Reifen wechseln im Herbst: Wann es höchste Zeit für Winterreifen wird

Beim Radwechsel sind korrektes Drehmoment, ausreichendes Profil und der richtige Luftdruck entscheidend. | Foto: あんみつ姫/stock.adobe.com
  • Beim Radwechsel sind korrektes Drehmoment, ausreichendes Profil und der richtige Luftdruck entscheidend.
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Reifen wechseln im Herbst. Wenn das Laub rutschig wird und die Temperaturen nachts Richtung Null sinken, rückt der Reifenwechsel in den Fokus. Mit dem passenden Werkzeug ist der Wechsel von Sommer- auf Winterräder machbar, doch bei Drehmoment, Profiltiefe und Reifendruck darf kein Herbst-Blues aufkommen.

Der Oktober gilt für viele als klassischer Reifenwechsel-Monat. Die bekannte Regel „von O bis O“ – von Oktober bis Ostern – bietet zwar eine gute Orientierung, rechtlich entscheidend sind in Deutschland aber Wetter und Straßenzustand. Bei Glatteis, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte müssen geeignete Winter- oder Ganzjahresreifen montiert sein.

Wann sollten die Reifen gewechselt werden?

Sobald die ersten kalten Nächte, feuchte Straßen und Laub auf der Fahrbahn den Herbst einläuten, ist der Wechsel auf Winterreifen sinnvoll. Die „O-bis-O“-Faustregel hilft bei der Planung: Winterreifen gehören grob von Oktober bis Ostern ans Auto, Sommerreifen anschließend wieder in die Garage. Laut ADAC gibt es jedoch keinen starren gesetzlichen Stichtag.

Wichtig ist nicht nur die Jahreszeit, sondern auch der Zustand der Pneus. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe. Für mehr Sicherheitsreserven werden bei Sommerreifen mindestens drei Millimeter und bei Winterreifen mindestens vier Millimeter empfohlen. AutoScout24 informiert, dass Winterreifen ohne Alpine-Symbol – das Bergpiktogramm mit Schneeflocke – bei winterlichen Bedingungen seit Herbst 2024 nicht mehr ausreichen.

Was kostet es, vier Reifen wechseln zu lassen?

Die Kosten hängen stark davon ab, was genau mit „Reifen wechseln“ gemeint ist. Werden vier komplette Räder – also Reifen samt Felgen – lediglich saisonal umgesteckt, nennen Werkstätten teils Preise von rund 20 bis 45 Euro. Inzwischen können für den reinen Räderwechsel je nach Betrieb und Region aber auch 100 Euro oder mehr fällig werden, wie AutoScout24 informiert.

Teurer wird es, wenn zusätzliche Leistungen dazukommen: Ein direktes Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) anzulernen, kann etwa 20 bis 50 Euro kosten, die Einlagerung schlägt häufig mit rund 40 bis 80 Euro pro Jahr zu Buche. Müssen neue Reifen erst auf Felgen gezogen und ausgewuchtet werden, kommen Montage- und Wuchtkosten hinzu. Ein Komplettpaket aus Räderwechsel, RDKS-Anlernen und Einlagerung kann beispielhaft bei etwa 195 Euro liegen.

Reifenwechsel vorbereiten: Dieses Werkzeug wird benötigt

Ein trockener, ebener und fester Untergrund ist wichtiger als jedes Profi-Werkzeug. Das Fahrzeug steht sicher mit angezogener Handbremse, eingelegtem ersten Gang oder bei Automatik in Stellung „P“. Vor dem Anheben sollten Reifen auf Risse, Beulen, Fremdkörper und ausreichendes Profil geprüft werden.

Besonders beim Elektroauto gilt: Der Wagenheber darf ausschließlich an den vom Hersteller vorgesehenen Hebepunkten angesetzt werden. Andernfalls können Schäden entstehen. Auch Radschrauben und Auflageflächen müssen sauber sowie rostfrei sein. Gewinde werden grundsätzlich nicht gefettet oder geölt.

Werkzeugliste für den Radwechsel:

  • Stabiler Wagenheber, idealerweise Hydraulikwagenheber
  • Unterstellbock
  • Radkreuz oder passende Nuss
  • Drehmomentschlüssel
  • Drahtbürste für Rost und Schmutz
  • Schlüssel oder Nuss für Felgenschlösser
  • Kleine Box für Radschrauben oder Muttern
  • Kreide oder Wachsstift zum Markieren der abgenommenen Räder
  • Fahrzeug-Bedienungsanleitung

Wie wechselt man Autoreifen richtig? 

