Paartherapeutin Heidi Lißner im Gespräch
Gibt es die ewige Liebe noch?

Für Paare, die bereits Probleme haben, sind die mit der Coronakrise verbundenen Auflagen eine besonders harte Belastungsprobe.
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Von Christian Gaier 
Mannheim.
Wenn zwei nicht mehr miteinander können, aber es dennoch wollen, dann ist Hilfe gefragt. Die Mannheimer Paartherapeutin Heidi Lißner erklärt im Interview mit Wochenblatt-Reporter Christian Gaier, mit welchen Problemen Paare zu ihr kommen und wie sie ihnen hilft.

Frau Lißner, gibt es die „ewige Liebe“ noch?
Lißner: Die ewige Liebe ist eine romantische Vorstellung und gemeint ist damit meistens der Wunsch, dass das Verliebtheitsgefühl so bleibt wie am Anfang der Beziehung. Das ist natürlich nicht möglich. Das Liebesgefühl entwickelt sich, so wie die Partnerschaft weiter und zwar von der Verliebtheitsphase zur Phase der Kooperation über die Phase der Differenz bis zur Phase der sicheren Vertrautheit und damit zur reifen Liebe. Eine Partnerschaft ist keine Wunscherfüllungseinrichtung, sondern eine Kompromissfindungsgesellschaft. Eine Partnerschaft braucht Zeit und Zuwendung, damit Liebe, Vertrauen und Weiterentwicklung gelingen können.

Ab wann ist es ratsam, einen Paartherapeuten aufzusuchen?
Lißner: Da gibt es verschiedene Punkte, etwa wenn die Beteiligten merken, dass sie mit ihren eigenen Möglichkeiten nicht weiter kommen, oder dass Gespräche immer wieder in denselben Schuldzuweisungen enden. Bei Streitgesprächen und Machtkämpfen ist es eben anders als beim Ringkampf, bei dem einer der Sieger ist; in der Partnerschaft gibt es immer zwei Verlierer. Manche Paare gehen in eine Vermeidungsstrategie: dabei wird dann Unzufriedenheit angesammelt und es kommt zum persönlichen Rückzug. Aus dieser Distanz entsteht oft das Gefühl, nicht verstanden zu werden und man zweifelt die Partnerwahl an. Das sind Verhaltensweisen, die eine Paartherapie sinnvoll erscheinen lassen.

Welches sind die häufigsten Gründe, aus denen Paare Sie aufsuchen?
Lißner: Paare kommen, dann, wenn sie mit diesen destruktiven Verhaltensweisen nicht mehr weitermachen wollen, wenn sie Kommunikationsschwierigkeiten haben, wenn einer der Partner eine Affäre hat, oder auch, wenn Paare nach einer Trennung wieder zueinander finden wollen. Es kommen auch Paare, die sich über ihre Zukunftsperspektiven im Unklaren sind, etwa bei Fragen: „Wollen wir noch ein Kind?“ oder „Wo wollen wir leben?“ Noch ein Auslöser kann sein, wenn ein Partner psychisch oder physisch erkrankt ist und die Partner mit dieser Veränderung nicht klar kommen.

Was leistet ein Paartherapeut?
Lißner: Das Allerwichtigste ist für mich eine Allparteilichkeit. Das bedeutet: Ich ergreife nicht Partei für eine Seite. Das ist ein hoher Wert in der Beratung, weil sich so beide gleichermaßen verstanden fühlen können. Ich biete einen sicheren Rahmen für gegenseitige Wertschätzung und respektvollen Umgang miteinander, erforsche mit dem Paar zusammen die Entstehung des Problems und  was eigentlich hinter dem Problem steht. Wichtig ist, dem Paar Methoden zur Konfliktlösung anzubieten und es dabei zu unterstützen, Kränkungen und Verletzungen zu überwinden und wieder Vertrauen entstehen zulassen. Ein Therapeut ist als Wegbegleiter wie ein stabiles Geländer in unwägbaren Engpässen in der Entwicklung einer Paarbeziehung.

Gibt es auch Fälle, bei denen Sie sagen, die Beziehung ist bereits derart zerrüttet, dass eine Therapie keinen Sinn macht?
Lißner: Ich fände es vermessen, eine solche Aussage zu machen und halte davon auch nichts. Die Paare, die vor mit sitzen und sich die Zeit nehmen zu mir zu kommen, wollen ja etwas erreichen. Sie erleben ein Hindernis, das sie im Moment nicht überwinden können. Wenn ich dann so ein hartes Urteil fällen würde, würde ich ja als Richter fungieren: Ich verstehe mich aber als Anwalt der Beziehung.

Für Paare, die bereits Probleme haben, sind die mit der Coronakrise verbundenen Auflagen sicher eine besonders harte Belastungsprobe, oder?
Lißner: Ja, aber es ist auch wichtig zu sagen, dass viele Paare durch die äußeren Anforderungen jetzt auch näher zusammenrücken, die Zeit für Gespräche nutzen und es genießen, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Bei anderen Paaren, bei denen es vorher schon Schwierigkeiten gab, kann es natürlich vermehrt zu belastenden Situationen kommen und ungute Lösungsmechanismen können sich verschärfen. Es gibt aber einige hilfreiche Tipps, damit der Corona-Virus nicht zur Zerreißprobe für die Beziehung wird. Bei Stress ist das Denken eingeschränkt weil zum Beispiel Adrenalin ausgeschüttet wird. Um dieses abzubauen, sollte man sich ein Ventil schaffen. Das gelingt am Besten durch aktive Bewegung. Und es ist sehr wichtig, sich trotz der Enge zu Hause Zeit für sich alleine und einen Raum zum Zurückziehen zu schaffen. Paare sollten sich daran erinnern, wodurch sie es bisher geschafft haben, schwierige Situationen zu überwinden. Grundsätzlich ist es hilfreich zu wissen, dass Krisen in einer Partnerschaft immer auch eine Chance zur gemeinsamen Weiterentwicklung sind und jeder den Partner noch ein Stück weit besser kennen lernen kann.

Weitere Informationen:
Im kostenlosen Webinar „Zeit miteinander - Zeit füreinander“ am 16. April, 19.30 bis 20.30 Uhr, informiert Heidi Lißner über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Paarbeziehung und wie man diesen begegnen kann. Per E-Mail an mail@heidi-lissner.de erhält man den Zugangslink.

Für Paare, die bereits Probleme haben, sind die mit der Coronakrise verbundenen Auflagen eine besonders harte Belastungsprobe.
Die Paartherapeutin Heid Lißner.
Autor:

Christian Gaier aus Mannheim

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