Update: Familie Wagner ist geimpft
Bald darf Sohn Paul wieder mit seinen Freunden spielen

Monika und Stefan Wagner mit ihrem dreijährigen Sohn Paul
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Update: Gute Nachrichten aus Schifferstadt. Nach ihrem Mann Stefan ist jetzt auch die ebenfalls chronisch kranke Monika Wagner geimpft.  Am Montag Abend um 21.30 Uhr kam der ersehnte Anruf aus dem Impfzentrum in Schifferstadt, dass es übrig gebliebene Impfdosen gebe. Wohl wegen der Skepsis Astrazeneca gegenüber waren am Montag viele Termine abgesagt worden. Verimpft wurde zu diesem Zeitpunkt allerdings Impfstoff von Biontech. Wagners hatten letzten Endes doch im Wege einer Einzelfallentscheidung die priorisierte Impfung auch von Monika Wagner erreicht.
Stefan Wagner wird Mitte April, seine Frau Ende April zum zweiten Mal geimpft. Vorausgesetzt, dass alles wie erhofft funktioniert, könnte Söhnchen Paul Mitte Mai wieder in die Kita und zu seinen Freunden.

Schifferstadt. Stefan Wagner und seine Frau Monika sind chronisch krank. Seit zwölf Monaten befinden sie sich mit Sohn Paul in strenger häuslicher Quarantäne. Zu dieser "Schutzquarantäne" hatten ihnen ihre Ärzte bei Ausbruch der Pandemie geraten, weil sie im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus aufgrund ihrer Vorerkrankungen mit einem schweren, wenn nicht sogar tödlichen Verlauf rechnen müssen. "Wir gehören nicht zur Hochrisiko-, sondern zur Höchstrisikogruppe", sagt Stefan Wagner, der in Speyer und über die Domstadt hinaus für sein großes Engagement in der Obdachlosenhilfe und als Leiter der Soziale Anlaufstelle Speyer bekannt ist.

Der Träger von zig Ehrenamtspreisen und seine Frau haben eine besonders schwere Form von Rheuma. Beide müssen Medikamente nehmen, die das Immunsystem aushebeln. Stefan Wagner hat zusätzlich noch eine venöse Erkrankung, lag bereits zwei Mal im Koma. Er ist schwerbehindert und frühverrentet. Seine Frau Monika arbeitet seit einem Jahr im Homeoffice. Der kleine Paul war zwei Jahre alt, als seine Eltern ihn aus der Kita genommen haben. Jetzt ist er drei - und hat seit zwölf Monaten weder Oma und Opa, noch Freunde oder überhaupt andere Kinder getroffen. Ein Aufenthalt auf dem Spielplatz ist für Paul undenkbar. Seine Eltern sehen das Wohl ihres Kindes gefährdet und drängen seit Dezember auf ihre Impfung.

"Uns war von Pandemiebeginn an klar, dass uns nur die Impfung aus unserer Schutzquarantäne holen kann", sagt Stefan Wagner. Jetzt ist er am Boden zerstört, denn diese Woche hat er erfahren, dass seine Familie trotz schwerer chronischer Erkrankungen beim Impfen hintenan stehen muss. "Jetzt ist die Krankenpflegerin in Elternzeit bereits geimpft, demnächst ist der fitte 28-jährige Sportlehrer dran - und mir als chronisch Krankem sagt ein Staatssekretär am Telefon allen Ernstes, in dieser Zeit müssten alle Opfer bringen." Stefan Wagner ist fassungslos. Und fühlt sich gänzlich missverstanden.

Impfverordnung hat die chronisch Kranken nicht auf dem Radar

"Mir geht es doch nicht darum, dass meine Frau und ich unser gewohntes Leben wieder aufnehmen können, mir geht es darum, dass Paul wieder in die Kita kann - ohne dass wir riskieren, dass er anschließend zur Vollwaise wird", sagt Wagner. Und setzt hinzu: "Unser Sohn verkrüppelt sozial." Die Impfverordnung habe die chronisch Kranken nicht auf dem Radar, sagt Wagner, der sich bei seinen Bemühungen zunächst im Kreis gedreht hat. Weder beim Rhein-Pfalz-Kreis, noch bei der Impf-Hotline fand er Unterstützung. Erst auf Betreiben der Bundestagsabgeordneten Isabel Mackensen kam er im Dezember in Kontakt mit dem Gesundheitsministerium. Die Rückmeldung: Im Einzelfall entscheide der Ethikrat.

Sobald das online möglich war, haben Wagners ihren gemeinsamen Antrag gestellt. Am 7. Januar war das; laufende Fallnummer: zehn. Weitere ärztliche Gutachten wurden verlangt - und nachgereicht. Danach wurden sie wochenlang vertröstet, die Entscheidung versprochen, aber nicht getroffen, Termine nicht eingehalten, widersprüchliche Aussagen getätigt. Dann am Dienstag die Entscheidung des Ethikrates: Stefan Wagner wird von Priorität 3 auf Priorität 2 hochgestuft; seine Frau bleibt in Priorität 3. "Die seelische Gefährdung unserer Sohnes wurde überhaupt nicht berücksichtigt", beklagt Wagner. Weil Monika Wagner nicht ebenfalls früher geimpft wird, ändert sich an der Situation der Familie und an Pauls Isolation rein gar nichts. 

"Meine Frau und ich halten das aus, aber was ist mit unserem Sohn?", fragt Stefan Wagner. Die Eltern machen sich große Sorgen um das Wohl ihres Kindes. Und fühlen sich als Opfer des Wahlkampfes. "Die Impfverordnung ist dafür da, die Schwachen zu schützen, aber die Politik macht Wahlkampf mit dem Thema und spielt Personengruppen und Menschen gegeneinander aus", glaubt Stefan Wagner. Die im Vergleich zur Gruppe aller Eltern im Land, die ihre Kinder wieder in die Schule und in die Kita schicken wollen, kleine Gruppe der chronisch Kranken seien die Leidtragenden. "Ich bin nicht einmal mehr wütend, ich fühle mich einfach nur noch zermürbt und leer", sagt Wagner enttäuscht.

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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