Die richtige Reihenfolge beginnt, solange das Auto noch fest auf dem Boden steht: Radkappe abnehmen, falls vorhanden, und die Radschrauben über Kreuz etwa eine Vierteldrehung lösen. Erst danach kommt der Wagenheber an den vorgesehenen Punkt. Das Fahrzeug wird nur so weit angehoben, bis das Rad frei hängt.

Dann werden die Schrauben vollständig herausgedreht und das Rad gerade abgenommen. Vor der Montage des neuen Rads sollten Felgenauflage und Radzentrierung gereinigt sowie Bremsscheiben und Bremsbeläge kurz auf sichtbare Schäden kontrolliert werden. Das neue Rad wird aufgesetzt, die Schrauben zunächst handfest über Kreuz angezogen und das Auto anschließend so weit abgelassen, dass der Reifen Bodenkontakt hat.

Reifen beziehungsweise Räder in der richtigen Reihenfolge wechseln

  1. Fahrzeug auf ebenem, festem Untergrund abstellen.
  2. Handbremse anziehen; ersten Gang einlegen oder Automatik auf „P“ stellen.
  3. Radkappe entfernen und Radschrauben über Kreuz etwa eine Vierteldrehung lösen.
  4. Wagenheber am vorgeschriebenen Hebepunkt ansetzen und Fahrzeug anheben.
  5. Radschrauben vollständig lösen und das alte Rad abnehmen.
  6. Auflageflächen von Schmutz und Rost befreien, Bremsen kurz prüfen.
  7. Neues Rad aufsetzen; bei laufrichtungsgebundenen Reifen unbedingt auf den Pfeil an der Flanke achten.
  8. Schrauben zunächst handfest über Kreuz anziehen.
  9. Fahrzeug ablassen, bis der Reifen gerade aufsteht.
  10. Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment über Kreuz festziehen.
  11. Demontierte Räder mit „VL“, „VR“, „HL“ oder „HR“ markieren und trocken lagern.

Das Anziehen mit Drehmomentschlüssel ist der entscheidende Schlussakt: Das vorgeschriebene Drehmoment steht in der Bedienungsanleitung oder in den Angaben des Felgenherstellers. Ein Schlagschrauber kann beim Lösen festsitzender Schrauben helfen, ersetzt beim finalen Anziehen aber nicht den Drehmomentschlüssel.

Welche Reifen kommen nach vorn – und welche nach hinten?

Bei einem saisonalen Tausch können Räder häufig achsweise rotieren: Was in der Vorsaison vorne montiert war, wandert nach hinten – und umgekehrt. Dadurch nutzt sich das Profil gleichmäßiger ab. Der ADAC empfiehlt diesen achsweisen Wechsel spätestens alle 8.000 bis 10.000 Kilometer.

Eine wichtige Ausnahme betrifft Reifen mit unterschiedlicher Restprofiltiefe: Die Reifen mit dem stärkeren Profil gehören immer auf die Hinterachse. Diagonal getauscht werden sollte nicht, insbesondere nicht bei laufrichtungsgebundenen Reifen. Diese tragen einen „Rotation“-Pfeil auf der Seitenwand und dürfen ausschließlich in der vorgegebenen Laufrichtung montiert werden.

Nach dem Reifenwechsel: Luftdruck, RDKS und Schrauben kontrollieren

Direkt nach der Montage steht die Reifendruckkontrolle an. Die passenden Werte finden sich je nach Fahrzeug in der Bedienungsanleitung, am Türholm oder auf der Innenseite des Tankdeckels. Zu niedriger oder zu hoher Druck verschlechtert nicht nur das Fahrverhalten auf nassem Herbstasphalt, sondern kann auch Verschleiß und Verbrauch erhöhen.

Nach rund 50 Kilometern sollten die Radschrauben nochmals kontrolliert und bei Bedarf mit dem korrekten Drehmoment nachgezogen werden. Bei Fahrzeugen mit Reifendruck-Kontrollsystem muss ein indirektes System meist über das Fahrzeugmenü kalibriert werden. Direkte Systeme mit Sensoren im Reifen benötigen je nach Modell ein Anlernen per Spezialgerät oder den Termin in einer Werkstatt.

Autor:

Sarah Isele aus Mannheim-Nord

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