63.000 Beschäftigte im Raum Unterer Neckar haben "Job auf Zeit"
IG Bau fordert: Befristete Jobs in Mannheim eindämmen

Die Uhr läuft: Befristete Jobs sind gerade unter Berufsstartern verbreitet. Das soll sich ändern, fordert die IG BAU. Die Gewerkschaft ruft die Bundesregierung auf, Zeitverträge gesetzlich zurückzudrängen.
  • Die Uhr läuft: Befristete Jobs sind gerade unter Berufsstartern verbreitet. Das soll sich ändern, fordert die IG BAU. Die Gewerkschaft ruft die Bundesregierung auf, Zeitverträge gesetzlich zurückzudrängen.
  • Foto: IG Bau
  • hochgeladen von Laura Seezer

Mannheim. Ihr Job hat ein Verfallsdatum – und das oft ohne jeden Grund: Trotz guter Lage am
Arbeitsmarkt haben in Mannheim noch immer zu viele Menschen nur einen befristetenJob. Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Gewerkschaft verweist dabei
auf aktuelle Zahlen aus dem Mikrozensus. Danach haben derzeit rund 63.000
Beschäftigte im Raum Unterer Neckar einen befristeten Arbeitsvertrag. Das sind
10,9 Prozent aller Arbeitnehmer in der Region. „Es kann nicht sein, dass Unternehmer
trotz der guten Lage am Arbeitsmarkt weiterhin so stark auf Befristungen setzen. Die

Bundesregierung muss jetzt mit ihrem Versprechen Ernst machen und Zeitverträge perGesetz eindämmen“, fordert Wolfgang Kreis von der IG BAU Nordbaden.
Anders als bei einer Schwangerschaftsvertretung oder einer Probezeit gibt es nach
Beobachtung der Gewerkschaft häufig keine zwingenden Gründe für eine Befristung.
„Gerade Berufsanfänger werden gern mit einem Job auf Zeit abgespeist. Sie müssen sich
von Stelle zu Stelle hangeln“, kritisiert Kreis. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarktund
Berufsforschung (IAB) waren im vergangenen Jahr bundesweit 38 Prozent aller

Neueinstellungen befristet.
„Wer als Berufsstarter eine Familie gründen oder einen Kredit für die eigene Wohnungoder fürs Auto bekommen will, der braucht keine Zitterpartie, sondern einen sicheren
Job“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Die Gebäudereinigung zähle zu den Branchen,
in denen Befristungen besonders verbreitet seien. Gerade Frauen litten hier unter
wackeligen Arbeitsverhältnissen. „Statt des Prinzips Heuern und Feuern braucht es eine
verlässliche Personalplanung“, so Kreis weiter.

In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgeschrieben, Befristungen ohnekonkreten Sachgrund – wie etwa eine Elternzeitvertretung – einzudämmen. In Betrieben
mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Zeitverträge demnach künftig auf maximal
2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil
(SPD) will dazu noch vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen. Bislang ist
die Befristung eines Arbeitsvertrages ohne sachlichen Grund prinzipiell bis zu zwei Jahre
lang erlaubt. In diesem Zeitraum kann ein befristeter Arbeitsvertrag in der Regel maximal

dreimal verlängert werden. ps

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