Interview mit Chefarzt Dr. Peter Jung
Das Coronavirus in der Grippesaison

Dr. Peter Jung  Foto: Walter

Von Stephanie Walter

Landstuhl. Die derzeitigen Corono-Fallzahlen sind steigend, und das in einer Zeit, in der die Grippewelle auf dem Vormarsch ist. Wir haben mit Dr. Peter Jung, Chefarzt am Nardini Klinikum und am MVZ Westpfalz, über die aktuelle Lage und darüber gesprochen, ob das Coronazentrum in Landstuhl vor einer Wiedereröffnung steht.

???: Wie lange war das Coronazentrum Anfang des Jahres geöffnet und wie viele Patienten wurden in dieser Zeit behandelt?

Jung: Das Coronazentrum des MVZ in Landstuhl war vom 24. März bis 30 April geöffnet. In dieser Zeit haben wir 241 Patienten betreut. Anfänglich waren es viele, die zu Hause eine Symptomatik entwickelt haben und die meisten Patienten wurden stationär eingewiesen. Mit dem Abflachen der Grippewelle gingen dann die Patientenzahlen zurück und wir konnten das Zentrum schließen. Es kann aber jederzeit wieder geöffnet werden.

???: Wie ist Ihre Prognose, wird das Coronazentrum jetzt im Herbst wieder öffnen müssen?

Jung: Wir gehen davon aus, dass das der Fall sein wird. Es gibt derzeit hohe Fallzahlen und damit steigt auch der Bedarf an Testungen und Behandlungen. Zudem befinden wir uns gerade wieder in der Grippezeit und da werden die Symptome auch wieder zunehmen.

???: Coronavirus oder Grippe? Oft ist man sich nicht sicher, was zutrifft, wenn man Krankheitssymptome entwickelt...

Jung: Die Unsicherheit ist natürlich da, denn man kann die Symp-tome von Coronavirus oder Grippe nicht komplett unterscheiden. In jedem Fall sollte man sich testen lassen, wenn man an Fieber oder Husten leidet. Man muss hier aber natürlich auch miteinbeziehen, dass es sich in der aktuellen Situation niemand mehr leisten kann, mit einem Infekt arbeiten zu gehen, weil das schnell Konsequenzen für ein ganzes Team haben kann.
Wir müssen also die Menschen mit Symptomatik testen und hier die Logistik dafür schaffen, denn mehr Grippesymptome bedeuten auch vermehrte Coronatests.

???: Merkt man denn eine Veränderung im Verlauf der Erkrankung mit dem Coronavirus?

Jung: Ja, es zeigen sich Veränderungen. Zwar steigen die Fallzahlen gerade, aber die sehr schweren Krankheitsverläufe treten seltener auf. Das Coronavirus scheint also an Virulenz, also an Aggressivität, zu verlieren, denn ein Virus will sich ja verbreiten und dazu ist es ungünstig, wenn es seinen Wirt tötet. Trotzdem gilt derzeit: Vorsicht ist besser als Nachsicht, denn wie schwer die Verläufe werden, wird sich erst zeigen müssen. Wir sind auf jeden Fall vorbereitet und halten ausreichend Intensivplätze für Patienten vor. Derzeit lernen wir alle aus der Situation, auch die Wissenschaft, und ich denke, nach der Grippewelle im März werden wir sicher mehr wissen als jetzt.

???: Ist es wirklich so, dass mehr Menschen durch die Grippe als am Coronavirus sterben?

Jung: Ja, wir verzeichnen mehr Todesfälle durch die klassische Influenza als durch das Coronavirus. Dabei muss man aber einbeziehen, dass sehr früh Maßnahmen ergriffen wurden, mit denen sich die Menschen vor Corona schützen können. Das war sicherlich ein sehr wichtiger Schritt.

???: Was sollte man während der Grippesaison beachten, gibt es eine Möglichkeit, sich zu schützen?

Jung: Es bleibt wichtig, Abstand zu halten, eine Maske zu tragen und die Hygienevorgaben zu beachten. Außerdem sollten sich gerade Risikogruppen gegen die Influenza impfen lassen. Wichtig ist es auch, das Immunsystem zu stärken. So treten auch andere Krankheiten seltener auf und das ganze System kann entlastet werden.

???: Werden eigentlich in Landstuhl auch aus Angst vor dem Virus weniger operative Eingriffe durchgeführt?

Jung: Die Patienten haben tatsächlich in allen Fällen Vorbehalte, sich gerade operieren zu lassen. Vor allem bei den geplanten Eingriffen trifft das zu. Die Menschen ziehen sich zurück, aber häufig hat das zur Folge, dass Patienten zu spät zum Arzt gehen und dann auch zu spät operiert werden.

???: Kann man denn derzeit ohne Angst einen Eingriff vornehmen lassen?

Jung: Alle medizinischen Einrichtungen wurden intensiv geschult, um die Ansteckung der Patienten während der Behandlung zu minimieren. Dies ist mit entsprechenden Hygieneplänen, Desinfektionsmaßnahmen und Testungen sehr gut gelungen. Hier hat man ein höchstes Maß an Sicherheit für die Patienten erreicht. Somit besteht zur Zeit kein erhöhtes Risiko, sich ambulant oder stationär behandeln zu lassen.

???: Ein Blick in die Zukunft: Gehen Sie davon aus, dass es bald einen Impfstoff geben wird?

Jung: Ja, ich gehe davon aus, dass bald ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird, allerdings mit einem eingeschränkten Wirkungsgrad. Man kann nicht davon ausgehen, dass wir mit dieser Impfung einen Wirkungsgrad von 95 Prozent erhalten, wie es beispielsweise bei der Masernimpfung der Fall ist. Viren verändern sich ständig und bilden dann auch neue Stämme, daher ist es auch schwierig, gegen sie vorzugehen.
Insgesamt ist die Zukunft noch ungewiss, die Vorkehrungen bleiben - mit offenem Ende. Anfang nächsten Jahres werden wir sehen, wie es weiter geht mit den Einschränkungen. sw

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Landstuhl

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