Niedrigwasser am Rhein: Warum Transportrisiken jetzt steigen
- Rekord-Niedrigwasser am Rhein zwingt Transporte zu Umwegen. Das erhöht die Zahl der Umschläge und Lagerungen und damit das Risiko von Transportschäden.
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Niedrigwasser Transportschäden Rhein. Niedrigwasser am Rhein kann Waren in der Region teurer und unzuverlässiger machen, weil Transporte häufiger umgeladen und zwischengelagert werden und genau dabei das Schadensrisiko steigt.
Wer auf Lieferungen angewiesen ist, merkt die Folgen oft nicht am Pegel, sondern an mehr Zwischenstopps, längeren Laufzeiten oder kurzfristigen Umleitungen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ordnet die Lage so ein: Aus einem direkten Transport werden bei Niedrigwasser schnell mehrere Teilstrecken mit zusätzlichen Umschlägen und Lagerungen, und jeder zusätzliche Schritt ist eine weitere Fehlerquelle.
Am maßgeblichen Pegel Kaub lag der Wasserstand nach GDV-Angaben zu Wochenbeginn im einstelligen Zentimeterbereich. Damit wurde der bisherige Tiefstwert von 25 Zentimetern aus dem Oktober 2018 deutlich unterschritten. Eine amtliche Sperrung gibt es demnach nicht, aber viele Binnenschiffe können faktisch nur noch etwa ein Drittel oder weniger ihrer üblichen Ladung transportieren. Das führt zu Umleitungen auf Lastwagen, Schiene oder andere Häfen.
Warum Niedrigwasser die Lieferkette anfälliger macht
Der Rhein ist eine zentrale Wasserstraße für Güter wie Erz, Kohle, Mineralölprodukte, Chemikalien, Getreide und Container. Wenn Schiffe weniger laden können, werden Lieferketten umgebaut. Statt „einmal verladen, einmal entladen“ entstehen mehr Stationen.
Typische Veränderungen bei Niedrigwasser sind:
- Umladen von der Binnenschifffahrt auf Lastwagen oder Schiene
- Transport zu einem anderen Hafen und erneutes Verladen
- zusätzliche Zwischenlagerung, bis ein Weitertransport möglich ist
Aus Versicherersicht nennt der GDV mehrere Schadensbilder, die mit diesen Zusatzschritten wahrscheinlicher werden. Dazu gehören Mengenverluste, Verunreinigungen oder Feuchtigkeitsschäden, etwa bei Getreide, Kohle oder Erz. Auch mechanische Beschädigungen können zunehmen, wenn öfter mit Kränen und Förderbändern gearbeitet wird.
Zusatzrisiken bei Containern, Kühlung und hochwertigen Waren
Bei Containern kann es laut GDV vor allem beim Heben und Absetzen zu Schäden kommen. Wenn Container länger stehen, steigen außerdem Risiken, die weniger mit Wetter zu tun haben.
Der GDV nennt dabei insbesondere:
- Diebstahlrisiko bei längeren Zwischenlagerungen
- Verladefehler durch mehr Schnittstellen und Zeitdruck
- höhere Anfälligkeit bei Kühlcontainern, Gefahrgut und hochwertigen Waren, etwa wenn Kühlung ausfällt oder Lagerung nicht passt
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis verdeutlicht die Größenordnung: Muss ein Binnenschiff mit 90 Containern wegen Niedrigwasser umdisponieren, entstehen durch Entladen, zusätzlichen Lkw-Transport und erneutes Verladen mehrere hundert zusätzliche Containerbewegungen. Mehr Bewegungen bedeuten mehr Gelegenheiten für Beschädigungen und Verwechslungen.
Wirtschaftliche Einordnung: Was eine Studie für Deutschland erwartet
Wie stark die Folgen werden, hängt davon ab, wie lange die Einschränkungen anhalten. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft schätzt nach GDV-Zusammenfassung, dass die Industrieproduktion in Deutschland um rund ein Prozent zurückgehen könnte, wenn der Rhein einen Monat lang Niedrigwasser führt. Das ist eine Modellrechnung und keine Garantie, zeigt aber, warum viele Branchen so stark auf planbare Rheintransporte angewiesen sind.
Was staatlich geplant ist und was das im Alltag bedeuten kann
Die Bundesregierung hat nach GDV-Angaben Maßnahmen angekündigt, darunter eine verstärkte Nutzung von Straße und Schiene sowie vorübergehende Ausnahmen von Lkw-Fahrverboten. Zusätzlich werden langfristige bauliche Anpassungen an Wasserstraßen erwogen.
Praktisch bedeutet das vor allem: Wenn Transporte vom Rhein auf andere Wege verlagert werden, werden Lieferketten komplexer, und damit steigen die Chancen für Verzögerungen und Transportschäden.
Wer Rückfragen zu den GDV-Einschätzungen hat, findet dort einen Ansprechpartner: Christian Ponzel, 030-2020-5901, c.ponzel@gdv.de.
Autor:Meike Jakob aus Landau |