Eleanor Antin: Wie eine Künstlerin sich neu erfindet

Eleanor Antin. | Foto: Kunstmuseum Liechtenstein, Foto: Kunstmuseum Liechtenstein
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Eleanor Antin. Hundert schwarze Gummistiefel auf einer Reise durch die USA und eine Künstlerin, die sich gleich mehrere Rollen überstreift: Ab Donnerstag, 27. März, zeigt das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz die erste Europa-Retrospektive von Eleanor Antin. Der Zeitraum ist ungewöhnlich lang: Die Schau läuft bis Montag, 29. September. Antin bringt ihren Blick auf die Welt gleich selbst auf den Punkt: "I always tend to see the funny side of things."

Von 100 Boots bis zum radikalen Blick auf den eigenen Körper

Das Museum spannt den Bogen von Antins frühen performativen Arbeiten der 1960er-Jahre bis zu jüngsten Werken. Zu den frühen Schlüsselarbeiten zählt die Aktion und Postkartenserie 100 Boots (1971-1973), eine inszenierte Reise von hundert schwarzen Gummistiefeln von Kalifornien nach New York. Dazu kommt CARVING: A Traditional Sculpture (1972), in der Antin ihren eigenen Körper über 37 Tage hinweg formt und protokolliert.

Antins Rollen: König, Ballerina, Krankenschwester

Im Zentrum steht Antins Spiel mit Identitäten: Seit den späten 1960er-Jahren schlüpft sie in verschiedene Rollen wie den König, die Ballerina oder die Krankenschwester und untersucht damit gesellschaftliche Rollen und Machtstrukturen. Antin erklärt diesen Startpunkt so: "Der König kam zuerst, als ich herausfinden wollte, wie mein männliches Selbst sein würde". Die Ballerina taucht erstmals 1973 auf, während ein Making-of-Video die inszenierten Posen entlarvt; die Krankenschwester beschreibt das Museum als Antins ambivalenteste Figur, zwischen Verführung und Ausgeliefertsein.

Stummfilm, Theaterkulisse und hollywoodeske Antike

Spätere Arbeiten greifen historische Referenzen und bewusste Theatralik auf: genannt werden The Man Without a World (1991), ein Stummfilm in Spielfilmlänge, der sich als Werk des fiktiven sowjetisch-jüdischen Regisseurs Yevgeny Antinov ausgibt, sowie die Installation Vilna Nights (1993-1997/2025), die laut Ankündigung wie eine Theaterkulisse in eine Welt eintauchen lässt, die nicht mehr existiert. Im Spätwerk tauchen außerdem die Historical Takes (2004-2008) auf, hollywoodeske Bilder einer überzeichneten griechisch-römischen Antike, die dekadente Exzesse zeigen und den Niedergang von Imperien thematisieren.

Vernissage mit Gespräch und Performance

Zur Eröffnung am Donnerstag, 26. März, startet die Vernissage ab 18 Uhr, um 18.30 Uhr folgt ein Gespräch mit Bettina Steinbrügge, Direktorin Mudam Luxembourg - Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, und Vanessa Joan Müller, Mitherausgeberin der Publikation zu Eleanor Antin, moderiert im Rahmen des Abends mit Christiane Meyer-Stoll, Direktorin Kunstmuseum Liechtenstein. Außerdem kündigt das Haus eine Führung und ein Gespräch mit Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, und Christiane Meyer-Stoll an; am Sonntag, 29. März, um 11 Uhr, steht eine Performance von Saâdane Afif im Programm, am Sonntag, 27. September, um 14 Uhr, folgt ein weiterer Termin. Kuratiert hat das Kunstmuseum Liechtenstein die Retrospektive laut Mitteilung mit Christiane Meyer-Stoll und Henrik Utermöhle; initiiert und organisiert wurde sie vom Mudam Luxembourg, nach Vaduz wandert sie an das MOCAK - Museum für Gegenwartskunst in Krakau. [red]

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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