Konstantin Wecker komponiert für die Badische Landesbühne
"Jeder Text braucht seine eigene Stilistik"

Drei für Günther Weisenborn (v.l.n.r.): Christian Weisenborn (Film), Konstantin Wecker (Musik) und Carsten Ramm (Regie)
  • Drei für Günther Weisenborn (v.l.n.r.): Christian Weisenborn (Film), Konstantin Wecker (Musik) und Carsten Ramm (Regie)
  • Foto: Sonja Ramm
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Bruchsal. Der Sänger, Musiker und Komponist Konstantin Wecker wird für die Badische Landesbühne Texte des Schriftstellers und Widerstandskämpfers Günther Weisenborn vertonen. Die Lieder werden Teil der literarischen Revue „Der Illegale“ sein, die das wechselvolle Leben Weisenborns auf die Bühne bringen und zu Beginn der Spielzeit 2019/2020 in Bruchsal uraufgeführt wird.

„Ich habe sofort zugesagt, als das Theater mich gefragt hat, denn ein Erinnern an Günther Weisenborn, der Poesie und Politik so eindringlich zu verbinden wusste und der sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagiert hat, liegt mir am Herzen“, erklärte Konstatin Wecker.

Günther Weisenborn (1902-1969) feierte erste Erfolge im Berlin der späten Weimarer Republik und arbeitete mit Brecht, Eisler und Weill zusammen. 1937 schloss er sich dem Widerstand um Harro Schulze-Boysen an, 1942 wurde er verhaftet und verurteilt. Bis zur Befreiung im Jahr 1945 war er unter verschärften Bedingungen im Zuchthaus Luckau inhaftiert. Zurück in Berlin schrieb er mit „Die Illegalen“ eines der meistgespielten Stücke der Nachkriegszeit. Sein Erinnerungsbuch „Memorial“ schildert eindringlich Widerstand und Haft und war ein Bestseller in West- und Ostdeutschland. In der jungen Bundesrepublik engagierte sich Günther Weisenborn gegen die Wiederbewaffnung und warnte vor einem Wiedererstarken des Faschismus.

Carsten Ramm, Intendant der Badischen Landesbühne, hat lange zu Leben und Werk von Günther Weisenborn recherchiert und im März 2019 ein Lesebuch mit Gedichten, Songs, Erzählungen und Essays des Autors unter dem Titel „Bist du ein Mensch, so bist du auch verletzlich“ herausgegeben. Aus dem umfangreichen und bisher teilweise unveröffentlichten Material hat sich Konstantin Wecker jetzt elf Titel herausgesucht, die er ganz unterschiedlich vertont hat: „Ich finde, jeder Text braucht seine eigene Stilistik. Bei den Weisenborn-Liedern ist das mal eher bluesig/rockig – andere Lieder sind kammermusikalisch gedacht und vertont. Ein Lied ist dabei, das könnte auch ein echtes, klassisches Wecker-Lied sein. Ich glaube, „Der Illegale“ wird ein sehr eindringlicher, spannender und musikalisch abwechslungsreicher Theaterabend werden.“

Neben Wecker als Komponist wird an dem Weisenborn-Abend auch der Filmemacher Christian Weisenborn beteiligt sein, ein Sohn des Schriftstellers, der 2017 die Dokumentation „Die guten Feinde. Mein Vater, die Rote Kapelle und ich“ herausgebracht hat. Material aus diesem Film sowie aus dem privaten Archiv der Familie Weisenborn wird in die Inszenierung von Carsten Ramm einfließen, die am 21. September 2019 im Hexagon der Badischen Landesbühne Premiere haben wird. ps

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