LinkedIn im Wealth Management: So wird Sichtbarkeit zu Mandaten
- LinkedIn als Vertriebsinstrument für Vermögensverwalter und Wealth Manager. Sichtbarkeit wird erst mit klaren Prozessen zur Mandatschance.
- Foto: A. Weck Consulting/Fabienne Felder
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LinkedIn Vertrieb Vermögensverwalter. Digitale Sichtbarkeit wird erst dann zur echten Mandatschance, wenn Inhalte systematisch in den Vertriebsprozess übergehen und Kontakte nach wiederholten Berührungspunkten strukturiert weitergeführt werden.
Wer eine Vermögensverwaltung auswählt, informiert sich oft schon vor dem ersten Gespräch. Fehlen dabei nachvollziehbare fachliche Einordnung, klare Positionierung und ein seriöser Auftritt, bleibt die tatsächliche Kompetenz schnell unsichtbar. Genau diese Lücke zwischen realer Expertise und digitaler Wahrnehmung beschreibt A. Weck Consulting in einer aktuellen Einordnung.
Im Kern geht es um einen Perspektivwechsel. Social Media ist im Wealth Management weniger ein klassisches Marketing-Thema als ein zusätzlicher Einstieg in den Verkaufstrichter, weil potenzielle Mandanten und Entscheider dort wiederholt fachliche Signale aufnehmen können, bevor überhaupt ein Termin zustande kommt.
Warum Sichtbarkeit allein nicht reicht
Ein einzelner Beitrag erzeugt noch keine belastbare Vertriebswirkung. Entscheidend sind wiederkehrende Berührungspunkte, die ein konsistentes Bild ergeben. Laut Alexandra Weck kann ein Beitrag mit weniger Reichweite wertvoller sein als viele Aufrufe, wenn regelmäßig genau die relevanten Personen erreicht werden, die für das Geschäft tatsächlich zählen.
Damit aus Aufmerksamkeit eine Chance wird, braucht es Anschlussfähigkeit im Vertrieb. Dazu gehört, dass interessante Kontakte erkannt, Interaktionen dokumentiert und nächste Schritte festgehalten werden. Social Media ersetzt damit keine klassische Vertriebsarbeit, sondern ergänzt sie um einen zusätzlichen Weg zur Mandatsgewinnung.
Was bei Finanzthemen auf Social Media schnell schadet
Im Umfeld Geldanlage und Vermögen reagieren Zielgruppen besonders sensibel auf Tonalität und Substanz. Aussagen wirken schnell beliebig, wenn sie nur Reichweite erzeugen sollen. Zusätzlich sind regulatorische Grenzen zu beachten, etwa bei Rendite-Aussagen oder Formulierungen, die als individuelle Anlageberatung verstanden werden könnten.
Typische Stolpersteine, die laut Weck im Wealth Management eher Vertrauen kosten, sind:
- reißerische Versprechen oder aggressive Handlungsaufforderungen
- austauschbare Marktkommentare ohne eigene Einordnung
- zu konkrete Aussagen, die regulatorisch heikel sein können
- Content ohne klaren Übergang in die Beziehungspflege im Vertrieb
Als Alternative beschreibt sie Storytelling nicht als Privates, sondern als erkennbaren Stil der fachlichen Einordnung. Wer nachvollziehbar erklärt, wie Entwicklungen bewertet werden oder welche Fragen in der Praxis häufig auftauchen, macht Kompetenz greifbar, ohne auf Lautstärke zu setzen.
So kann ein wiederholbarer Prozess aussehen
A. Weck Consulting bündelt den Ansatz im sogenannten Sales-4.0-Framework. Im Mittelpunkt steht, vorhandenes Fachwissen effizient in mehrere Formate zu überführen, statt jedes Mal bei null zu beginnen. Als Ausgangsmaterial nennt Weck zum Beispiel ein 15- bis 60-minütiges Video, einen Podcast oder ein Fachgespräch, aus dem anschließend mehrere Beiträge entstehen.
Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Material zu strukturieren und schneller aufzubereiten. Die fachliche Aussage und die persönliche Haltung sollen aber vom Vermögensverwalter selbst kommen. Vor der Veröffentlichung bleibt eine Prüfung der regulatorischen Anforderungen nötig.
Der zweite Teil ist die Vertriebslogik hinter dem Content. Kontakte sollen nicht bei einem Like oder Kommentar stehenbleiben, sondern in nachvollziehbare Folge-Schritte übergehen. Weck fasst das als Wechsel „vom Jäger zum Magneten“ zusammen. Fachliche Inhalte sorgen dafür, dass relevante Personen von selbst wiederholt Berührungspunkte haben und daraus eher ein Anlass für Gespräche entsteht.
Praxisbeispiele aus der Beratung
Wie unterschiedlich das je nach Geschäftsmodell aussehen kann, zeigt Weck an zwei Beispielen.
- Ott, Hagen & Partner AG aus Vaduz. Dort wurde LinkedIn als zusätzlicher Kanal für die Geschäftsentwicklung aufgebaut, mit dem Ziel, über fachliche Themen gezielt relevante Personen zu erreichen. Laut Weck entstanden darüber neue Gespräche und Einladungen, die Expertise auf hochkarätigen Panels zu präsentieren.
- 21 Nexus Capital. Gründer und Geschäftsführer Boris Jurczyk nutzte die Positionierung, um komplexe Themen rund um digitale Assets für institutionelle und semi-institutionelle Anleger verständlich und fundiert einzuordnen. Aus der Zusammenarbeit entwickelte sich zudem eine langfristige geschäftliche Verbindung bis hin zu einer Rolle von Alexandra Weck im Aufsichtsrat.
Beide Fälle sollen vor allem zeigen, dass keine einheitliche Content-Schablone funktioniert. Themen, Ton und Taktung müssen zur Zielgruppe, zum Angebot und zum Vertriebsziel passen. Am Ende ist nicht die Reichweite der Maßstab, sondern ob daraus konkrete Gespräche, Einladungen oder belastbare Kontakte entstehen.
Wer Social Media unter diesem Maßstab aufbaut, behandelt Content weniger als Zusatzprojekt, sondern als festen Baustein der Vertriebsarbeit.
Autor:Meike Jakob aus Landau |