Im Gespräch mit Heinz Pollini, Weißer Ring Südpfalz
Wenn Trauma und Angst den Alltag bestimmen - der Weiße Ring steht Einbruchsopfern bei

Heinz Pollini, Leiter der Außenstelle Südpfalz des Weißen Rings
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  • Heinz Pollini, Leiter der Außenstelle Südpfalz des Weißen Rings
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Germersheim/Südpfalz. Wer Opfer eines Verbrechens wird, leidet. Wie gut es ist, wenn man dann einen sicheren Wohlfühlort hat, an den man sich zurückziehen kann. Opfer von Wohnungseinbrüchen trifft es besonders hart, denn sie verlieren auch diesen letzten Rückzugsort - sie können sich ganz plötzlich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher, nicht mehr geborgen fühlen.
Was tun, wenn ein solcher Fall eintritt? Der Weiße Ring kann dann für Einbruchsopfer ein guter Ansprechpartner sein. Der Weiße Ring wurde am 24. September 1976 in Mainz als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“ gegründet und zählt aktuell rund 50.000 Mitglieder. Um Opfer von Verbrechen kompetent zu beraten, hat der Verein ein deutschlandweites Netz von rund 2.900 ehrenamtlichen Opferhelfern in mehr als 400 Außenstellen aufgebaut. Dort suchen regelmäßig auch Opfer von Wohnungseinbrüchen Unterstützung.
Heinz Pollini ist der Leiter der Außenstelle Südpfalz des Weißen Rings, er berichtet von der Arbeit mit Verbrechensopfern.
„Wir stehen natürlich auch Betroffenen nach einem Einbruch zur Seite, wir stehen jeglichen Opfern von Straftaten zur Seite und helfen ihnen“, sagt Pollini.

???: Hat der Weiße Ring Experten, die auf die Betreuung von Einbruchsopfern spezialisiert sind?
„Der Weiße Ring hat Mitarbeiter, die sich in vielen Bereichen auskennen, durch spezielle Schulungen und Seminare oder auch durch ihren beruflichen Werdegang. Außerdem können wir behilflich bei sein, bei der Vermittlung von Psychologen und Therapeuten und eine Psychologische Erstberatung übernehmen.“

???: Wie hilft der Weiße Ring Einbruchsopfern?
„Beim Weißen Ring haben Sie vor Ort einen persönlichen Ansprechpartner. Wir unterstützen Hilfesuchende dabei, mit ihrer Situation umzugehen. Wir stehen an ihrer Seite, beispielsweise durch persönlichen Beistand und Begleitung zu Polizei-, Gerichts- und Behördenterminen. Es ist uns möglich, den Hilfesuchenden unkompliziert Hilfe zugänglich zu machen - durch einen Hilfescheck für eine psycho-traumatologische Erstberatung oder durch einen Hilfescheck für eine anwaltliche Erstberatung. Daneben haben wir in bestimmten Fällen auch finanzielle Hilfsmöglichkeiten. Diese können Einbruchsopfer in Anspruch nehmen, etwa zur Wohnungssicherung oder bei zerstörten Einrichtungsgegenständen. Wir sind auch behilflich bei der Vermittlung einer Sicherheitsberatung durch die Polizei, präventiv oder im Haus eines Einbruchsopfers.“

