Labrador Pumbaa unterstützt die pädagogische Arbeit in der Tagesgruppe Ludwigshafen-Maudach
Kollege Hund als Mutmacher und Türöffner

Pumbaa und seine Besitzerin Michaela Jung bei der Arbeit in der Tagesgruppe.
  • Pumbaa und seine Besitzerin Michaela Jung bei der Arbeit in der Tagesgruppe.
  • Foto: evh/ Klaus Landry
  • hochgeladen von Martin Müller

Ludwigshafen. „Manchmal kommt es mir vor, als könnte mein Hund zaubern“, erzählt Michaela Jung. Seit fast drei Jahren begleitet der schokobraune Labrador Pumbaa seine Besitzerin an ihren Arbeitsplatz in die Tagesgruppe der Evangelischen Heimstiftung Pfalz im Ludwigshafener Stadtteil Maudach. Dort betreut die Mitarbeiterin des Evangelischen Jugendhilfezentrums Worms gemeinsam mit zwei Kollegen werktags 10 Kinder im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren, die nach der Schule in der Tagesgruppe pädagogisch gefördert werden. Pumbaa ist dabei inzwischen als Spielgefährte, Mutmacher und Seelentröster nicht mehr wegzudenken.

Heute schreibt Pumbaa mit den Kindern ein Würfeldiktat. Die Kinder lassen den Vierbeiner mit einem großen Schaumstoffwürfel eine Zahl würfeln. Zu jeder Zahl gibt es einen Satz, der anschließend geschrieben wird. Ist das geschafft, dürfen die Kinder Pumbaa ein Leckerli geben und ihn erneut würfeln lassen. Das Würfeldiktat ist nur eine der pädagogischen Einheiten, die sich Michaela Jung für die Arbeit mit Pumbaa ausgedacht hat. „Manchmal spielen wir auch Zahlendart“, erzählt sie. „Die Kinder werfen Leckerlis auf eine aufgemalte Dartscheibe. Mit den Zahlen in den Feldern werden Rechenaufgaben gebildet. Wer das Pumbaa-Feld in der Mitte trifft, darf einen Trick mit ihm machen, ihn Knuddeln und das Leckerli füttern.“ Beliebt sei auch der „Löffeltransport“. Schaffen es die Kinder, ein Leckerli auf einem Kochlöffel einmal im Stuhlkreis herumzugeben, ohne dass es fällt, dürfen sie den in der Mitte wartenden Pumbaa damit füttern. „Das Spiel lässt sich in verschiedensten Varianten und Schwierigkeitsgraden durchführen und fördert gleich mehrere Fertigkeiten im Bereich Bewegung und Motorik“, erläutert die Diplom-Sozialpädagogin.

„Was sich so locker und leicht anhört, kostet die Kinder viel Überwindung und ist harte Arbeit für sie,“ betont Jung. „Die Kinder hier leben mit Problematiken wie Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie, also Mathe-Schwäche.“ Viele hätten zusätzlich Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund von ADHS und seien schnell frustriert und impulsiv, wenn Aufgaben sie überfordern. Schule und Lernen seien daher oft mit negativen Erlebnissen verknüpft und es gebe eine Abwehrhaltung gegen alles, was damit zu tun hat. „Dass die Kinder hier freiwillig und mit großer Freude in den Fördereinheiten mitarbeiten, liegt einzig und allein daran, dass Pumbaa Teil dieser Angebote ist,“ so die Erfahrung seiner Besitzerin.

Den ersten positiven Effekt erziele Pumbaa schon, indem er die Kinder freudig begrüße, wenn die nach der Schule in die Gruppe kommen, erzählt die Gruppenleiterin: „Damit katalysiert Pumbaa die negativen Emotionen und Gedanken der Kinder, die sich meist um den für sie sehr stressigen Schultag drehen, und gibt ihnen die Möglichkeit, den Tagesgruppentag positiv zu beginnen. Ganz nach dem Motto: Pumbaa mag mich, auch wenn ich heute in der Schule richtig Ärger bekommen habe.“ Durch die soziale Beziehung, die die Kinder zu Pumbaa aufgebaut haben, werde die Ausschüttung des sogenannten Bindungshormons Oxytocin angeregt. Steige der Oxytocinspiegel, würden automatisch Stress und Anspannung abgebaut. „Wer sich also vor den Hausaufgaben noch eine Umarmung von Pumbaa abholt, kann entspannt und ohne Lernblockaden durchstarten, denn Stress mindert die Denk- und Leistungsfähigkeit.“

An solchen Erklärungen erkennt man, dass sich Michaela Jung auf den Einsatz von Pumbaa gezielt vorbereitet hat. Gemeinsam haben beide eine Ausbildung zum Therapiehundeteam absolviert. Mit dem Abschluss hat sich nicht nur ein langgehegter Traum von Michaela Jung erfüllt. Vor allem, sagt sie, profitieren die Kinder von Pumbaas Anwesenheit: „Pumbaa übernimmt die Funktion des Motivators und zaubert eine Atmosphäre, in der Selbstzweifel und Konkurrenz keinen Platz haben. Er ist wie ein magischer Türöffner, der es den Kindern ermöglicht, alte Denkmuster loszulassen und neue Sicht- und Handlungsweisen aufzubauen. Wirklich, manchmal kommt es mir vor, als könnte mein Hund zaubern.“

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen