Tradition: Warum an Aschermittwoch auch fernab vom Meer Hering gegessen wird

Heringsessen an Aschermittwoch | Foto: Heike Schwitalla/Archiv
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Hering am Aschermittwoch. Die Praxis, an Aschermittwoch Hering zu essen, lässt sich historisch bis mindestens ins hohe Mittelalter (ca. 12. Jh.) zurückverfolgen und entwickelte sich aus den damaligen Fastenregeln, der Bedeutung von Fisch als Fastenspeise und der Handelstradition mit konserviertem Hering. Jedes Jahr am Aschermittwoch landet auch heute noch in vielen Häusern und Gaststätten Hering auf dem Teller – und das selbst in Regionen, die weit vom Meer entfernt sind. Diese Tradition hat tief historische und religiöse Wurzeln, die weit zurückreichen und bis heute lebendig geblieben sind.

Der Beginn der Fastenzeit: Aschermittwoch

Aschermittwoch markiert den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern, einer Zeit des Verzichts im christlichen Kalender. Der Name stammt aus der Liturgie: Christen empfangen an diesem Tag ein Aschekreuz auf die Stirn als Zeichen der Buße und des Neubeginns. In der christlichen Praxis bedeutete das früher, auf Fleisch zu verzichten, aber Fisch zu essen – weil Fisch nicht als Fleisch galt und deswegen an Fasttagen erlaubt war. Dieser Brauch entwickelte sich im Mittelalter und ist in kirchlichen Quellen seit dem Hochmittelalter belegt.

Historische Gründe für den Hering

Hering war schon seit dem Mittelalter eine der wichtigsten Fastenspeisen. Er galt als preiswertes, nahrhaftes und haltbares Lebensmittel, das sich durch Salz oder Essig lange konservieren ließ – ein entscheidender Vorteil in Zeiten ohne moderne Kühlung. Große Heringsbestände in der Nord- und Ostsee machten den Fisch im Hoch- und Spätmittelalter zu einem der am häufigsten verfügbaren Speise- und Handelsfische Europas. Ein Beispiel für die zentrale Rolle des Herings im mittelalterlichen Handel ist der Scania Market, ein jährlich stattfindender großer Heringsmarkt in Schonen (heute Südschweden), der seit etwa 1200 n. Chr. für rund 250 Jahre eine Schlüsselrolle im Handel an der Ostsee hatte. Diese Handelswege verbreiteten Hering weit ins Binnenland und machten ihn dort verfügbar. Die Technik, Hering in Salz oder Lake haltbar zu machen (Gibbing), wurde im späten 14. Jahrhundert populär und ermöglichte den langfristigen Transport über große Entfernungen.
Schon im 16. Jahrhundert war Hering so eng mit der beginnenden Fastenzeit verbunden, dass er in der Literatur als festes Symbol auftaucht: In "Regnum papisticum", das der deutsche Reformator und Dramatiker Thomas Naogeorgus 1570 schrieb, wird etwa ein Brauch beschrieben, bei dem Menschen zum Start der Fastenzeit mit Heringen durch die Stadt ziehen und sie laut ausrufen. 

Der Brauch des Heringsessens

Weil Hering historisch günstig und lange haltbar war, entwickelte sich sein Verzehr am Aschermittwoch als praktisches und symbolisches Fastengericht. In vielen Regionen, auch fern vom Meer, wurde Hering so zur festen Tradition am ersten Tag der Fastenzeit. Diese Tradition ist in Volksberichten und regionalen Bräuchen spätestens seit dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit erkennbar, wenn Menschen am Aschermittwoch gemeinsam Hering aßen oder ihn symbolisch als Zeichen des Beginns der Fastenzeit servierten.
Heute kennt man den Hering in vielen Varianten: als Matjes, Rollmops oder Heringssalat – Varianten, die zeigen, wie sich der alte Brauch über die Jahrhunderte weiterentwickelt hat.
Hering war bereits im 12. Jahrhundert eine feste Fastenspeise in Nordeuropa. Damit ist die Tradition, Hering an Fastentagen zu essen, mindestens 900 Jahre alt und begründet den Brauch, ihn auch am Aschermittwoch zu servieren. Haltbare Salzheringe konnten schon damals in Städte weit im Binnenland transportiert werden, wodurch sie auch in Regionen ohne Meereszugang als Fastenessen verfügbar waren.

Wissensbox: Rollmops

Was ist ein Rollmops? Ein Rollmops ist ein einlegefertiger, marinierter Hering, der um ein Stück Gewürzgurke oder Zwiebel aufgerollt und in Essig, Salz und Gewürzen eingelegt wird. Er gehört zur traditionellen deutschen und nordeuropäischen Küche und wird oft als Fasten- oder Kateressen serviert.

Woher kommt der Name? Der Begriff „Rollmops“ setzt sich aus „rollen“ (der Fisch wird aufgerollt) und „Mops“ (im Deutschen für „Knäuel“ oder „rundlich“) zusammen. Der Name ist deutschsprachig und tauchte erstmals im 19. Jahrhundert auf. ins Englische gelangte das Wort um 1910–1915.

Seit wann gibt es ihn? Rollmöpse als marinierter, aufgerollter Hering sind spätestens seit dem 18.–19. Jahrhundert in Deutschland belegt. Sie entwickelten sich aus der älteren Tradition der Salzheringe, die bereits im Mittelalter (ab 12. Jh.) in Nord- und Mitteleuropa gehandelt und an Fastentagen gegessen wurden. Beliebt wurden sie vor allem als haltbare Fastenspeise und als Snack für Seefahrer oder Städter ohne Zugang zu frischem Fisch.

Besonderheit: Rollmöpse sind kalt haltbar und lassen sich gut transportieren – daher wurden sie früher oft auf Märkten, bei Festen oder auf Reisen verkauft.

Rollmops - eine traditionelle Fastenspeise aus Deutschland | Foto: Heike Schwitalla/Archiv
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Politische Tradition am Aschermittwoch

Neben dem kulinarischen Brauch entwickelte sich im deutschen Sprachraum eine zweite Tradition: der sogenannte politische Aschermittwoch. Seit dem 19. Jahrhundert benutzen politische Gruppen diesen Tag für Kundgebungen und Reden, bei denen oft scharfe Positionen bezogen werden und der Wahlkampf sichtbar beginnt. Diese Praxis verknüpft den Tag symbolisch mit einem „politischen Neustart“ nach der Faschingszeit – ein Gegensatz zur stillen Besinnung auf religiöse Werte, aber ein kulturell fest verankerter Bestandteil des politischen Kalenders.

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Rollmops - eine traditionelle Fastenspeise aus Deutschland | Foto: Heike Schwitalla/Archiv
Autor:

Heike Schwitalla aus Germersheim

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