Loslassen lernen: Der Schlüssel zu mehr Leichtigkeit im Alter
- Im Hier und Jetzt herumblödeln - das Leben ist schließlich ernst genug. Gut möglich, dass sich dann Leichtigkeit einstellt. (zu dpa: «4 Impulse für mehr Leichtigkeit im Alter»)
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Leichtigkeit im Alter finden. Auch mit gesundheitlichen Einschränkungen, Verlusten oder Veränderungen im Alltag kann ein Gefühl von Leichtigkeit entstehen. Entscheidend ist oft der Blick auf die eigene Lebenssituation und der Umgang mit dem, was sich nicht mehr ändern lässt.
Gerade im höheren Alter erleben viele Menschen Momente, die schwer wiegen. Freunde oder Partner sterben. Der eigene Körper setzt Grenzen, die früher keine Rolle spielten. Trotzdem kann Leichtigkeit Teil des Alltags bleiben.
Der Pädagoge und Buchautor Bertram Kasper beschreibt Altern als eine Art fortlaufende Akzeptanzübung. Wer die eigene Realität anerkennt und überlegt, wie sich das Beste daraus machen lässt, löst sich eher aus innerem Widerstand. Genau dieser Schritt gilt als wichtige Grundlage für ein leichteres Lebensgefühl.
Ein versöhnlicher Blick auf das eigene Leben
Auch die Vergangenheit kann das Gefühl von Leichtigkeit beeinflussen. Viele Menschen beschäftigen sich im Alter intensiver mit ihrem Lebensweg. Dabei tauchen häufig Gedanken auf wie: Was wäre gewesen, wenn Entscheidungen anders gefallen wären.
Der deutsch amerikanische Entwicklungspsychologe Erik Erikson beschrieb mit dem Begriff der "Ich-Integrität" einen Zustand, in dem Menschen ihr Leben insgesamt annehmen können. Dazu gehört auch, Fehler oder schwierige Phasen zu akzeptieren. Ein Beispiel nennt Kasper so: "Man kann anerkennen, dass man nicht immer ein guter Vater war, weil man zu viel gearbeitet hat. Aber man macht sich klar: Ich habe mein Bestes gegeben."
Dieser versöhnliche Blick auf das eigene Leben kann helfen, Grübelschleifen zu reduzieren. Wenn alte Belastungen jedoch stark bleiben, kann psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
Vier Ansätze, die mehr Leichtigkeit in den Alltag bringen
Leichtigkeit entsteht häufig in Momenten, in denen die Aufmerksamkeit ganz im Hier und Jetzt liegt. Einige Gewohnheiten können dabei helfen, solche Momente im Alltag häufiger zu erleben.
- Rituale bewusst wahrnehmen. Ein Kaffee am Morgen auf dem Balkon oder ein täglicher Spaziergang am Nachmittag können helfen, die Aufmerksamkeit auf kleine Veränderungen zu lenken. Welche Vögel sitzen heute im Baum. Wie schmeckt der Kaffee heute. Solche Beobachtungen stärken die Präsenz im Moment.
- Nichtstun zulassen. Viele Menschen haben gelernt, ständig produktiv sein zu müssen. Kasper beschreibt jedoch, dass Leichtigkeit oft erst entsteht, wenn der Druck zu leisten nachlässt. Er wollte in seinem Ruhestand sogar üben, einfach eine Zeit lang in den Himmel zu schauen. In den Niederlanden gibt es dafür ein eigenes Wort: "niksen".
- Tätigkeiten mit Flow-Gefühl suchen. Ob Tanzen, Stricken, Schrauben oder Malen. Wer bei einer Beschäftigung Zeit und Umgebung vergisst, erlebt einen sogenannten Flow-Zustand. Diese starke Konzentration auf eine Sache kann das Gefühl von Leichtigkeit fördern. Hinweise darauf liefern oft Hobbys aus der eigenen Kindheit.
- Die Körperhaltung bewusst verändern. Menschen, die sich leicht fühlen, bewegen sich häufig lockerer. Auch kleine Bewegungen wie Schwingen, Tanzen oder ein bewusstes Lächeln können Erinnerungen an unbeschwerte Momente aktivieren.
Leichtigkeit im Alter entsteht selten durch große Veränderungen. Häufig sind es kleine Gewohnheiten, ein versöhnlicher Blick auf das eigene Leben und bewusst erlebte Momente im Alltag. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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