Neue Konzepte am Nationaltheater Mannheim - Teil I
Wo sind eigentlich die Zuschauer?

Robin Krakowski
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Mannheim. Die Pforten des Nationaltheaters Mannheim bleiben aufgrund von Corona bis September geschlossen. Was bedeutet das für die Künstler? Wie erreichen sie die Zuschauer? In den letzten Wochen haben Ensemblemitglieder kreative Wege gefunden, um weiterhin mit den Zuschauern in Verbindung zu bleiben.

Wochenblatt-Redakteurin Jessica Bader sprach dazu mit Robin Krakowski über digitale Projekte und das dadaistische Format, das er zusammen mit einem Kollegen entwickelt hat – als Performance unter freiem Himmel.

Du hast die Zeit im „Homeoffice“ genutzt, um zusammen mit Rocco Brück „Dada total – ein Abend für Katzen“ zu entwickeln. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, gerade das zeigen zu wollen?

Die Idee ist daraus entstanden, dass ich mit Rocco zur Spielzeiteröffnung 2018 eine One-Minute-Show mit einem dadaistischen Text von Kurt Schwitters gezeigt habe. Bereits im Voraus hatte ich mich mit dem Dadaismus beschäftigt, da mich diese Kunstform interessiert. Für die Performance ist auch gar nicht alles nur aus der dadaistischen Epoche, wir zeigen einfach Absurditäten, die uns ansprechen. Daraus haben wir einen ganz neuen Abend entwickelt, der an den Dadaismus angelehnt ist, aber auch sehr viel mit uns zu tun hat und unserem Spaß an der Improvisation. Wir haben viele Vorlagen erweitert, um sie auf die Situation anzupassen. Das Konzept braucht keine Bühne als Ort, sondern wir können es überall umsetzen. Wir brauchen wenig Requisiten, wesentlich ist nur ein elektrisches Keyboard. Wir schminken uns selbst, auch die Kostüme haben wir selbst genäht. Diese Dinge können wir eben überall umsetzen, als wären wir Straßenmusikanten. Deshalb zeigen wir den Abend jetzt auch nochmal am „Alter“ am Alten Messplatz am 16. und 23. Juli und ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch weitere Orte bespielen.

War es denn neu für dich, unter freiem Himmel zu spielen?

Ich habe tatsächlich schon viel draußen gespielt. Schon in Schulzeiten und später an der Schauspielschule. Außerdem habe ich viel Sommertheater gemacht auf großen oder kleinen Bühnen, zum Beispiel in Leipzig und in Rottweil. Ich bin damit also vertraut und finde es toll, weil man sich der jeweiligen Umgebung anpasst. Darauf kann man wunderbar reagieren und das ist auch unser Ziel bei diesem Dadaismus-Abend, dass man improvisiert und flexibel auf das Publikum, aber auch auf die Umstände reagiert. Wir werden diesen Abend weiterentwickeln. Der Abend lebt.

Bevor ihr wieder unter Zuschauer gegangen seid, haben du und deine Kollegen auch die digitalen Kanäle des NTM bespielt. Wart ihr frei, in dem, was ihr gemacht habt?

Ja, wir waren frei, in dem, was wir gemacht haben. Wir hatten schon in der letzten und auch in dieser Spielzeit eine Reihe im Casino, der kleinen Bar im Werkhaus des Theaters, „Der Blockbuster“, in dem wir Filme sehr frei nachgespielt haben. Dann kam Corona und wir haben das Ganze auf Instagram veröffentlicht in einem Videoformat. Wir hatten uns „Harry Potter“ als Thema vorgenommen und ich hatte den Kollegen grob gesagt, welche Art von Szenen das sein sollen. Alles, was ihnen einfällt, beziehungsweise sollten sie mich, als Steve O’Conner, den Charakter, den ich darstelle, anspielen. Wir haben das dann zusammengeschnitten und ich habe mich zu dem verhalten, was die Kollegen geliefert haben. Das Ergebnis gibt es auch weiterhin auf Instagram zu sehen.

Worin besteht für dich der Unterschied zum ursprünglichen Format mit Live-Publikum?

Es fehlt die direkte Resonanz, weil man nur die Klickzahlen sieht und gar nicht weiß, inwieweit dieses neue Format aufgenommen wird oder man damit Leute erreicht.

Kannst du dir noch ganz andere Konzepte vorstellen, die du gerne umsetzen würdest?

Ja, ich habe mir einige Gedanken gemacht in Bezug darauf, was denn jetzt möglich ist. Die Theaterformen wurden durch die Schließung der Bühnen gesprengt, also müssen neue Formate geschaffen werden. Ich würde sagen, wir sollten, wenn es möglich ist, mehr in die Stadt rausgehen, was ich mit dem Dada-Projekt versuche. Von Rocco Brück kam auch die Idee, auf einem Wagen zu spielen. Wichtig in der Zukunft sind meiner Meinung nach Konzepte, die viel freier sind. Dass Orte sich ändern, dass es gar nicht mehr wichtig ist, auf einer Bühne Konzepte zu erarbeiten, die dann nur auf einer Bühne funktionieren.

Habt ihr es denn trotz spielfreier Zeit geschafft, das Ensemblegefühl zu erhalten? Und wenn ja, wie?

Von der Schauspielleitung aus wurden regelmäßig Termine per Zoom vereinbart. Dort haben wir uns als Ensemble getroffen und über die aktuelle Lage gesprochen, die aktuellen Corona-Maßnahmen und wie sehr wir dadurch eingeschränkt sind. Auch darüber, wie es uns geht, in diesem Lockdown. Das haben wir regelmäßig gemacht. Ich fand es sehr schön, im Austausch zu bleiben. Ich habe sowieso das Gefühl, das Ensemblegefüge ist sehr dicht und kann auch durch einen Corona-Shutdown nicht gebrochen werden.

Worauf freust du dich am meisten, wenn der reguläre Spielbetrieb wieder stattfinden kann?

Natürlich freue ich mich am meisten auf den Moment, auf den man mit einer Produktion hinarbeitet. Der Tag der Premiere macht eigentlich am meisten Spaß. Das Stück dann zu spielen und zu präsentieren und den Schlussapplaus zu bekommen, ist schon ein sehr schöner Moment. Auf den freue mich, in welcher Form und mit wie vielen Menschen auch immer er dann stattfinden wird.

Weitere Informationen:

Das Projekt "Dada total - ein Abend für Katzen" wird nochmal am Donnerstag, 16. und 23. Juli, jeweils 20 Uhr, am „Alter“, einem Freizeitort am Alten Messplatz gezeigt. Mehr zu aktuellen und zukünftigen Projekten am Nationaltheater Mannheim finden Interessierte unter www.nationaltheater-mannheim.de


Das Interview mit Eddie Irle:

Theater clubgerecht serviert

Das Interview mit László Branko Breiding und Arash Nayebbandi:

Die große Ungewissheit

Das Interview mit Ragna Pitoll:

Bei Anruf Lyrik

Autor:

Jessica Bader aus Ludwigshafen

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