Corona und die Folgen
Die Pandemie und die Einsamkeit

Allein lebende Senioren leiden besonders unter dem Corona-Lockdown. Der Griff zum Smartphone, um mit den Angehörigen in Kontakt zu bleiben, ist für viele noch ungewohnt
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  • Allein lebende Senioren leiden besonders unter dem Corona-Lockdown. Der Griff zum Smartphone, um mit den Angehörigen in Kontakt zu bleiben, ist für viele noch ungewohnt
  • Foto: Rupert B./Pixabay
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Landkreis Germersheim.  Normalerweise geht Hannelore P. alle zwei Wochen zum Friseur, nicht weil die 81-Jährige so dringend einen neuen Haarschnitt bräuchte, sondern weil sie sich darauf freut, mit ihrer Friseurin und den anderen Kundinnen ein Schwätzchen zu halten. Dann gibt es ein Tässchen Kaffee, Kekse und ganz nebenbei bekommt auch die Frisur neuen Halt. Hannelore P. lebt allein, kommt im Alltag noch gut zurecht, ihre Kinder und Enkel wohnen weiter entfernt, helfen aber immer, wenn Not am Mann ist.
Mit Corona hat sich das geändert – keine regelmäßigen Friseurbesuche mehr, ihre heißgeliebte Wandergruppe kann sich aufgrund der Pandemie-Verordnung derzeit auch nicht treffen, der regelmäßige Gang zum Supermarkt ist mittlerweile mehr Qual als Vergnügen. Hannelore hält sich an die Maskenpflicht, will sich auch so schnell als möglich impfen lassen, wartet sehnsüchtig auf einen Termin: Im Supermarkt sind es die anderen Kunden, im Linienbus andere Fahrgäste, die ihr Angst machen. Denn oft tragen sie ihre Masken gar nicht oder falsch und Hannelore weiß, dass sie in ihrem Alter und mit ihrem angeborenen Herzfehler zu der Corona-Risikogruppe gehört. In ihrem Dorf gibt es kein Geschäft mehr, sie hat keinen Führerschein und ist auf den ÖPNV angewiesen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen - vor der Pandemie war das alles kein Problem.
Ins Altersheim wollte die rüstige Senioren aber nicht, denn dafür fühlte sie sich noch zu fit. Vor der Pandemie war sie viel auf Reisen, sie liebt ihren Garten und ihr Häuschen, Hannelore kann eigentlich gut für sich selbst sorgen, wenn die vier Kilometer zum nächsten Supermarkt nicht wären. Erst während des Lockdowns hat sie überhaupt über die Möglichkeit, in eine Senioreneinrichtung zu gehen nachgedacht, denn dort ist man wenigstens nicht jeden Tag alleine. Muss sich keine Sorgen darüber machen, woher die Lebensmittel für die nächste Mahlzeit kommen.

Die Pandemie kennt keine Gewinner

„Alle reden immer über die einsamen Menschen in den Altersheimen“, sagt auch Kathleen Fahrentholz aus Hatzenbühl, Vorsitzende der Liberalen Senioren in Rheinland-Pfalz, gelernte Pflegekraft und Inhaberin eines Betreuungsdienstes. „Ja, sie vermissen ihre Angehörigen und können diese derzeit nicht umarmen. Es sind aber die Pflegekräfte da. Die haben zwar meist wenig Zeit, aber sie holen die Senioren jeden Morgen mit liebevollen Worten aus dem Bett, die Senioren sitzen dann - mit Abstand zwar - im Aufenthaltsraum und genießen ihre Mahlzeiten zusammen mit anderen Heimbewohnern. Bei täglichen Dingen werden sie vom Pflegepersonal unterstützt, es ist ja immer jemand da. Abends werden sie wieder zu Bett gebracht“, sagt Fahrentholz, die selbst viele Jahre in Pflegeeinrichtungen gearbeitet hat. Physisch und psychisch sei das selbstverständlich während Corona auch ein Kraftakt auf beiden Seiten, ein Kraftakt, der vollsten Respekt verdiene, aber die alten Menschen, die allein leben, die keinen Partner mehr haben, würden nur allzu oft durchs Raster fallen und vergessen werden, sagt sie.

