Denkwerkstatt in Philippsburg "Gemeinsam leben - Aber wie?"
Ein etwas anderer Weg zum Verstehen von Demokratie

Philippsburg. Mit der finanziellen Unterstützung des Bundesprogramms „Demokratie leben“ konnte das Flüchtlingsnetzwerk „Füreinander – aktiv – Miteinander“ die bekannte Sozialpädagogin und Autorin für interkulturelle Fragen, Mehrnousch Zaeri-Esfahani nach Philippsburg einladen. In Form einer Denkwerkstatt mit Sprachinseln sollten sich die rund 30 Teilnehmer über das Miteinander in unserer Gesellschaft austauschen.

Durch viele aus dem alltäglichen Erleben gegriffene Beispiele zeichnete die Referentin ein Bild der freiheitlichen Grundlagen unserer Gesellschaft und sie fesselte damit alle Teilnehmer, darunter jeweils zur Hälfte ehrenamtlich engagierte Philippsburger und Geflüchtete aus Syrien und Eritrea.
Die urdemokratischen Prinzipien wie Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Menschenwürde, Schutz von Minderheiten und Gewaltenteilung schienen den einheimischen Teilnehmern so selbstverständlich, dass immer wieder erstaunt festgestellt wurde, dass diese Werte in den Herkunftsländern der Flüchtlinge -wenn überhaupt- nur eingeschränkt gelebt und erlebt werden können.
Durch einfache Bilder „Man darf in vielen Ländern nicht zusammenstehen und miteinander reden“, „Bei Wahlen in Deutschland kann man die Kinder ins Wahllokal mitnehmen, man braucht keine Angst zu haben, dass dort etwas passiert…“ wurde den syrischen und eritreischen Teilnehmern bewusst, welche Freiheitsrechte sie in ihrem Herkunftsland eben nicht haben. Zur dortigen Lebenswirklichkeit kommen Bedrohungen, Willkür und Gewalt durch Milizen, Geheimdienste und lokale Warlords hinzu.

Im zweiten Teil der Denkwerkstatt ging es um die kulturellen Unterschiede der Herkunfts- und Gastgesellschaft. Die Unterschiede sind beträchtlich und das Flüchtlingsthema einmal aus diesem Blickwinkel zu betrachten, hat sich gelohnt. Geflüchtete kommen zumeist aus kollektivistischen, männlich hierarchisch geprägten Gesellschaften. Dort geben die Großfamilien die Richtung vor, und sie sind verantwortlich für jedes Familienmitglied. In unserer westlichen Gesellschaft jedoch steht viel mehr die Verantwortung des Einzelnen für alle seine Angelegenheiten im Vordergrund.

„Bei der Suche nach Arbeit und Ausbildung oder in der Schule“, so ein Teilnehmer, „wird bei uns Eigeninitiative erwartet“. Die Sorge der ganzen Familie um ihre Senioren wiederum gilt bei den Migranten als selbstverständlich, während bei uns diese Aufgaben eher an die Senioreneinrichtungen abgegeben werden. Ein syrischer Flüchtling hierzu: „Wir müssen die Vorteile beider Kulturen miteinander verbinden“
In seinem Resümee griff Fachdienstleiter Erich Schweikert diese Anregung auf: „Wir müssen am ehrlichen und offenen Austausch dranbleiben. Erst wenn es dem einzelnen Flüchtling bewusst wird, dass hier andere Werte, Regeln und Rollen als im Herkunftsland gelten, wird seine Integration in unserer Gesellschaft besser gelingen. Um die Unterschiede bewusst zu machen, müssen wir miteinander reden. Die Denkwerkstatt hat hier zusätzliche Impulse gesetzt“
Hierzu passte das Schlusswort von Mernousch Zaeri –Esfahani, die beide Gruppen, Einheimische wie Geflüchtete, dazu aufrief, keine Angst vor der jeweils anderen Kultur zu haben: „Suchen Sie das Gespräch, bleiben Sie im Kontakt“.  ps

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