UNESCO-Welterbe
Der Dom zu Speyer ist mehr als ein Gotteshaus

Der Dom zu Speyer ist seit 1981 UNESCO-Welterbe.
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  • Der Dom zu Speyer ist seit 1981 UNESCO-Welterbe.
  • Foto: Markus Distelrath/Pixabay
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Speyer. Der Dom zu Speyer ist mehr als ein Gotteshaus. Er ist Bistums- und Pfarrkirche, Bischofssitz, Wallfahrtsstätte, Konzerthaus und Begegnungsort für Menschen aus aller Welt. An manchen Tagen kommen mehr als 2.000 Besucher in den Kaiserdom. Seit 2008 ist Dr. Karl-Heinz Wiesemann als 96. Bischof von Speyer im Amt. Sein Stuhl im Speyerer Dom, die "Kathedra", macht den Dom zur Kathedrale der katholischen Diözese Speyer. Außerdem ist er Pfarrkirche der Dompfarrei Pax Christi. Der offizielle lateinische Name der romanischen Kirche ist Domus sanctae Mariae Spirae „Dom zu Unserer lieben Frau in Speyer“. Das Patrozinium des Mariendoms wird am 15. August, an Mariä Himmelfahrt, gefeiert.

Wann genau die Salier im elften Jahrhundert mit dem Bau des Doms begonnen haben, lässt sich heute nicht mehr exakt sagen; irgendwann zwischen 1024 und 1030. Fertig gestellt und geweiht wurde die gewaltige Speyerer Kirche im Jahr 1061. Damals war sie der größte Kirchenbau der Welt; heute ist der Dom in Speyer die größte noch erhaltene romanische Kirche. Seit 1981 ist der Dom zudem UNESCO-Welterbe.

Der salische Kaiser Konrad II. hatte den Bau der Kathedrale veranlasst. Sein Ziel: die größte Kirche des Abendlandes zu errichten. Ihre Fertigstellung erlebte er nicht mehr. Als er im Jahr 1039 in der Kathedrale beigesetzt wurde, war diese noch eine Baustelle. Bereits ab 1080 ließ Heinrich IV., der Enkel Konrad II., die Kirche von Grund auf umbauen. Er ließ sie zur Hälfte einreißen, nur um sie anschließend noch größer wieder aufzubauen. Der neue Dom wurde im Todesjahr Heinrich IV. 1106 fertiggestellt. Speyer hatte damals nur rund 500 Bürger und war ein winziges Städtchen - mit einer riesigen Kirche. Größe und Pracht des Kaiserdoms unterstrichen neben dem politischen insbesondere auch den religiösen Machtanspruch des Kaisers gegenüber dem damals gerade erstarkten Papsttum.

Am 7. August 1111, dem Tag des Begräbnisses von Heinrich IV. im Dom, verlieh dessen Sohn, Heinrich V., den Speyerer Bürgern Privilegien. Noch heute wird am ersten Samstag im August in Speyer ein Privilegienfest gefeiert: Mit einem Lichtergottesdienst in der Krypta wird der im Dom bestatteten Kaiser gedacht und ihre Gräber werden zu diesem Anlass mit Blumen geschmückt. Es ist die Salier-Gesellschaft, die alljährlich an diese für die weitere Entwicklung der Stadt Speyer so wichtigen Befreiungen von Erbschaftssteuern, Zöllen und zu erbringenden Diensten erinnert. Kaiser Heinrich V. knüpfte an die Privilegien die Bedingungen der "Totensorge" für das Seelenheil der salischen Herrscher und der Armensorge. Auch heute noch wird aus Anlass des Privilegegienfests für Bedürftige gespendet.

Wer liegt im Speyerer Dom begraben?

Als der letzte Salierkaiser Heinrich V. starb, übernahmen die Hohenstaufen die Führung des Reiches. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa, ein Neffe von Heinrich V., wollte in Speyer begraben werden. Er kehrte jedoch nicht vom Kreuzzug zurück. Seine zweite Gemahlin Beatrix,  seine Tochter Agnes und sein Sohn Philipp von Schwaben wurden 1184 beziehungsweise 1208 neben dem für ihn vorgesehenen Platz bestattet. Die frei gewordene Grabstelle übernahm Rudolf von Habsburg, der ganz bewusst Speyer als Begräbnisort auswählte. 1309 folgten die gegnerischen Könige Adolf von Nassau und Albrecht von Österreich seinem Beispiel.

