Klimawandel stellt Wald und Winzer vor Herausforderungen
Mehr Unwetter

Vor allem Kiefern und Fichten in der Rheinebene sind in der Pfalz von der Trockenheit stark mitgenommen.
  • Vor allem Kiefern und Fichten in der Rheinebene sind in der Pfalz von der Trockenheit stark mitgenommen.
  • Foto: Max Lochner Lomax58/Pixabay.com
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Pfalz.Das charakteristische Rebsortenspektrum in der Pfalz verschiebt sich, Hitze und Trockenheit erfordern sorgfältige Bodenbearbeitung. Während der Pfälzerwald noch weitgehend gut mit dem Klimawandel zurechtkommt, sterben viele Fichten und Kiefern in der Rheinebene ab.

Vor 30 Jahren diskutierten die Staats- und Regierungschefs in Rio erstmals über die Erderwärmung. Heute sind großflächige Waldstücke abgestorben und die Weinlese beginnt immer früher - die letzten beiden trockenen Sommer haben jedem vor Augen geführt, was spätestens seit der ersten Weltklimakonferenz 1990 bekannt ist: Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen. Das hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft, den Weinbau und den Wald. „Die für unsere Region typischen Rebsorten könnten mit der Zeit verdrängt werden“, sagt Peter Brunck, Winzer in Schweigen-Rechtenbach und Mitglied des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Und auch die Wälder verändern sich, ergänzt der pensionierte Förster Armin Osterheld ebenfalls vom BUND.

Zwei sehr gute Wein-Jahrgänge

„Wir hatten zwei sehr gute Jahrgänge“, sagt Brunck - zu gut! Die Trauben enthielten zu viel Zucker, was zu einem hohen Alkohol- und geringem Säureanteil führte. Andererseits reifen in der Pfalz heute Weinsorten wie beispielsweise Merlot oder Sauvignon Blanc, die hier vor 30 Jahren undenkbar waren, sagt der Winzer. „Unser charakteristisches Rebsortenspektrum verschiebt sich“, so Brunck. Die Reben kommen mit Hitze und Trockenheit eigentlich gut zurecht, aber der Ertrag sei geringer. Und wenn der Riesling heute in der Regel auf den Südhängen wächst, wird er künftig wohl eher auf den Nordhängen angebaut, vermutet Naturschützer Brunck. Es komme auf eine sorgfältige Bodenbearbeitung an. Wichtig sei ein hoher Humusgehalt des Bodens, da so mehr Wasser gespeichert und außerdem Kohlendioxid gebunden wird. Allerdings bedeutet das eine hohe Verantwortung für den Winzer, da bei einer falschen Bodenbearbeitung die Nährstoffe als Nitrat ausgewaschen werden und das Grundwasser belasten.
Problematisch ist die Verfrühung der Vegetation. Die Pflanzen treiben früher aus, aber Spätfröste sind weiterhin möglich. So haben im Jahr 2017 Minustemperaturen im Mai viele Weinreben kalt erwischt. Ebenso führen Unwetter zu Ernteausfällen, wie ein Hagelgewitter am 30. Mai 2018, das teilweise komplette Lagen zerstört hatte. „Wir hatten auch früher Unwetter, aber nicht so häufig wie heute“, sagt Winzer Brunck. Auch die frühere Weinlese bringt Probleme mit sich. Da die Trauben von der Sonne aufgeheizt werden, müssen die geernteten Trauben sofort gekühlt werden, damit nicht frühzeitig die Gärung einsetzt.

Pfälzerwald steht gut da

Der Wald ist hier in der Pfalz die natürliche Vegetation, sagt Armin Osterheld, der auch Sprecher des Arbeitskreises Wald im BUND Rheinland-Pfalz ist. Der Wald bindet CO2 aus der Luft. Nicht nur im Holz und in den Blättern, auch im Boden sind große Mengen CO2 gebunden. Wenn der Mensch nicht eingreift, wachsen je nach Boden vor allem Buchen oder Eichen, bei feuchterem Untergrund beispielsweise Erlen oder Weiden. Auch die Weißtanne ist ein einheimischer Baum. Allerdings wurden vor allem in der Rheinebene Kiefern und Fichten gepflanzt, die jetzt von der großen Trockenheit und Hitze besonders betroffen sind. Der Pfälzerwald steht dagegen in weiten Teilen noch recht gut da, sagt Osterheld.
Aktuell diskutieren die Waldexperten darüber, ob südosteuropäische Baumarten möglicherweise besser mit dem wärmer werdenden Klima zurechtkommen, berichtet Forstfachmann Osterhold. Er meint, dass auch die heimischen Bäume eine gewisse Anpassungsfähigkeit haben. Auch eine Mischung einheimischer und anderer Baumarten wäre eine Lösungsmöglichkeit. Allerdings reiche weder das von der Bundesregierung zur Verfügung gestellte Geld noch das Personal in den ausgedünnten Forstverwaltungen, um betroffenen Flächen wieder aufzuforsten, so Osterheld. Bis die bundesweit betroffenen 180.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet wären, entwickeln sich aus den Samen der vorhanden Bäume, neue Triebe. Der Wald würde sich selbst regenerieren, wenn nicht Rehe, Wildschweine, Rot- und Damwild die jungen Pflanzen schädigen. Deshalb sieht BUND-Waldexperte Osterheld die Hauptaufgabe der nächsten Jahre darin, die hohe Dichte an Wild zu reduzieren. Die Tiere müssen stark bejagt werden, um den Wildbestand in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen. „Auch wir Winzer haben in den letzten zehn Jahren zunehmend Schäden durch Wildschweine und Rehe zu beklagen“, sagt Winzer Brunck. rk 

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Dehäm Magazin aus Ludwigshafen

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