Veranstaltungsbranche kämpft um Zukunft
#AlarmstufeRot in Rheinland-Pfalz

#AlarmstufeRot und Vertreter der Veranstaltungswirtschaft zum Gespräch bei Finanzminister Olaf Scholz  Foto: Franz
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Pfalz. Die Veranstaltungswirtschaft ist die sechstgrößte Branche in Deutschland. Aktuell sind mehr als eine Million Menschen in der Branche betroffen  von der Pandemie, denn seit etwa sieben Monaten sind Veranstaltungen verboten. Damit fehlen sämtliche Einnahmen.

Neben Gesprächen mit der Landesregierung in Mainz geht es auch in Berlin weiter: In der Hauptstadt wird am 28. Oktober wieder demonstriert, bereits am 12. Oktober war eine Delegation des Bündnisses #AlarmstufeRot zu Gast in der Hauptstadt und legte Finanzminister Olaf Scholz die schwierige Lage dar. Dieser zeigte Verständnis für die Situation der Menschen. Die besondere Betroffenheit sei der Regierung bewusst. Da die bisherigen Hilfsprogramme noch nicht voll ausgeschöpft wurden, kann Scholz Hoffnung machen: Er stellte „maßgeschneiderte Programme für die Veranstaltungswirtschaft“ in Aussicht. Die Forderungen der Branche sind klar: Kosten sollen bis zu 90 Prozent erstattet werden, Veranstaltungskosten sollen ersetzt werden. Um kleinen Betrieben zu helfen, soll der Bund auch Eigenleistungen als förderfähig anerkennen. Neben zahlreichen weiteren Anpassungen wird auch ein Fonds, um zukünftige Ausfälle von Veranstaltungen abzufangen. Die Versicherungen der Unternehmen würden für solche Szenarien nicht mehr aufkommen, so das Bündnis #AlarmstufeRot. Am 28. Oktober soll es, wie bereits im September, zu einer großen Demonstration in Berlin geben, um „auf die dramatische Lage aufmerksam zu machen“, so das Bündnis. Auch die Grünen unterstützen die Branche auf Bundesebene. In einem Rettungsplan sollen zehn Punkte helfen. „Es geht nicht um das ökonomische Überleben der Branche, sondern um eine demokratische Austauschform, ja, um unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so die Partei in dem Papier. So soll in regelmäßigen Krisendialogen auf die Expertise der Branche gehört werden und Gesprächsrunden mit Vertretern der Veranstalter im Parlament Platz finden.

Der Runde Tisch ist in Mainz aktiv

Nach Gesprächen mit Politikern in Mainz traf sich am Dienstag, 13. Oktober, der neu gegründete runde Tisch der Veranstaltungswirtschaft Rheinhessen/Pfalz, um einen Forderungskatalog auf den Weg zu bringen, den die Mitglieder der Versammlung für die kommenden Wochen als vordringlich erachten. Er soll weitere Insolvenzen verhindern und allem voran helfen, in die Zukunft zu blicken. Man wolle dringend nötige Öffnungsszenarien besprochen wissen. „Bei aller Dringlichkeit der Hilfsprogramme, geht es uns, darum aufzuzeigen, wie in naher Zukunft wieder professionell veranstaltet werden kann“, so Timo Holstein, Sprecher der Runde. Themen wie die Verhältnismäßigkeit der Mittel, die Gleichbehandlung unterschiedlicher Branchen sowohl bei Hilfen als auch schlichtweg bei Themen wie Mindestabständen in geschlossenen Räumen sind ein Thema. Aber auch Kapazitäten von Spielstätten im Land seien dabei genauso wichtig wie der Blick auf einen „mutigen Neustart - stets im Auge die Sicherheit aller“. Denn letztlich ist ein kompletter Wirtschaftszweig seit März unverschuldet vom Broterwerb abgeschnitten. „Man sieht womöglich noch die Künstler auf der Bühne, die vielen essenziellen Gewerke dahinter sieht man nicht. Sie stehen derzeit sprichwörtlich im Regen“, so Petra Quednau vom runden Tisch.

Klare Forderungen an die Regierung in Mainz

Schon Anfang November reist die Gruppe erneut nach Mainz und hofft, dass bei derzeitiger Aufmerksamkeit auf das Thema, Teile Ihres Forderungskataloges schon auf der Agenda stehen werden. Die Forderungen enthalten unter anderem einen Unternehmerlohn für Soloselbstständige und Inhaber, die Verhältnismäßigkeit von Obergrenzen bei professionellen Veranstaltungen sowie eine Ausfallsicherung für zukünftige Veranstaltungen. So könnte sprichwörtlich „der Motor wieder angeworfen“ und Einzelveranstaltungen wie Tourneen geplant werden. Gleichzeitig gäbe das auch den Ticketkäufern Sicherheit und könnte die Nachfrage nach Karten ankurbeln, da für die Käufer die Gewähr bestünde, dass gekaufte Tickets abgesichert sind. Sollte die Veranstaltung untersagt werden, würden dem Ticketkäufer die Karten und dem Veranstalter sowohl seine Kosten als auch der entgangene Gewinn erstattet. Damit wären auch die Dienstleister der gesamten Wertschöpfungskette versichert.
Weiterhin verlangt die Tischrunde ein einheitliches Vorgehen auf Bundesebene, um den „föderalen Flickenteppich“ zu vermeiden. Bisherige Hilfen, projektbezogene Förderungen waren oft an zukunftsweisenden Technologien gekoppelt. Die Vereinigung weißt darauf hin, dass bei aller Innovationskraft die Mehrheit der Veranstaltungen „ausdrücklich nicht zu digitalisieren, oder durch Hybride und Streamingevents zu ersetzen ist“. Die Wertschöpfungskette aus Künstlern, Technikdienstleistern, Agenturen, Spielstättenbetreibern, Caterern, Security-Unternehmern, sowie die sich aus einer Veranstaltung ergebenden sekundären Effekten auf Gastronomie, Hotellerie bis hin zum Taxiunternehmer, lebt vom Liveerlebnis. Ferner erwartet und wünscht sich der Fan, das „echte Konzert“, ja die tobende, schwitzende Masse. Negativer Nebeneffekt, abgesehen von vielen nicht beachteten Rechts- & Lizenzfragen, der Diskussion um Streaming-Alternativen, ist eine schleichende Abwertung der künstlerischen Leistung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. kim/ps

Autor:

Kim Rileit aus Ludwigshafen

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