Scham in der Pflege abbauen: Was Angehörigen hilft
- Hilfe annehmen: Manchmal braucht es dafür Überwindung und offene Gespräche.
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Scham in der Pflege abbauen. Offene Gespräche und klare Absprachen können den Pflegealltag für Angehörige und Pflegebedürftige spürbar entlasten. Gerade bei intimen Situationen wie Körperpflege oder Toilettengängen entstehen häufig Gefühle von Peinlichkeit oder Abhängigkeit.
Sätze wie "Ich brauche keine Hilfe!" wirken oft wie Ablehnung. Dahinter kann jedoch Scham stecken. Darauf weist das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hin. Wird dieses Gefühl nicht angesprochen, kann es den Alltag belasten und im Extremfall zu sozialem Rückzug und Einsamkeit führen.
Scham entsteht häufig dann, wenn Menschen das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Wer auf Hilfe angewiesen ist, empfindet sich mitunter als Last für andere oder fühlt sich in seiner Selbstbestimmung eingeschränkt.
Scham kann sich auch als Wut zeigen
Das Problem: Scham macht oft sprachlos. Betroffene reagieren zurückhaltend oder versuchen, der Situation auszuweichen. Manchmal äußert sich das Gefühl auch als Wut oder Ablehnung.
Heftige Reaktionen im Pflegealltag lassen sich daher nicht immer sofort einordnen. Das ZQP empfiehlt, solche Situationen genauer zu betrachten und nach möglichen Ursachen zu fragen.
Intime Situationen sind häufige Auslöser
Wo persönliche Grenzen liegen, ist sehr unterschiedlich. In der Pflege gibt es viele Situationen, die Scham auslösen können.
- Körperpflege oder Hilfe beim Waschen
- Unterstützung beim Toilettengang
- Themen wie Inkontinenz
- Nachlassendes Gedächtnis oder körperliche Einschränkungen
Auch pflegende Angehörige können sich in solchen Momenten unwohl fühlen. Überforderung, fehlende Anerkennung oder das Gefühl, Erwartungen nicht zu erfüllen, können ebenfalls Scham auslösen.
Offene Regeln können entlasten
Scham erfüllt eine wichtige Schutzfunktion. Sie zeigt persönliche Grenzen auf. Ein offener Austausch darüber, was genau unangenehm ist, kann helfen, gemeinsame Regeln für den Alltag zu entwickeln.
Entlastend können klare Absprachen sein. Dazu gehört zum Beispiel, wer welche Aufgaben übernimmt und wie Hilfe konkret gewünscht ist. Solche Vereinbarungen schaffen Sicherheit für beide Seiten.
Im Alltag kann es außerdem helfen, Pflegebedürftige möglichst viel selbst erledigen zu lassen. Das stärkt das Selbstwertgefühl. Wertschätzende Worte und respektvoller Umgang tragen ebenfalls dazu bei, schwierige Situationen zu entschärfen.
Unterstützung kann den Druck verringern
Damit Scham die Beziehung nicht dauerhaft belastet, kann Unterstützung von außen sinnvoll sein. Gespräche mit Freunden oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe helfen manchen Angehörigen, ihre Situation besser einzuordnen.
Auch professionelle Beratung, etwa durch Pflegeberatungsstellen oder psychologische Angebote, kann entlasten. Zudem können regelmäßige Auszeiten für Pflegende wichtig sein.
In manchen Fällen verändert zusätzliche Hilfe den Alltag deutlich. Ein ambulanter Pflegedienst kann bestimmte Aufgaben übernehmen. Niemand muss sich dafür schämen, Unterstützung bei der Pflege anzunehmen. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |