Psychologin Anna Schreiber spricht beim „Runden Tisch Prostitution“
„Prostitution ist ohne Dissoziation nicht ertragbar“

Von links: Margret Stein-Geib, Anna Schreiber, Saskia Sauter und Julia Wege.
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  • Foto: DW/Lammer
  • hochgeladen von Laura Seezer

Mannheim. 45 Teilnehmer kamen zum „Runden Tisch Prostitution“ ins Haus der Evangelischen Kirche Mannheim, zu dem die diakonische Beratungsstelle Amalie regelmäßig einlädt. Bereits seit 2012 treffen sich Vertreter aus Politik, Wohlfahrt, Behörden und Polizei sowie Fachleute, mit dem Ziel zweimal jährlich in Austausch zu treten und das Thema Prostitution in Mannheim zu diskutieren. Eingeladen hat die Beratungsstelle Amalie diesmal die psychologische Psychotherapeutin Anna Schreiber. Schreiber war selbst in der Prostitution tätig und berichtete im Rahmen des Runden Tisch zum einen von ihren Erfahrungen, vor allem aber über Therapiemöglichkeiten unter dem Titel „Die psychischen Verarbeitungsstrategien von Frauen in der Prostitution und Möglichkeiten der therapeutischen Intervention“.
In ihrem Buch „Körper sucht Seele“ sprach Anna Schreiber das erste Mal über ihre Erfahrungen als Prostituierte. Anfang der 1980er Jahre finanzierte sie sich mit der Tätigkeit ihren Lebensunterhalt und den ihrer Tochter. Nach zwei Jahren gelang ihr der Ausstieg und später ein selbst finanziertes Psychologie-Studium. In ihrem Vortrag beim Runden Tisch spricht sie nicht nur über ihr Leben, sondern auch – in ihrer Funktion als Psychotherapeutin – ein gesellschaftlich wichtiges und relevantes Thema an. An der Legalisierung von Prostitution übt sie Kritik. „Aus Gesprächen mit meinen Klientinnen weiß ich, dass käuflicher Sex Gewalt ist.“ Begegnungen, körperlicher Kontakt und Sex fänden in dieser Form dissoziativ statt und nie einvernehmlich freiwillig, so Schreiber. Nur durch die Dissoziation gelingt es, die Prostitution zu ertragen. Selbstverletzendes Verhalten oder der Konsum von Drogen gehören bei vielen Frauen zum Alltag dazu, um das Erlebte kompensieren zu können.
Geeignete Therapien, Traumataverarbeitungen, aber vor allem gesellschaftliche Sicherheit und fachliche Beratung können diesen Frauen aber helfen. „Prostitution hat immense Auswirkungen auf Frauen, Männer, Kinder, Ehen und auf die gesamte Gesellschaft – darüber müssen wir sprechen“ Immer noch bestünde gesellschaftlich die Haltung vom „Märchen der freiwilligen Prostitution“. Bei vielen hinterließe das aber lebenslang Spuren, Stigmatisierung und Identitätsverlust gingen damit einher, so Schreiber weiter.
Die Arbeit der diakonische Beratungsstelle Amalie schätzt Schreiber, allen voran das Amalie-Wohnprojekt, das Frauen hilft auszusteigen. Eine stabile Wohnsituation sei eine sichere Basis für die Frauen in ihrer komplexen Notlage.
Derzeit leben im Amalie-Wohnprojekt zwei Frauen. Aktuell konnte eine schwangere Frau ausziehen und erfolgreich eine eigene Wohnung beziehen, wie Sozialarbeiterin Saskia Sauter beim Runden Tisch erzählt. „Es ist enorm schwierig, geeignete und bezahlbare Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt zu finden.“ Die Zusammenarbeit mit den Akteuren des Runden Tisches und hier insbesondere mit dem Fachbereich Gesundheit gestaltete sich sehr kooperativ, so Sauter weiter.
Die diakonische Beratungsstelle Amalie berät in Mannheim Frauen, die in der Prostitution arbeiten oder aussteigen möchten und wurde 2013 gegründet. Aufgrund der prekären Armutssituation arbeiten viele osteuropäische Frauen in der Prostitution. Amalie bietet Beratung, Begleitung, medizinische Grundversorgung und Ausstiegshilfen an. Finanziert wird die Beratungsstelle durch die Stadt Mannheim, das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, das Diakonische Werk sowie Spenden. Weitere Infos unter amalie-mannheim, diakonie-mannheim JeLa 

Autor:

Laura Seezer aus Mannheim

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