Pflege bei Demenz: Früh entlasten, damit Angehörige gesund bleiben

Wenn die Pflege bei Demenz zum Dauerstress wird, hilft ein früh geplantes Unterstützungsnetz, damit Erholung nicht zum Zufall wird. | Foto: Thomas Reimer/stock.adobe.com
  • Wenn die Pflege bei Demenz zum Dauerstress wird, hilft ein früh geplantes Unterstützungsnetz, damit Erholung nicht zum Zufall wird.
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Pflege bei Demenz. Früh organisierte Entlastung hilft, die Pflege länger verlässlich zu stemmen, ohne dass die eigene Gesundheit schleichend auf der Strecke bleibt.

Wer einen Menschen mit Demenz betreut, erlebt oft einen Alltag, der sich jeden Tag neu sortieren muss. Routinen kippen, Konflikte entstehen schneller, und neben Terminen und Haushalt bleibt wenig echte Erholung. Genau hier setzt der wichtigste Hebel an: Unterstützung nicht erst dann suchen, wenn Erschöpfung bereits da ist.

Darauf weist auch die Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) hin. Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft, ordnet die Belastung klar ein: Wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, riskiert gesundheitliche Folgen. Genannt werden unter anderem Bluthochdruck, Erschöpfung und Depressionen. Das ist keine automatische Folge jeder Pflegesituation, zeigt aber, warum frühe Entlastung ein praktischer Schutzfaktor sein kann.

Entlastung frühzeitig organisieren: So entsteht ein tragfähiges Netzwerk

Selbstfürsorge ist im Pflegealltag kein Luxus, sondern Teil der Versorgung. Pfitzer-Bilsing beschreibt die Demenzpflege als Marathon. Mit Fortschreiten der Erkrankung steigen in der Regel die Anforderungen, etwa durch mehr Aufsicht, stärkere Unruhe oder wachsende Hilfe bei Körperpflege und Alltag.

Ein frühes Hilfenetzwerk schafft zwei Vorteile: kurzfristig spürbare Entlastung und Strukturen, die später nicht erst in einer Krisenphase aufgebaut werden müssen. In der Praxis kann ein stabiles Netzwerk aus Familie, Freunden, Fachkräften und Ehrenamtlichen bestehen.

  • Aufgaben verteilen: einzelne feste Zuständigkeiten in der Familie festlegen, statt alles bei einer Person zu bündeln.
  • Professionelle Hilfe ergänzen: je nach Bedarf punktuell starten, zum Beispiel für Betreuung, Pflege oder Beratung.
  • Ehrenamtliche Unterstützung einbinden: entlastende Begleitung kann Zeitfenster für Erholung schaffen.

Pausen im Alltag helfen, aber Entlastung heißt auch abgeben

Kurze Auszeiten können Stress senken, wenn sie realistisch in den Alltag passen. Genannt werden Spaziergänge, bewusstes Durchatmen oder ein Moment der Stille. Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können hilfreich sein. Dazu kommen Basics, die im Pflegealltag oft zuerst wegbrechen: ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung.

Gleichzeitig reicht „mal kurz Luft holen“ in einer dauerhaft belastenden Situation oft nicht aus. Entlastung bedeutet dann vor allem, regelmäßig Freiräume zu schaffen und Aufgaben abzugeben. Das kann auch emotional schwerfallen, weil das Gefühl mitschwingt, alles allein schaffen zu müssen oder die Pflege nicht in fremde Hände geben zu können. Bei Demenz verschiebt sich die Frage jedoch häufig von „ob“ zu „wann“ Unterstützung nötig wird.

  • Welche Aufgaben lassen sich konkret abgeben, zum Beispiel Einkaufen, Begleitung zu Terminen oder stundenweise Betreuung.
  • Welche Zeiten sind als feste Erholungsfenster realistisch, zum Beispiel ein Nachmittag pro Woche.
  • Welche Personen oder Dienste kommen verlässlich infrage, damit Vertretung planbar bleibt.

Gefühle ernst nehmen und Grenzen setzen

Die Pflege eines Menschen mit Demenz kann sich wie ein schleichender Abschied anfühlen. Traurigkeit, Wut oder Überforderung sind in dieser Situation typische Reaktionen und müssen nicht verdrängt werden. Entlastend sein können Gespräche mit vertrauten Personen, Selbsthilfegruppen oder professionelle Beratung.

Grenzen zu setzen gehört ebenfalls zur Selbstfürsorge, weil niemand rund um die Uhr im Einsatz sein kann. Pfitzer-Bilsing bringt es so auf den Punkt: Ein Nein ist kein Egoismus, sondern ein Ja zu den eigenen Bedürfnissen. Früh geplante Pausen und passende Unterstützung sind damit nicht nur Selbstschutz, sondern stabilisieren oft auch die Versorgungssituation.

Weitere Informationen bietet der kostenfreie Ratgeber „Für Menschen mit Demenz da sein. Orientierung und Hilfe für pflegende Angehörige“ der Alzheimer Forschung Initiative e. V. Bestellung und Infos unter https://www.alzheimer-forschung.de/angehoerige.

Praktisch entscheidend ist am Ende die Einordnung: Je früher Entlastung verlässlich geplant wird, desto eher bleibt die Pflege auch bei steigenden Anforderungen langfristig leistbar.

Autor:

Meike Jakob aus Landau

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