Der Ruhm des Speyerer Doms gründete also schon früh auf der Tatsache, dass hier deutsche Kaiser begraben liegen: Mit insgesamt vier Kaisern, drei Kaiserinnen sowie Königen aus den Häusern Habsburg, Staufen und Nassau ist der Dom in Speyer die bedeutendste mittelalterliche Grablege Deutschlands. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurden die Gräber von französischen Truppen geplündert, die Grabmäler zerstört. Die genaue Lage der Gräber geriet in Vergessenheit.

Nach langen Diskussionen öffnete man im Jahr 1900 die Gräber im Speyrer Dom und stellte fest, dass die Saliergräber bis auf das Grab von Heinrich V. durch ihre Lage unter anderen Gräbern vor Plünderungen geschützt und somit vollständig erhalten waren. Grabbeigaben und Textilfunde wurden gesichert und schließlich in die Domschatzkammer des Historischen Museums der Pfalz gebracht.1902 wurde die Gebeine in einer neu erbauten Gruft bestattet; der Zugang befindet sich in der Krypta. Doch nicht nur Kaiser sind im Speyerer Dom begraben, auch mehr als 40 Bischöfe fanden hier ihre letzte Ruhestätte, zuletzt Anton Schlembach im Juni 2020. Die Gruft schließt auch die ehemalige Vorkrypta mit ein.

Eine der schönsten Unterkirchen der Welt

Dort ist die Grabplatte von Rudolf von Habsburg aufgestellt. Sie gilt als das erste lebensechte Porträt eines Menschen des Mittelalters. Die Krypta entstammt der frühesten Bauphase des Doms und wurde vermutlich 1043 geweiht. Die Unterkirche des Doms erstreckt sich unter Chorraum und Querhaus und ist mit einer Breite von 35 und einer Länge von 46 Metern die größte romanische Hallen-Krypta überhaupt. Die Gewölbe der Krypta sind sieben Meter hoch - gewaltig für eine Unterkirche. Auf Grund ihrer Größe und ihrer klaren geometrischen Gliederung gilt die Krypta als eine der schönsten Unterkirchen der Welt.

Krypta und Grablege sind derzeit aufgrund der Covid-19 Pandemie geschlossen, während der Kaiserdom Gläubigen zum Gebet während der gesamten Pandemie offen stand und steht. Für die Teilnahme an Gottesdiensten muss man sich allerdings anmelden und Kontaktdaten hinterlegen.

Über der Vorhalle befindet sich der Kaisersaal, in dem neun Fresken des Malers Johann Baptist Schraudolph zu sehen sind. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Bernhard von Clairvaux, des heiligen Erzmärtyrers Stephanus und des Papstes Stephan I. Der Kaisersaal beherbergt auch die Marienkrönung, die bis 1957 in der Apsis des Chorraums angebracht war und die eine Grundfläche von 70 Quadratmetern hat. Die anderen Fresken waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts an den Wänden des Querhauses im Dom zu sehen. 2012 kamen sie in den eigens dafür neu gestalteten Kaisersaal.

Den Kaisersaal erreicht man von der Vorhalle aus über 90 Stufen. Von dort aus geht es über 214 weitere Stufen zur Aussichtsplattform auf dem Südwestturm. In einer Höhe von rund 60 Metern genießt man eine herrliche Aussicht auf die Stadt Speyer und die gesamte Rheinebene.

Der 1995 gegründete Dombauverein unterstützt den Dom zu Speyer auf vielfältige Weise. In den vergangenen Jahren hat der Unterhalt des monumentalen Bauwerks jährlich rund eine Million Euro gekostet. Mit seinen Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem Verkauf von Produkten hilft der Dombauverein mit, die Baumaßnahmen am Dom zu finanzieren. Koordiniert werden sämtliche Baumaßnahmen von Dombaumeisterin Hedwig Drabik.

"Noch kein Lebender hat die Domvorhalle je so strahlend schön gesehen"
Übermalte Fresken und Risse im Gewölbe
... Dombaumeisterin, Frau Drabik?
Der Dom zu Speyer ist seit 1981 UNESCO-Welterbe.
Der Speyerer Dom ist die größte erhaltene romanische Kirche.
Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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