Zugstopp in Gengenbach: Ermittlungen gegen Bahn-Mitarbeiter
- Der Zugverkehr wurde für rund eine Stunde eingestellt. (Symbolbild)
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Gengenbach. Pendler und Reisende auf der Schwarzwaldbahn mussten am 13. September in Gengenbach rund eine Stunde ohne Zugverkehr auskommen. Grund war ein Fahrdienstleiter, der nach Angaben der Bundespolizei im Stellwerk zunächst nicht erreichbar war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den 29-Jährigen wegen des Anfangsverdachts der Gefährdung des Bahnverkehrs.
Nach Angaben eines Sprechers drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Bei dem Mann wurde zudem eine weiße Substanz gefunden. Nach seinen eigenen Angaben handelte es sich um Kokain. Ob das zutrifft, wird kriminaltechnisch untersucht.
Warum die Schwarzwaldbahn stoppte
Am Morgen des 13. September war für rund eine Stunde kein Zugverkehr auf der Schwarzwaldbahn möglich. Der Fahrdienstleiter in Gengenbach im Ortenaukreis war nicht erreichbar. Weil die Einsatzkräfte zunächst von einem medizinischen Notfall ausgingen, wurde der Rettungsdienst alarmiert.
Als die Einsatzkräfte am Stellwerk ankamen, waren die Türen verriegelt. Durch die Fenster sahen sie den 29-Jährigen nach Polizeiangaben augenscheinlich bewusstlos in einem Bett. Erst nach wiederholtem lautem Klopfen öffnete er die Tür.
Sechs Züge und 134 Minuten Verspätung
Der Mann wurde vom Rettungsdienst versorgt. Die Beamten fanden leere Bierflaschen in dem Gebäude. Ein Atemalkoholtest ergab rund ein Promille. Erst als ein Ersatz für den Fahrdienstleiter eintraf, konnte der Bahnverkehr wieder anlaufen.
Laut Bundespolizei waren sechs Züge betroffen. Insgesamt kamen 134 Minuten Verspätung zusammen. Eine konkrete Gefährdung habe es nach Angaben einer Sprecherin nicht gegeben. Ist ein Fahrdienstleiter nicht erreichbar, gehen die Signale automatisch auf Halt. Der Verkehr kommt dann zum Erliegen.
DB verweist auf Null-Promille-Regel
Die Deutsche Bahn erklärte, an allen Arbeitsplätzen gelte ein Suchtmittelverbot. „An allen Arbeitsplätzen gilt die Null-Promille-Regelung“, teilte eine Sprecherin mit. „Die DB ahndet Vorfälle umgehend und nach einem strengen Regelwerk.“ Das Geschehen in Gengenbach werde intern aufgearbeitet.
Die Bahn betonte zugleich, die Stellwerke hätten ein fundiertes Sicherheitssystem, das menschliche Fehlhandlungen technisch verhindere. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht dennoch Handlungsbedarf. Der Ehrenvorsitzende Detlef Neuß sagte, bei der Fahrdienstleitung sollte es grundsätzlich ein Vier-Augen-Prinzip geben. Ähnliche Vorfälle gebe es nach Einschätzung des Verbandes höchstens zwei bis drei Mal im Jahr.
Weitere Untersuchungen laufen
Die Bundespolizei lässt nach eigenen Angaben prüfen, ob sich neben Alkohol auch Betäubungsmittel im Blut des Mannes nachweisen lassen. Solche Ergebnisse lägen üblicherweise innerhalb einer Woche vor, sagte eine Sprecherin. Auch für den möglichen Besitz von Betäubungsmitteln drohen laut Staatsanwaltschaft bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |