Rentenmodell Großbritannien: Unterschiede zur Rente in Deutschland

Symbolbild: Die britische Staatsrente ist eher Grundabsicherung als Lebensstandard-Rente. Der Überblick zeigt die wichtigsten Unterschiede zu Deutschland und warum Betriebsrenten im UK so zentral sind. | Foto: kamiphotos/stock.adobe.com
  • Symbolbild: Die britische Staatsrente ist eher Grundabsicherung als Lebensstandard-Rente. Der Überblick zeigt die wichtigsten Unterschiede zu Deutschland und warum Betriebsrenten im UK so zentral sind.
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Rentenmodell Großbritannien Unterschiede. Die britische Staatsrente ist vor allem eine pauschale Basisleistung und ersetzt das frühere Einkommen meist deutlich weniger als die gesetzliche Rente in Deutschland.

Wer etwa eine Zeit im Vereinigten Königreich gearbeitet hat oder den Umzug plant, trifft deshalb schnell auf eine praktische Frage: Reicht die staatliche Rente später, oder braucht es zusätzliche Absicherung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ordnet das System so ein, dass der Lebensstandard in Großbritannien typischerweise erst durch Betriebsrenten und private Vorsorge abgesichert wird.

Kern der staatlichen Rente ist die „New State Pension“. Entscheidend sind vor allem qualifizierende Jahre über die britische Sozialversicherung National Insurance. Für die volle Leistung sind in der Regel 35 Beitragsjahre nötig. Mindestens zehn qualifizierende Jahre müssen zusammenkommen, damit überhaupt ein Anspruch entsteht.

Staatsrente: In Großbritannien zählen Jahre, in Deutschland auch das Einkommen

Der wichtigste Unterschied im Alltag liegt in der Logik der Berechnung.

  • Großbritannien: Grundsätzlich zählen Beitragsjahre, nicht die Beitragshöhe. Wer die 35 Jahre nicht erreicht, erhält eine anteilig gekürzte Leistung. Lücken können teilweise über freiwillige Beiträge geschlossen werden.
  • Deutschland: In der gesetzlichen Rentenversicherung hängt die spätere Rente stark davon ab, wie viel und wie lange eingezahlt wurde. Es werden Rentenpunkte entsprechend dem eigenen Einkommen im Verhältnis zum Durchschnitt gesammelt. Finanziert wird über das Umlageverfahren, also aus laufenden Beiträgen und Bundeszuschüssen.

Das britische System wirkt dadurch oft einfacher und transparenter. Gleichzeitig bedeutet die pauschale Ausrichtung, dass die staatliche Rente nach GDV-Einordnung häufig nur knapp über der Grundsicherung liegt und für viele Menschen allein nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Automatic Enrolment: Warum Betriebsrenten in Großbritannien so wichtig sind

Weil die Staatsrente als Basis gedacht ist, spielen Betriebsrenten im Vereinigten Königreich eine besonders große Rolle. Ein zentraler Baustein ist seit 2012 das „Automatic Enrolment“.

Arbeitgeber müssen bestimmte Beschäftigte automatisch in eine betriebliche Altersvorsorge aufnehmen und selbst Beiträge leisten. Das gilt laut den britischen Regeln für Beschäftigte,

  • die mindestens 22 Jahre alt sind,
  • das Rentenalter noch nicht erreicht haben,
  • und mehr als 10.000 Pfund im Jahr verdienen.

Ein Ausstieg ist möglich, aber der Startpunkt ist die automatische Einbeziehung. Zusätzlich wurde mit dem National Employment Savings Trust (NEST) ein staatlich initiierter Anbieter geschaffen, der Arbeitgebern eine einfache Möglichkeit zur Umsetzung bieten soll.

Reformdruck: Rentenalter und Kosten steigen

In Großbritannien läuft eine Reformdebatte, die vor allem durch Demografie und Kosten getrieben ist. Die Regierung hat 2025 eine neue Überprüfung des gesetzlichen Rentenalters gestartet. Aktuell liegt es für Männer und Frauen bei 66 Jahren. Geplant ist eine Anhebung auf 67 Jahre bis 2028 und auf 68 Jahre zwischen 2044 und 2046.

Als Hintergrund nennt die Regierung den erwarteten Anstieg der Zahl der Menschen im Rentenalter von 12,6 Millionen im Jahr 2025 auf 19,5 Millionen im Jahr 2075. Die Ausgaben für die staatliche Rente werden bis 2029/30 auf 169 Milliarden Pfund veranschlagt. Das entspricht inflationsbereinigt einem Plus von acht Prozent im Vergleich zu 2025/26.

Parallel soll der Markt für betriebliche und private Renten über den geplanten Gesetzentwurf „Pension Schemes Bill“ weiter verändert werden. Ziel ist unter anderem mehr Größe durch Zusammenschlüsse, mehr Transparenz und langfristig bessere Ergebnisse für Sparerinnen und Sparer.

Praktische Einordnung: Was aus den Unterschieden folgt

Das britische Modell verteilt die Alterssicherung stärker auf mehrere Säulen. Wer im Vereinigten Königreich Ansprüche aufbaut oder das System mit Deutschland vergleicht, sollte daher vor allem diese Punkte im Blick behalten.

  • Die staatliche Rente ist als Basis gedacht und hängt stark an den qualifizierenden National-Insurance-Jahren.
  • Betriebliche Altersvorsorge ist systematisch eingeplant, unter anderem über Automatic Enrolment.
  • Reformen zielen auf ein höheres Rentenalter sowie auf mehr Transparenz und Bündelung im Vorsorgemarkt.

Unterm Strich wird die Rente im britischen System erst dann planbar lebensstandardsichernd, wenn zur staatlichen Basis konsequent zusätzliche Vorsorge dazukommt.

Autor:

Meike Jakob aus Landau

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