Klimawandel auch im Pfälzerwald unübersehbar
Unsere grüne Lunge hat zu kämpfen

Klaffende Wunden: Dutzende vom Borkenkäfer befallene Fichten mussten in diesem zuvor dicht bewaldeten Abschnitt gefällt werden. Derartige Flächen häufen sich.
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Von Ralf Vester
Klima. Dass es dem Wald aufgrund der durch den Klimawandel verursachten Hitze und Trockenheit sowie durch den daraus folgenden Schädlingsbefall in den letzten Jahren zunehmend schlechter geht, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch dass es vor allem die Fichte massiv betrifft und deren Bestand im Eiltempo schrumpfen lässt, ist durchaus bekannt. Aber dass mittlerweile auch der robuste Paradebaum und die „Mutter aller Bäume“, die Buche, dieser unheilvollen Entwicklung schon vereinzelt zum Opfer fällt, ist nach den Worten des Kaiserslauterer Forstrevierleiters Klaus Platz eine in diesem Jahr ganz neue, besorgniserregende Tendenz.

Nur wenige Meter entfernt vom Stiftswalder Forsthaus, in dem das Forstamt Kaiserslautern beheimatet ist, zeigt er eine stattliche, etwa 180 Jahre alte Buche, die den Kampf gegen den Wassermangel und den daraus resultierenden Pilzbefall verloren hat. Der Stamm ist mehrfach vertikal aufgeplatzt, der Pilz hatte leichtes Spiel einzudringen und dem imposanten Baum den Garaus zu machen. Von innen heraus verpilzt, ist diese Buche, deren Holz im Verkauf bis zu 1.000 Euro bringen kann, lediglich noch als Brennholz zu gebrauchen.

Unübersehbare Auswirkungen
Klaus Platz blutet verständlicherweise das Försterherz, wenn er so etwas sieht und er in seinem Kampf für die Erhaltung des Waldes in der Region eine kleine Niederlage zu verkraften hat. Der 63-Jährige wacht Tag für Tag mit Argusaugen über sein großes Revier im Herzen des Pfälzerwaldes. Mit Geländewagen und zu Fuß streift der gebürtige Hambacher durch den Wald. Eine Drohne leistet ihm wertvolle Dienste, wenn es darum geht, sich einen Überblick über die gerade zu begutachtenden Waldstücke zu verschaffen.

Und was Klaus Platz vom Boden und aus der Luft beobachtet, bereitet ihm Kopfzerbrechen. Zwar steht der Pfälzerwald durch die Vielfalt seines Mischbestandes noch weitaus besser da als etwa die vor allem von Monokulturen geprägten Wälder in Eifel und Hunsrück, aber dass auch die grüne Kathedrale hier bei uns mit den Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels zu kämpfen hat, ist inzwischen unübersehbar.

Wer gen Himmel blickt, sieht selbst bei Buchen und Eichen lichte, braun verfärbte Kronen, die vom Wassermangel zeugen. Die Bäume werfen bereits früher als im Herbst ihr verdorrtes Laub ab, um den Wasserverbrauch zu reduzieren und bilden, wenn überhaupt, weiter unten am Stamm Triebe aus. Auch Nadelbäume wie die robuste Douglasie lichten ihr Haupt zusehends. In einer Tannenschonung, in der sich die Leute im Advent ihre Christbäume schlagen können, sind zahlreiche frische Setzlinge braun und vertrocknet – obwohl sie in einer Senke liegen, in der sich die Feuchtigkeit sammeln müsste.

Fichten ziehen den Borkenkäfer magisch an
Das absolute Sorgenkind ist und bleibt die Fichte. Klaus Platz bemüht den Fußballerjargon, wenn er von den verschiedenen Baumarten spricht. Um den einst unerschrockenen „Stürmer“ ist es richtig schlecht bestellt. Ohnehin schon geschwächt von der Hitze und den extrem dürren Sommern der letzten Dekade, fällt er dem Borkenkäfer reihenweise zum Opfer. Die Fichten ziehen den gefürchteten Schädling geradezu magisch an.

Der Kampf dagegen hat etwas vom Wettlauf zwischen Hase und Igel. „Sobald ein Baum vom Borkenkäfer befallen ist, dauert es nur wenige Tage, bis er derart geschädigt ist, dass wir ihn fällen und umgehend aus dem betroffenen Waldstück ziehen müssen“, berichtet der Forstrevierleiter. Nur so lässt sich verhindern, dass weitere Fichten infiziert werden. In einer nicht rechtzeitig aus dem Wald transportierte Fichte steckt das Borkenkäferpotenzial, um maximal sage und schreibe weitere 8.000 Bäume zum Absterben zu bringen. Es ist erschreckend, wie rasch der Verfall der Fichten voranschreitet und wie rasant sich die Population des größten Feindes des Waldes vervielfacht.

Klaffende Wunden
Zwar sind im Raum Kaiserslautern noch nicht wie in manch anderen Waldgebieten ganze Hänge kahl, aber es gibt auch hier schon große, klaffende Wunden im Baumbestand, die sich nur mit viel Mühe, Geduld und Geschick im Laufe der kommenden Jahrzehnte wieder schließen lassen. Ein Sammelplatz mit gigantischen Poldern gefällter Fichten beweist mitten im Wald, was die Stunde geschlagen hat. Geht die Entwicklung ungebremst so weiter, könnte bereits in zehn Jahren das Ende der stolzen Fichte besiegelt sein.

Was ist zu tun? „Wir müssen sofort eine Vollbremsung hinlegen, um den CO2-Ausstoß drastisch zu verringern und die Erderwärmung bei maximal zwei Grad zu deckeln. Die erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie müssen massiv ausgebaut werden. Auch eine zügige Abkehr von fossilen Brennstoffen in der Automobilindustrie ist geboten. Jeder von uns kann im Kleinen seinen Teil dazu beitragen“, wird Klaus Platz nicht müde, sich vehement für einen Sinneswandel einzusetzen.

Den Wald für kommende Generationen erhalten
Man merkt es dem Forstrevierleiter in jeder seiner Ausführungen an, wie wichtig es ihm ist, dass der Pfälzerwald auch künftige Generationen mit seiner Magie verzaubern kann. Es ist höchste Zeit, um zu verhindern, dass dieses herrliche Fleckchen Erde und zugleich unsere grüne Lunge in nicht allzu ferner Zukunft nicht auch dem Untergang geweiht ist.

Das geht uns alle an!
Nachhaltigkeit liegt uns am Herzen. Unsere Wochenblätter werden auf Recycling-Papier gedruckt. Hierfür musste kein Baum sterben. Gegenüber Frischfaserpapier werden bei der Herstellung von Recyclingpapier zudem bis zu 60 Prozent Energie, bis zu 70 Prozent Wasser sowie CO2-Emissionen und Abfall eingespart. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist auch der Grund für eine Kooperation der Wochenblätter, Stadtanzeiger und des Trifels Kuriers mit der Natur- und Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF), der jetzt zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) die Kampagne „#together4forests“ startet. Dem BVDA gehören neben unserem Verlag rund 200 Verlage mit einer wöchentlichen Auflage von etwa 60 Millionen Zeitungen an. Wenn Ihnen ein nachhaltiger Umgang mit unserer Umwelt genauso am Herzen liegt wie uns, geben Sie bitte diese Zeitung nach dem Lesen ins Altpapier. Weitere Artikel zum Thema finden sich unter www.wochenblatt-reporter.de/klimawandel-in-der-pfalz

Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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