spuren der Bauwerke aus dem Krieg.

Bunker am Knielinger See in Karlsruhe
  • Bunker am Knielinger See in Karlsruhe
  • Foto: Heike Schwitalla
  • hochgeladen von Heike Schwitalla

Mahnmal für den Frieden

Immer wieder stellen Menschen die Frage, ob die brachiale Kriegsarchitektur der Nazis - oder das, was davon übrig geblieben ist, schützenswert ist oder gar touristisch vermarktet werden soll. Natürlich kann nie ausgeschlossen werden, dass ein Angebot wie der Westwall-Pfad auch die "falschen Geschichtsinteressierten" anzieht, aber letztlich sind die Überreste des Krieges immer auch ein Mahnmal für den Frieden. Eine Erinnerung an die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Kämpfens und an die Verdienste des Europas, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist.
Dementsprechend ist der Westwall keine "einfache Kost" für Ausflügler, aber wer jemals in einen der besonders unmenschlichen Ein-Mann-Bunker hinein geschaut hat, wer sich mit Zwangsarbeit, Kriegsgefangenen und den Schlachten rund um den Westwall auseinandergesetzt hat, wird kaum emotional unberührt nach Hause gehen. Die Überreste des Westwalls und die Westwallbunker sind eine Institution gegen das Vergessen und stehen deshalb völlig zurecht unter Denkmalschutz, die Gegend darum unter Naturschutz. Zumal man auch nur so eine rechtliche Handhabe gegen "Plünderer", "Souvenirjäger" und "Erkunder" dieser beliebten "Lost Places" hat.


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Autor:

Heike Schwitalla aus Germersheim

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