???: Man hört immer wieder, dass ein Einbruch traumatische Störungen bei den Opfern hinterlassen kann, wie äußern sich diese Störungen?
„Neben dem Verlust von materiellen Werten müssen Opfer auch verkraften, dass jemand in ihre Privatsphäre eingedrungen ist. Das Zuhause, in dem man sich geborgen fühlte, erscheint plötzlich nicht mehr sicher. Das stellt eine starke psychologische Belastung dar, die sich in verschiedenen Symptomen äußert: Ängste, Nervosität, Schlafstörungen, Alpträume bis hin zu psychosomatischen Störungen wie Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf oder Magen-Darm-Problemen. Eine nicht unbedeutende Zahl von Einbruchsopfern leidet langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen.
Viele stellen sich immer wieder die Frage, wie ihnen so etwas passieren konnte, ob sie zu unvorsichtig waren, ob sie durch ihr Handeln sogar Diebe angelockt haben. Bei vielen spielt auch der Ekel eine starke Rolle - da war ein fremder in meinem Schlafzimmer, mein persönlichster Lebensraum, was hat der alles angefasst. Für viele ist dies so belastend, dass sie ausziehen möchten, einige tun dies sogar auch“
Damit sich Ängste und Traumata nicht verfestigen, ist es wichtig, Betroffene unmittelbar nach dem Einbruch zu unterstützen. `Es kann bereits helfen, über Erlebtes zu sprechen und so das Geschehene zu verarbeiten`, sagt dazu die Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, Bianca Biwer. Es ist also sinnvoll, sich aktiv Beistand zu holen, bei Verwandten, Freunden, aber auch bei Hilfseinrichtungen oder Psychologen.
Sucht ein Einbruchsopfer Hilfe bei uns, ist es wichtig, dass die Helfer die möglicherweise bestehenden Schuldgefühle des Betroffenen nicht noch verstärken. Man sollte also auf gar keinen Fall über mögliche Sicherheitslücken sprechen oder mögliches Fehlverhalten thematisieren.“

???: Was kann man gegen ein solches Trauma tun, wenn man sich in der eigenen Wohnung plötzlich nicht mehr sicher und geborgen fühlen kann?
„Ein Umzug hilft oftmals nicht viel, da sich das Opfer dann wiederum Gedanken über mögliche Fehler macht und sich daraus auch die Ängste wieder verstärken. Was kann man also tun? Es kommt darauf an, die Gedanken und das Handeln der Betroffenen auf konkrete Pläne und Veränderungen zu richten. `Es hilft, sich darüber zu informieren, was man selbst tun kann, um künftigen Einbrüchen bestmöglich vorzubeugen`, sagt etwa unsere Bundesgeschäftsführerin. Mit welchen technischen Mitteln - wie Türsicherungen, Alarmanlagen oder Rollläden - kann man es Einbrechern so schwierig als möglich machen? Diese Dinge gibt den Einbruchsopfern oft das Gefühl, dass sie aktiv dazu beitragen können, weitere Einbrüche zu verhindern.
Denn Zwänge und Ängste können sich auswirken bis hin zu einer schweren PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung). Und man muss wissen, oftmals kann schon eine einmalige Beratung bei einem Psychologen dabei helfen, dass sich Ängste nicht verfestigen.
Mitunter neigen Einbruchsopfer dazu, ihre Wohnung zu einer Festung zu machen und sie kaum noch zu verlassen. Auch wird oft alles übergründlich gereinigt, um die Berührungen des Einbrechers wegzuwischen. Es bauen sich unbewusst immer weiter Zwänge und Ängste auf. Das hilft aber nicht bei der Verarbeitung des Geschehens. Besser ist es, soziale Beziehungen zu pflegen, Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten. Das sorgt für ein höheres Sicherheitsgefühl. Denn gibt es mehrere Orte, an denen man sich sicher und geborgen fühlt, verliert die eigene Wohnung etwas an Bedeutung - und damit sinkt auch die Angst vor einem erneuten Einbruch.“

???: Kann man vorbeugen?
„Ja, auch präventiv lässt sich einiges tun. Informieren Sie sich vielfältig - etwa auf den Internetseiten www.polizei-beratung.de, www.weisser-ring.de/praevention/tipps/ einbruchschutz oder www.k-einbruch.de - und entscheiden Sie dann für sich, was Sie wirklich benötigen. Oft hilft da ganz wenig schon, um ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln und gleichzeitig einem Einbrecher seine „Arbeit“ zu erschweren. Und damit kann man schon so manchen Einbruch verhindern, denn Einbrecher möchten am liebsten immer schnell und leise arbeiten.“

???: Wohin kann ich mich als Opfer wenden?
„Als Opfer einer Straftat kann man sich an das bundesweite kostenfreie Opfer Telefon 116006 des Weißen Rings wenden oder an eine der 420 bundesweiten Außenstellen. Diese sind zu finden auf der Internet-Präsenz des Weißen Rings. 
Für den Bereich der Landkreise Germersheim, Landau und Südliche Weinstraße ist die Außenstelle Südpfalz zuständig – erreichbar unter 07272 7403731, 0173 9899472 oder AS.Suedpfalz.Weisser.Ring@web.de“

Autor:

Heike Schwitalla aus Karlsruhe

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