Kulturparkett Rhein-Neckar sorgt für Teilhabe
Kultur für alle ermöglichen

Anne-Marie Geisthardt ist die Geschäftsführerin des Kulturparketts Rhein-Neckar. | Foto: Christian Gaier
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Von Christian Gaier

Mannheim. „Kultur darf kein Luxus sein. Kultur für alle!“ Diese Forderung hat sich das Kulturparkett Rhein-Neckar auf die Fahnen geschrieben. Mit großem haupt- und ehrenamtlichen Engagement setzt sich der Verein dafür ein, dass jeder Mensch am reichhaltigen Kulturleben in der Rhein-Neckar-Region teilnehmen kann – unabhängig von der Größe des Geldbeutels.

Ein liebevoll dekorierter Tisch und ein daneben stehender Stuhl laden zum Verweilen ein. Auf dem Tisch befinden sich außer einem kleinen Kaktus und einem Ständer mit Visitenkarten Programmhefte und Flyer von verschiedenen Kulturveranstaltungen. Dieser kleine Tisch steht vor dem Büro des Kulturparketts Rhein-Neckar, einem bereits im Februar 2013 gegründeten Verein, der die Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen an Kunst und Kultur fördert. Konkret sieht das so aus, dass das Kulturparkett kostenlose Eintrittskarten von kooperierenden Kultureinrichtungen vermittelt. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation keinen oder nur einen erschwerten Zugang zum kulturellen Leben haben.

Um das Angebot wahrnehmen zu können, braucht man den Kulturpass. Wo man ihn bekommt, regelt jede Kommune selbst: beim Jobcenter, beim Sozialamt, bei den Bürgerdiensten oder in Ludwigshafen im Kulturparkett-Büro in der Stadtbibliothek. Voraussetzung ist der Bezug von Leistungen wie Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld. „Wir haben festgestellt, dass bei Kulturveranstaltungen oft Plätze frei, sind, das ist ja auch schade für Schauspieler, Musiker und Künstler. Auf den anderen Seite gibt es genug Menschen, die sich den Besuch von Kulturveranstaltungen nicht leisten können. Eine Win-Win-Situation herzustellen, war eigentlich naheliegend“, betont Anne-Marie Geisthardt, Geschäftsführerin des in Mannheim ansässigen Vereins.

In den Anfangszeiten versuchte das Kulturparkett noch, die Arbeit ehrenamtlich und mit zwei Mini-Jobs zu bewältigen. „Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass das ein Erfolgsmodell ist und gerade hier in Mannheim eine enorme Nachfrage besteht“, blendet Geisthardt zurück. Ihre Aufgabe besteht darin, kulturelle Einrichtungen und Veranstalter als Kooperationspartner zu gewinnen. „Unter den ersten Partnern waren die Alte Feuerwache und zwei Klassikanbieter. Sehr schnell waren’s dann an die 100 Partner“, erzählt die Geschäftsführerin. Dabei sei von Anfang an klar gewesen, dass dieses Angebot nicht nur auf Mannheim begrenzt sein soll, sondern dass es darum ging, die „Region als interessante Kulturregion zu vernetzen“.

Mittlerweile beteiligen sich Mannheim, Heidelberg, Speyer, Schwetzingen, Oftersheim und Ludwigshafen an den Angeboten des Kulturparketts. Als nächste Gemeinde wird Hirschberg an der Bergstraße einstiegen, eventuell kommt in diesem Jahr auch noch die Stadt Viernheim dazu. Ein Problem seien dabei allerdings die Mobilitätskosten. Nicht alle Veranstalter bieten ein Kombiticket an, mit dem man den Öffentlichen Personennahverkehr auf dem Weg zur Veranstaltung und wieder zurück kostenlos nutzen kann, wie etwa die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen. Wunschvorstellung wäre, dass man mit dem Kulturpass am Tag der Veranstaltung kostenlos fahren kann.

Mittlerweile hat das Kulturparkett mehr als 120 Kulturpartner und rund 5000 Kulturpässe ausgegeben. „Da ist ein riesiges Netzwerk entstanden in den vergangenen Jahren“, sagte Anne-Marie Geisthardt, die sich mit ihrem Team auch in Zusammenarbeit mit der AG Barrierefreiheit einen Leitfaden entwickelte, wie man Kulturstätten barrierefrei gestalten kann. Mit dem Projekt „Außergewöhnliche Begegnungen - Ein Kultur-Tandem-Projekt für Mannheim und die Welt“ realisiert das Kulturparkett mit Unterstützung des Goethe Instituts Mannheim/Zentrum für internationale kulturelle Bildung ein Vermittlungskonzept, das die kulturelle Teilhabe fördert und zum Abbau von Barrieren, Stereotypen und Ressentiments beiträgt. Im Mittelpunkt des „Kultur-Tandems“ stehen die Qualität der Begegnung zwischen zwei Menschen und die positive Erfahrung über Kunst und Kultur. Der gemeinsame Besuch einer Kulturveranstaltung biete einen Rahmen für den respektvollen Austausch zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenserfahrungen, so die Vorstellung des Kulturparketts, der das Verbindende in den Vordergrund stellt. Der gemeinsame Besuch von Kulturveranstaltungen baue zudem ab und fördere gleichzeitig Gemeinsinn, Solidarität und Empathie in unserer Gesellschaft. Das Projekt befindet sich noch in der Pilotphase mit derzeit 20 Testpersonen, soll aber im nächsten Jahr fest ins Programm des Kulturparketts integriert werden. „Es geht auch darum, über Kunst und Kultur neue Begegnungen zu schaffen, die Gesellschaft zu durchmischen und dieses isolierte aneinander Vorbeileben zu überwinden“, erklärt die Geschäftsführerin.

Ein großes Anliegen ist es ihr, das Prozedere so einfach und auch so niederschwellig wie möglich zu gestalten. „Man braucht keine App und bei manchen Veranstaltungen muss man an der Abendkasse nur den Kulturpass zeigen, auch in der Kunsthalle und anderen Museen ist der Eintritt generell frei“, schildert sie. Es sei nicht damit getan, bei Veranstaltern Resttickets zu organisieren, die dann kostenlos weitergegeben werden. „Man muss auch auf die Leute zugehen und auch die erreichen, die man nicht so leicht erreicht. Das klappt am besten im Verbund mit sozialen Einrichtungen oder durch Sprechstunden, auch mobile Sprechstunden. Wir versuchen schon sehr stark, auf die Menschen zuzugehen“, sagt Geisthardt. Für sie ist Mannheim der ideale Standort, um der breiten Bevölkerung Kunst und Kultur zu vermitteln. „Hier gibt es wirklich alles, die Kulturszene ist so vielfältig und reichhaltig, wie die Menschen die hier leben, das macht auch richtig Spaß“, betont die 35-Jährige. Der Aspekt der Teilhabe ist ihr besonders wichtig. „Es ist wichtig, dass jeder die Kultur besucht, die seinem Geschmack entspricht und dabei in einen Austausch mit anderen Menschen kommt und sich als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen kann“, erklärt sie. Sie wird sich weiter dafür einsetzen, dass sich das Netzwerk vergrößert und noch mehr Menschen mit dem Kulturpass unterwegs sind. Auf der Wunschliste stehen auch Kooperationspartner aus dem Sportbereich wie die Adler Mannheim. gai

Weitere Informationen:
www.kulturparkett-rhein-neckar.de

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Autor:

Christian Gaier aus Mannheim

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