Die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden

„Die werden nicht liebevoll geweckt. Die nehmen alle Mahlzeiten alleine ein und haben den ganzen Tag keinen Ansprechpartner. Die können nur mit Freunden oder Angehörigen telefonieren, einige wenige haben vielleicht einen Internetanschluss, können aber lange nicht alle Medien nutzen, die den Jüngeren zur Verfügung stehen“, sagt die Politikerin. „Diese Menschen leiden genauso wie die Senioren in den Heimen, wenn nicht sogar noch mehr. Das sind die wahren Einsamen der Corona-Pandemie.“

Kathleen Fahrentholz

Mobile Pflegedienste versuchen, die Kontakte wegen Corona auf das nötigste Maß herunterzuschrauben, Tagespflege-Angebote fallen weg, den Angeboten der Nachbarschaftshilfe stünden viele ältere Menschen eher misstrauisch gegenüber, weil sie die Menschen nicht kennen und gelernt haben, dass man nicht jedem Fremden einfach so vertrauen kann. Gut, wenn dann Bekannte, Familie oder Nachbarn einspringen, aber gerade während der Pandemie ist auch das beschränkt, außerdem sind viele Menschen derzeit mit sich selbst und ihren eigenen Problemen genug beschäftigt. Aus Erfahrung weiß Kathleen Fahrentholz: „In der derzeitigen Situation kommen viele Angehörige nicht so oft, wenn sie denn überhaupt in der Nähe wohnen.  Und meistens sind es auch die Angehörigen, die nicht wissen, wo man sich hinwenden kann. Denn die Älteren wollen nicht immer wahrhaben, dass sie Hilfe brauchen. Wenn Angehörige da sind, telefonieren sie auch, aber das ist genau wie im Heim, der persönliche Kontakt fehlt einfach. Videogespräche sind in dieser Generation nicht so einfach, denn viele verstehen die neue Technik nicht. Wenige schaffen es, sich erfolgreich damit auseinander zu setzen.“

Wie kann man schnell und unbürokratisch helfen?

„Lösungsansätze sind natürlich nicht so einfach zu formulieren, aber ich als Vorsitzende der Liberale Senioren von Rheinland-Pfalz kämpfe für "meine" Senioren“, sagt Fahrentholz. „Die Generationen sollten sich mehr miteinander beschäftigen, sich der Nachbarschaft bewusst werden, und nachspüren, wer eventuell Hilfe brauchen könnte. Das Misstrauen gegenüber Unbekanntem ist sehr verbreitet ist. Hilfe anzunehmen ist gerade für die selbstständigen Alten ein Problem, weil sie sich nicht hilfsbedürftig fühlen. Ihnen fehlen aber gerade die Alltagskontakte. Ein Lebensmittelbringdienst ersetzte nicht das durch den Laden Schlendern und mit dem Verkäufer oder der Kassiererin reden. Mal ganz abgesehen davon, dass die Angst vor Unbekannten weit verbreitet ist. Schließlich gibt es in den Medien genug Warnungen vor Betrügern und Ganoven.“

Das Pilotprojekt "Gemeindeschwester Plus" sei ein guter Ansatz, meint Kathleen Fahrentholz. „Das sollte in Rheinland-Pfalz ausgeweitet werden. Die ehrenamtlichen Mitglieder besuchen nach vorheriger Zustimmung hochbetagte Menschen zu Hause, die noch keine Pflege brauchen, sondern Unterstützung und Beratung in ihrem aktuellen Lebensabschnitt.“
Zumindest für die Zeit nach der Pandemie ein erstrebenswertes Modell.

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Autor:

Heike Schwitalla aus Germersheim

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