Drei Millionen Betroffene, 260 Millionen Euro Schaden: Anklage in Koblenz
- Von einem mutmaßlichen Betrugs- und Geldwäschenetzwerks sind neun Angeschuldigte angeklagt worden (Symbolbild)
- Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Koblenz. Für Kreditkartenkunden ist der Fall brisant: In Koblenz ist Anklage gegen neun mutmaßliche Mitglieder eines international organisierten Netzwerks erhoben worden, das über Jahre unberechtigte Abbuchungen ausgelöst haben soll.
Die Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wirft acht Männern und einer Frau gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetrug sowie Geldwäsche vor. Nach den Ermittlungen soll das Netzwerk von 2016 bis 2021 Kreditkartendaten von mehr als drei Millionen Betroffenen in 193 Ländern genutzt haben.
Über mehr als 18 Millionen vermeintliche Abonnements auf Schein-Webseiten sollen Karteninhaber belastet worden sein. Die Seiten boten nach Angaben der Ermittler angeblich Dating- und pornografische Inhalte an, waren tatsächlich aber nicht auffindbar. Die monatlichen Abbuchungen sollen bewusst niedrig gewesen sein. Zudem seien sie mit schwer zuzuordnenden Buchungstexten versehen worden, sodass viele Belastungen zunächst nicht aufgefallen seien.
Mutmaßlicher Schaden liegt bei mehr als 260 Millionen Euro
Die Generalstaatsanwaltschaft beziffert den bisherigen mutmaßlichen Schaden auf mehr als 260 Millionen Euro. Weitere geplante kriminelle Geldflüsse von rund 750 Millionen Euro sollen demnach nicht mehr zustande gekommen sein, etwa weil Kreditkarten nicht mehr gültig waren.
Von den Beschuldigten im Alter von 33 bis 57 Jahren mit deutscher oder kanadischer Staatsangehörigkeit sollen drei als Vermittler gearbeitet haben. Ein weiterer Angeschuldigter soll die Netzwerke als selbstständiger „Risk Manager“ unterstützt haben. Bei fünf weiteren Beschuldigten handelt es sich laut Generalstaatsanwaltschaft teils um ehemalige Geschäftsführer von Zahlungsdienstleistern.
Sechs Angeschuldigte sitzen in Untersuchungshaft. Gegen einen weiteren Beschuldigten wurde ein Haftbefehl des Amtsgerichts Koblenz gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Ein Angeschuldigter hält sich derzeit in Kanada auf. Nach Angaben der Ermittler läuft ein Auslieferungsverfahren. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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