Corona: Ausbildungsmarkt
Weniger Stellen, weniger Bewerber

Die Zahl der Bewerber ist stärker zurückgegangen als die der Ausbildungsstellen: beste Chancen für die Berufsausbildung
  • Die Zahl der Bewerber ist stärker zurückgegangen als die der Ausbildungsstellen: beste Chancen für die Berufsausbildung
  • Foto: Anastasia Gepp/Pixabay
  • hochgeladen von Heike Schwitalla

Ausbildung. Sowohl die aktuelle Zahl der Ausbildungsstellen als auch der Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum vergangenen Ausbildungsjahr 2020/2021 gesunken, teilt das baden-württembergische Wirtschafts- und Arbeitsministerium nach dem heutigen Spitzengespräch der Partner des Ausbildungsbündnisses Baden-Württemberg mit. Die Gründe für diesen Rückgang seien zum einen strukturell bedingt, zum anderen der Corona-Pandemie geschuldet: viele Schülerinnen und Schüler verschieben aktuell ihre Berufswahl auf einen späteren Zeitpunkt und entschließen sich beispielsweise dazu, länger in der Schule zu bleiben oder noch ein Jahr abzuwarten.

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ist im Vorjahresvergleich um 12,5 Prozent (6.642) auf 46.376 gesunken. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich um 5,5 Prozent (3.931) auf 66.907 gesunken. Auf den ersten Blick bleibt die Stellen-Bewerber-Relation mit 1,44 im Vergleich zum Vorjahresmonat (1,34) ähnlich gut. Der Grund dafür ist, dass die Zahl der
Bewerberinnen und Bewerber stärker zurückging als die Zahl der Ausbildungsstellen. Aber so fehlen künftige Fachkräfte.  

Gegen den Rückgang der Ausbildungsverträge

Die Partner des Ausbildungsbündnisses stemmen sich gegen einen weiteren Rückgang der neuen Ausbildungsverträge. „Für das neue Ausbildungsjahr im Sommer wollen wir noch mehr Jugendliche und Betriebe kurzfristig zusammenbringen“, sagte Arbeits- und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut nach dem Gespräch mit den Bündnispartnern. 
„Ich ermutige alle Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung interessieren, noch in diesem September in die Ausbildung zu starten und nicht noch ein Jahr abzuwarten. Ihre Chancen sind gut, denn es gibt deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber“, betonte die Ministerin. Auf 100 Bewerberinnen und Bewerber kämen derzeit 144 Ausbildungsstellen. Umgekehrt bekämen viele Betriebe jedoch keine oder nicht genug Bewerberinnen und Bewerber. Außerdem appellierte Hoffmeister-Kraut an alle Betriebe, auch in Corona-Zeiten auszubilden. „Denn selbst auszubilden sichert den Betrieben die Fachkräfte, die sie in den nächsten Jahren noch mehr brauchen als heute“, sagte die Ministerin. 

Corona-Krise sorgt für Unsicherheit bei Jugendlichen

Die Pandemie- und Krisensituation bezeichnete Hoffmeister-Kraut auch für die Jugendliche als eine „große Unsicherheit“. „Wir vermuten, dass viele Jugendliche erst einmal abwarten wollen. Sie bleiben zu Hause bei den Eltern, jobben, um ihr erstes Geld zu verdienen, oder bleiben an den Schulen, um ihre schulischen Qualifikationen zu verbessern“, erläuterte sie. Es sei auch möglich, dass sich viele Jugendliche trotz ihres Interesses an einer Ausbildung nicht bei den Arbeitsagenturen meldeten, weil die üblichen Zugangswege durch die Pandemie eingeschränkt und die persönlichen Beratungsgespräche kaum möglich seien.
„In der Folge der Corona-Pandemie sind viele Angebote der beruflichen Orientierung entfallen oder konnten nur eingeschränkt durchgeführt werden. Die digitalen Alternativen erreichen die Jugendlichen noch nicht so, wie wir es uns wünschen. Deshalb haben die Bündnispartner ihre Aktionen und Veranstaltungen zur beruflichen Orientierung und Ausbildungsvermittlung kurzfristig nochmals intensiviert“, betonte Hoffmeister-Kraut. Digitale Azubi-Speed-Datings und Ausbildungsmessen sowie virtuelle Praktika, Ausbildungsbotschafter-Wochen, Schüler- und Azubi-Camps sowie Werkstattcamps, Bewerbungs-Webinare, Lehrer-Netzwerktreffen, Webinare für Eltern und Elterncafés wurden für den Sommer 2021 noch kurzfristig ins Leben gerufen. Eine Übersicht über die Vielzahl der Angebote stellt das Wirtschaftsministerium auf der Internetseite der Ausbildungskampagne www.gut-ausgebildet.de/ausbildungjetzt zur Verfügung.

Kampagne: #AusbildungJetzt

Um die Jugendlichen auf die Aktionen und die Chancen der beruflichen Ausbildung aufmerksam zu machen, werden die Veranstaltungen von einer gemeinsamen Social-Media-Aktion unter dem Hashtag #AusbildungJetzt begleitet. Außerdem werden die Schülerinnen und Schüler der Abgangs- und Vorabgangsklassen aller allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg nicht nur mit ihren Abschlusszeugnissen in die Sommerferien entlassen: Die Schülerinnen und Schüler der Vorabgangsklassen erhalten dieses Jahr mit ihren Zeugnissen den Flyer „Next Level: Zukunft“ des Ausbildungsbündnisses, mit dem sie sich schnell und einfach über die zentralen Angebote zur beruflichen Orientierung und Ausbildungsvermittlung im Internet und den Sozialen Medien informieren können. Enthalten sind Angebote, um die eigenen Interessen und Stärken zu erkennen, Informationen über Ausbildungsberufe, Unterstützungsangebote und Links zu Ausbildungsstellenangeboten. Die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen will die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit mit einer Postkarte unter dem Motto „#AusbildungKlarmachen statt abtauchen“ dafür gewinnen, die Angebote zur Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit auch im Sommer und während der Ferien in Anspruch zu nehmen.
Auch in diesem Jahr wurde das Spitzengespräch für eine Bilanzierung des vergangenen Ausbildungsjahres 2020/2021 genutzt: „Einen Corona-Jahrgang 2020 konnten wir vermeiden. Mit einem Minus von 10,3 Prozent bei den neuen Ausbildungsverträgen im September 2020 hat die berufliche Ausbildung aber einen spürbaren Dämpfer hinnehmen müssen,“ bilanzierte die Wirtschaftsministerin. rk/ps

Bis zu 6.000 Euro pro Azubi
Autor:

Roland Kohls aus Ludwigshafen

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