Weniger Streit um Social Media: Wie Eltern Gespräche starten
- Eltern können mit niedrigschwelligen, vorwurfsfreien Ansätzen zu einem entspannteren Umgang mit Social Media beitragen.
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Social-Media-Nutzung bei Teenagern. Weniger Streit und mehr Einsicht entstehen oft dann, wenn Eltern nicht mit Regeln beginnen, sondern mit Fragen. Gespräche über Social Media funktionieren laut Medienexperten besser, wenn Jugendliche ihre eigene Nutzung reflektieren können.
Dresden – Ob ein gesetzliches Social-Media-Verbot für bestimmte Altersgruppen sinnvoll ist, wird immer wieder diskutiert. Für Familien gilt jedoch unabhängig davon. "Jeder Familie steht natürlich frei, eigene Familienregeln zu etablieren", sagt Florian Buschmann, Experte für Medienkompetenz und Berater bei Mediensucht. Entscheidend sei dabei die Haltung der Eltern unter dem Motto: weniger predigen, mehr fragen.
Als Einstieg in ein Gespräch empfiehlt Buschmann offene Fragen, die Jugendliche zum Nachdenken über ihr eigenes Verhalten bringen.
- "Hey, was nervt dich selbst denn so auf Social Media?"
- "Wann merkst du, dass es dir guttut? Und wann kippt das Ganze?"
- "Was wäre denn für dich hilfreich, wie können wir dich bei deiner Nutzung begleiten, damit das besser funktioniert?"
Auch aktuelle Debatten über Kinder- und Jugendschutz im Internet können ein Anlass sein. Buschmann nennt als Beispiel eine Expertenkommission der Bundesregierung, die Empfehlungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt erarbeitet hat. Ein Gespräch könne etwa so beginnen: "Hey, ich habe mitbekommen, dass hier ein Papier rausgekommen ist. Hast du davon schon gehört? Was ist deine Meinung?" Wichtig sei dabei, sich auf die Ebene des Kindes zu begeben, um gemeinsam Lösungen zu finden.
Gemeinsame Experimente statt strenger Verbote
In vielen Familien entsteht der Konflikt nicht nur wegen der Bildschirmzeit, sondern wegen der Art, wie darüber gesprochen wird. Wenn das Thema dauerhaft für Stress sorgt, könne es laut Buschmann helfen, bewusst Abstand zu nehmen. «Vielleicht mal eine Woche gar nicht über das Thema zu reden» und danach einen neuen Versuch zu starten.
Ein weiterer Punkt betrifft die Vorbildrolle der Erwachsenen. Die Debatte über Social Media konzentriere sich häufig auf Kinder und Jugendliche. "Es wirkt, als hätten wir einen blinden Fleck, der vom allgemeinen Konsum, auch von Erwachsenen, ablenkt." Regeln würden eher akzeptiert, wenn Eltern auch das eigene Verhalten kritisch prüfen.
Statt harter Verbote empfiehlt der Experte kleine gemeinsame Experimente in der Familie.
- eine Woche lang Push-Benachrichtigungen sozialer Netzwerke ausschalten
- gemeinsam die tägliche Medienzeit anschauen, ohne Vorwürfe
- anschließend besprechen, wie sich Stimmung, Stress oder Konzentration verändert haben
Ein abruptes Verbot könne dagegen ein "Vakuum" schaffen, das schwer zu füllen sei. Nachhaltiger wirke meist eine langsame Veränderung der Gewohnheiten.
Freie Zeit braucht attraktive Alternativen
Wenn Medienzeiten sinken, entsteht automatisch freie Zeit. Manche Jugendliche hätten laut Buschmann jedoch kaum gelernt, diese aktiv zu nutzen. Eltern könnten deshalb helfen, neue Aktivitäten zu entdecken.
Der Experte spricht von "Dopaminalternativen". Gemeint sind Beschäftigungen, die ebenfalls Spaß machen und ein kleines Erfolgserlebnis bieten, etwa Sport, kreative Hobbys oder gemeinsame Aktivitäten mit Freunden.
Zur Person. Florian Buschmann ist Experte für Medienkompetenz und Berater bei Mediensucht. Mit der von ihm gegründeten Initiative "Offline Helden" organisiert er Schulveranstaltungen zur Prävention von Mediensucht und begleitet Familien, deren Kinder eine kritische Mediennutzung zeigen.
Ein offenes Gespräch und kleine gemeinsame Veränderungen können im Alltag oft mehr bewirken als starre Verbote. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |