Klettersteigset kaufen: So passt es zu Gewicht, Tour und Bedienung
- Klettersteigset auswählen: Gewichtsspanne, DIN EN 958, CE-Kennzeichnung und sichere Karabiner-Bedienung prüfen.
- Foto: TÜV SÜD/Conny Kurz
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Klettersteigset auswählen. Entscheidend ist, dass das Set zur geplanten Tour und zum eigenen Gesamtgewicht passt und sich auch mit Handschuhen sicher bedienen lässt.
Wer am Stahlseil unterwegs ist, will vor allem eines: nicht lange fummeln müssen, wenn es steil wird. Genau dafür ist das Klettersteigset da. Laut TÜV SÜD ist es als persönliche Schutzausrüstung ein sicherheitsrelevantes Produkt, das bei einem Sturz die auf den Körper wirkenden Kräfte reduzieren und die Verbindung zum Klettersteig halten soll.
Gewicht, Preis und Packmaß spielen beim Kauf zwar mit, sie sind aber nachrangig. In der Praxis zählt, ob Karabiner und Sicherungsarme zuverlässig funktionieren und die Sicherheitsangaben des Herstellers eindeutig sind.
So ist ein Klettersteigset aufgebaut und warum die Bedienung zählt
Ein Klettersteigset besteht typischerweise aus zwei Sicherungsarmen mit Karabinern und einem Bandfalldämpfer. Die Karabiner laufen am Stahlseil und werden an Zwischensicherungen nacheinander umgehängt. So bleibt während des Umhängens immer mindestens ein Karabiner eingehängt.
Der Bandfalldämpfer ist das zentrale Element. Er soll im Sturzfall Energie aufnehmen und den Fangstoß reduzieren.
Damit das auch im Gelände funktioniert, sollte die Handhabung vor der Tour klar sein. Denn im Klettersteig wird regelmäßig umgehängt, oft an steilen Passagen, unter Belastung und nicht selten mit Handschuhen. TÜV SÜD empfiehlt, ein Set nach Möglichkeit im Fachhandel auszuprobieren und zu prüfen, ob Karabiner, Sicherungsarme und Befestigung am Klettergurt gut zu bedienen sind.
Wichtige Merkmale für die Praxis:
- Karabiner liegen gut in der Hand und lassen sich kontrolliert öffnen.
- Sie schließen anschließend zuverlässig und verriegeln sicher.
- Der Verschlussmechanismus ist eindeutig bedienbar, hakt nicht und öffnet sich nicht unbeabsichtigt.
- Elastische Sicherungsarme stören beim Gehen weniger und geben beim Umhängen mehr Bewegungsfreiheit.
- Ein Verdrehschutz kann helfen, damit sich die Arme nicht ständig ineinander verdrehen.
Komfortmerkmale wie geringes Gewicht oder kompaktes Packmaß können die Nutzung erleichtern, sollten aber nicht wichtiger werden als sichere Bedienung und passende Eignung.
Gewichtsspanne prüfen: Es zählt das Gesamtgewicht inklusive Ausrüstung
Ein besonders wichtiger Punkt ist die vom Hersteller angegebene Gewichtsspanne. Maßgeblich ist je nach Angabe nicht nur das Körpergewicht, sondern das Gesamtgewicht inklusive Bekleidung, Rucksack und weiterer Ausrüstung.
Die aktuelle DIN EN 958 legt Anforderungen und Prüfverfahren für Klettersteigsets fest. Sie bezieht sich auf Anwender mit mindestens 40 Kilogramm ohne Ausrüstung und höchstens 120 Kilogramm Gesamtgewicht einschließlich Ausrüstung.
Gerade bei Kindern und sehr leichten Personen sollten die Herstellerangaben genau geprüft werden. Liegt das tatsächliche Gewicht unterhalb der angegebenen Spanne, kann laut TÜV SÜD eine zusätzliche Sicherung oder eine andere Sicherungsmethode notwendig sein. Umgekehrt gilt die Obergrenze ebenso verbindlich: Das Maximalgewicht sollte nicht überschritten werden, da Sets oberhalb dieser Grenze nicht geprüft sind und ein Versagen oder Bruch nicht ausgeschlossen werden kann.
CE, Norm, Herstellungsjahr: Diese Angaben gehören auf das Set
Klettersteigsets sind persönliche Schutzausrüstung und müssen geltende Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem:
- Angabe der einschlägigen Norm, zum Beispiel DIN EN 958.
- CE-Kennzeichnung.
- Hinweise zur zulässigen Gewichtsspanne.
- Informationen zur richtigen Anwendung, Lagerung, Kontrolle und Lebensdauer.
Beim Neukauf ist sinnvoll, auf den aktuellen Normstand zu achten. Bei älteren oder gebrauchten Sets sind Normangabe, Herstellungsjahr, Gebrauchsanweisung und mögliche Rückrufe besonders kritisch zu prüfen.
Zustand und Lebensdauer: Wann ein Set ersetzt werden muss
Vor jeder Tour sollte ein Klettersteigset kontrolliert werden. Dazu gehören Karabiner, Verschlüsse, Nähte, Bänder, Einbindeschlaufe und der Bandfalldämpfer. Warnzeichen sind unter anderem Risse, Scheuerstellen, Verformungen, schwergängige oder klemmende Karabiner.
Besonders wichtig: Ein ausgelöster Bandfalldämpfer ist kein normales Gebrauchssignal. Er bedeutet, dass das Set ausgetauscht werden muss, weil es im Sturzfall Energie aufnehmen soll und nach einer entsprechenden Belastung nicht weiterverwendet werden darf.
Auch Alterung spielt eine Rolle. Textiles Material kann durch UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Schmutz oder falsche Lagerung an Festigkeit verlieren. Deshalb sind Gebrauchsanweisung und die vom Hersteller angegebene Lebensdauer entscheidend. Nach einem größeren Sturz oder bei unklarer Vorgeschichte ist ein Austausch die sichere Konsequenz, beim Kauf gebrauchter Sets ist besondere Vorsicht sinnvoll.
Häufige Verwechslung: Rastschlinge ist kein Ersatz für das Klettersteigset
Ein Klettersteigset sollte nicht mit einer Rastschlinge verwechselt werden. Eine Rastschlinge dient dazu, zwischendurch zu entlasten. Sie ersetzt nicht die Sicherung über die zwei Karabiner des Klettersteigsets. Auch beim Rasten müssen die Sicherungsarme korrekt am Stahlseil eingehängt bleiben.
Grundausrüstung und Tourenplanung gehören dazu
Ein Klettersteigset allein macht eine Tour nicht automatisch sicher. Zur Grundausrüstung gehören außerdem ein passender Klettergurt, ein Berghelm, geeignete Schuhe und Handschuhe. Der Helm schützt sowohl bei einem Sturz als auch vor Steinschlag. Handschuhe können vor Verletzungen durch das Stahlseil schützen.
Ebenso wichtig sind Vorbereitung und realistische Selbsteinschätzung. Schwierigkeit, Länge, Wetter, Zustieg und Abstieg sollten vorab geprüft werden. Bei Nässe, Gewittergefahr oder Unsicherheit ist eine einfachere Route oder der Verzicht die naheliegende, risikoärmere Entscheidung.
Weiterführende Informationen von TÜV SÜD zur Prüfung von persönlicher Schutzausrüstung gibt es unter tuvsud.com.
Autor:Meike Jakob aus Landau |