Blut ist ein knappes Gut
Die Spendenmoral sinkt in Zeiten von Corona bedrohlich

Andreas Bernd spendet bereirs seit über 25 Jahren regelmäßig und aus tiefster Überzeugung Blut
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Kaiserslautern. Blutspenden sind auch außerhalb von Krisenzeiten zu einem knappen dringend benötigten Gut geworden. Aber in Zeiten der Corona-Pandemie hat sich dieses Problem noch einmal drastisch verschärft. Aus Sorge, sich bei dieser Gelegenheit vielleicht mit dem Virus anzustecken, bleiben zahlreiche Spender derzeit vorsichtshalber lieber zu Hause. Ein echtes Dilemma auch für die Blutspendezentrale Kaiserslautern, die sich in Haus 18 auf dem Gelände des Westpfalz-Klinikums befindet.

Hier spenden normalerweise 20 bis 25 Menschen pro Tag einen halben Liter Blut. Derzeit sind es erschreckenderweise mitunter gerade mal 10 bis 15. Noch im Jahr 2016 war die Spendenmoral noch ausgeprägter, so dass sich gar 40 bis 50 Personen pro Tag förmlich die Klinke in die Hand gaben. Nicht nur die Angst vor Corona beschert den Blutspendeeinrichtungen Tiefststände. Es fehlt schlicht auch an jüngerem Nachwuchs, der die spendenfreudigere ältere Generation ersetzt. Ein Zustand, der sich dringend ändern soll.

Matthias Mudra, Geschäftsführer der Blutspendezentrale Saar-Pfalz gGmbH, der die Lautrer Einrichtung angeschlossen ist, wendet sich daher bewusst an die lokalen Politiker und Medien, um ein Bewusstsein für diese inakzeptable Situation zu schaffen und so im Optimalfall zahlreiche neue Spender zu gewinnen. So hat Mudra auch den Lautrer Stadtrat angeschrieben und auf das sich stetig verschärfende Problem hingewiesen. Stadtratsmitglied Andreas Bernd, ohnehin seit mehr als 25 Jahren überzeugter und regelmäßiger Blutspender, hat den Ball aufgenommen und parteiüberfreifend schon von mehreren Stadtratsmitgliedern positive Signale empfangen, sich ebenfalls engagieren zu wollen.

Andreas Bernd ist in puncto Blutspenden ein absolutes Musterbeispiel, wie es sich die Blutspendezentrale nicht besser wünschen könnte. Bereits seit seinem 18. Lebensjahr spendet der heute 44-Jährige regelmäßig Blut – bis zu sechs Mal im Jahr. Am heutigen Mittwoch, 30. September, bekommt er aus den Händen von Matthias Mudra eine Urkunde für seine 100. Spende in der Lautrer Niederlassung. Insgesamt sind es sogar schon 134 Spenden und damit annähernd 70 Liter Blut der begehrten Blutgruppe 0 positiv, die er gespendet hat.

Für Andreas Bernd eine absolute Selbstverständlichkeit: „Schon mein Vater und Großvater waren regelmäßige Blutspender. Da ich mir sehr früh für dieses wichtige Thema interessiert habe, war es für mich klar, dass ich das auch machen werde. Auch in Zeiten von Corona habe ich im normalen Rhythmus weitergespendet. Ich fühle mich hier absolut sicher, alles ist steril, die Abstände werden gewahrt und sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Deshalb kann ich nur alle aufgrund des Virus‘ besorgten Spender ermuntern, dies auch weiterhin bzw. wieder zu tun, denn hier werden sie bestens versorgt und sind zu jeder Zeit so sicher wie möglich vor einer Ansteckung.“

Die Blutspendezentrale Saar-Pfalz beliefert acht onkologische Praxen und 21 Krankenhäuser im Saarland und in Rheinland-Pfalz mit Blutprodukten. Doch derzeit kommen bedrohlich wenige Spender, gibt Geschäftsführer Matthias Mudra zu bedenken, und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen, selbst aktiv zu werden und Blut zu spenden. Durch die gute Organisation und Kooperationen der Blutspendezentrale konnte die Versorgung zwar bisher noch immer sichergestellt werden, aber Mudra weiß von Krankenhäusern berichten, die Operationen mit hohem Fremdblutbedarf, wie etwa Eingriffe an der Leber, verschieben mussten, weil gerade keine ausreichenden Reserven vorhanden waren.

Weil Blut nicht künstlich hergestellt werden kann, ist es ein knappes Gut. Und es ist auch deshalb so kostbar, weil Blutkonserven nur begrenzt haltbar sind, nämlich 42 Tage. Deshalb sollten sich Blutspender regelmäßig „anzapfen“ lassen – Frauen viermal im Jahr, Männer sechsmal. Denn jeder kann in die Situation geraten, dass er oder sie bei einem lebensrettenden Eingriff auf Blutkonserven angewiesen ist. Blutspenden ist nicht schwer, tut nicht weh und ist eine sichere und kurze Prozedur. Obendrein gibt es – je nachdem, wo man spendet – oft noch eine kleine Aufwandsentschädigung sowie etwas zu Essen und zu Trinken, um bei Bedarf den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Und vor allem gibt es das schöne Gefühl, etwas wirklich Gutes getan und dadurch sogar Leben gerettet zu haben. rav

Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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