Prozess nach Schockanrufen in Köln: 500.000 Euro Beute
- Immer wieder werden Senioren Opfer von Schockanrufen. (Symbolbild)
- Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn
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Köln. Schockanrufe bei älteren Menschen haben laut Anklage einen Schaden von rund 500.000 Euro verursacht. Vor dem Landgericht Köln stehen seit Mittwoch, 8. April, vier Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gewerbsmäßigen Bandenbetrug in 16 Fällen vor. Zwei der Angeklagten im Alter von 23 und 26 Jahren kündigten über ihre Verteidiger umfassende Geständnisse an. Die beiden anderen erklärten zunächst zu schweigen.
Nach Darstellung der Anklage sollen die Männer Teil eines Netzwerks gewesen sein, das ältere Menschen mit sogenannten Schockanrufen unter Druck setzte. Unbekannte Täter gaben sich dabei am Telefon als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Richter aus. Sie behaupteten, ein Angehöriger habe einen tödlichen Unfall verursacht und könne nur gegen eine hohe Kaution freikommen.
Abholer und Organisatoren
Zwei Angeklagte sollen als Abholer fungiert haben. Sie nahmen Geld oder Wertgegenstände direkt bei den Opfern entgegen. Die beiden anderen sollen eine übergeordnete Rolle gehabt haben. Laut Staatsanwaltschaft hielten sie Kontakt zu den Anrufern, organisierten die Einsätze und brachten die Abholer zu den Übergabeorten.
Zu den Vorwürfen gehört auch, dass sie gefälschte Polizeidienstausweise bereitstellten. Zudem steht einer der Fälle zusätzlich unter dem Verdacht des Raubes, weil einem Opfer die Beute aus der Hand gerissen worden sein soll.
Die Taten sollen sich zwischen September und April in Köln, Trier, Gerolstein und weiteren Orten im Bundesgebiet ereignet haben. Ermittler gehen davon aus, dass weitere bislang unbekannte Komplizen beteiligt waren.
90-Jähriger übergibt Gold
Ein besonders drastischer Fall betrifft einen 90 Jahre alten Mann aus Lohmar bei Köln. Die Anrufer behaupteten, seine Tochter habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und sitze in Polizeigewahrsam.
Um den Druck zu erhöhen, meldete sich eine Frauenstimme und gab sich als Tochter aus. Sie rief: „Papa, Papa, bitte hilf mir.“ Der Senior übergab schließlich Gold im Wert von rund 50.000 Euro.
Der Prozess ist mit insgesamt 18 weiteren Verhandlungstagen angesetzt und soll bis Ende Juni dauern. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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