Blühstreifen: Warum es in Weinbergen plötzlich wieder summt
- Florian Schmitt setzt unter anderem auf Winterrübse.
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Rheinhessen. Zwischen den Reben wachsen immer häufiger bunte Blumen. Viele Winzer in Rheinland Pfalz säen gezielt Blühstreifen, um Böden zu stärken und mehr Insekten in die Weinberge zu locken.
Winzer Florian Schmitt aus Spiesheim testet solche Mischungen bereits seit Jahren. In jeder zweiten Rebzeile wachsen bei ihm Buchweizen, gelb blühende Winterrübse und Inkarnat Klee mit roten Blüten. Ziel ist ein gesunder Boden. „Wir müssen gucken, dass es dem Boden gut geht. Auch für künftige Generationen“, sagt der Leiter des Familienbetriebs.
Der Effekt ist sichtbar. In den Weinbergen seien wieder mehr Fasane und Feldhasen unterwegs. Allerdings verlaufe jedes Jahr anders. Witterung und Standort entscheiden darüber, welche Pflanzen gut wachsen.
Wichtiger Beitrag für Artenvielfalt im Weinberg
Nach Angaben des Deutschen Weinbauverbandes leisten Blühstreifen einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten. Viele dieser Tiere gelten als Nützlinge, weil sie Schädlinge im Weinberg reduzieren.
Schon in den 1980er Jahren setzte die Öko Bewegung auf solche Begrünungen zur Verbesserung der Böden. Heute greifen deutlich mehr Betriebe darauf zurück. Doch der wirtschaftliche Druck in der Branche bremst eine weitere Ausweitung.
Die Einsaat kostet Geld und zusätzlichen Arbeitsaufwand. Saatgut, Maschinen und Treibstoff treiben die Kosten nach oben.
Forschung untersucht Mischungen für Weinberge
Welche Pflanzen sich besonders eignen, untersucht seit 2020 ein Forschungsprojekt der Hochschule Geisenheim und des Vereins Fair and Green. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert.
Nach Angaben der Forscher funktionieren vor allem heimische Wildpflanzen aus regionaler Herkunft gut. Dazu zählen unter anderem
- Schafgarbe
- Margerite
- Wiesen Flockenblume
- Acker Witwenblume
- Leinkraut
- Hornklee
Solche Mischungen können bunte Blühflächen erzeugen und viele unterschiedliche Insekten anlocken.
Ein weiteres Ergebnis der Forschung. Rebschädlinge profitieren nicht von der Begrünung. Stattdessen werden auch Räuber gefördert, die diese Schädlinge fressen.
Kritik an Förderprogramm des Bundes
Kritisch sieht der Weinbauverband die staatliche Förderung. Die sogenannte Ökoregelung des Bundes sei nicht gut auf den Weinbau zugeschnitten.
Technischer Aufwand, Dokumentationspflichten und Kosten für vorgeschriebene Saatmischungen stünden oft in keinem guten Verhältnis zur Förderung.
Das zeigen auch Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums. 2023 stellten bundesweit nur 65 Betriebe einen Antrag. 2024 waren es voraussichtlich 81. Die geplante Fläche und die vorgesehenen Mittel wurden damit deutlich verfehlt.
Aus Rheinland Pfalz mit den größten Rebflächen Deutschlands habe kein einziger Betrieb diese Regelung genutzt.
Winzer setzen auf eigene Mischungen
Viele Betriebe experimentieren deshalb selbst mit Saatgut. Winzer Schmitt mischt seine Blühstreifen inzwischen eigenständig.
„Am günstigsten ist es, selbst zu mischen“, sagt er. Früher habe er stärker auf Kräutermischungen gesetzt. Diese seien jedoch deutlich teurer gewesen.
Auch Fachleute bestätigen. Typische Mischungen aus Buchweizen, Winterrübse und Klee können den Boden verbessern. Unterschiedliche Wurzeln lockern die Erde, fördern das Bodenleben und helfen dabei, Feuchtigkeit zu speichern.
Doch ein Patentrezept gibt es nicht. „Nie wächst an allen Standorten alles gleich gut“, sagt Schmitt. Seine Hoffnung bleibt, dass künftig auch wieder mehr Rebhühner in den Weinbergen leben. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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