Schlagerparade
Schlager ertönen auf der Freilichtbühne Mannheim

Brutto Sozialprodukt -Die Friseusen-Jacob Sisters | Foto: Wolfgang Neuberth
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„Schlager, Stars und Deutsche Welle“ auf der Freilichtbühne Gartenstadt
(BT) Es ist wieder soweit. Auf der Freilichtbühne Mannheim ertönen wieder Schlager, aber nach der Schlagerrevue der 70-er Jahre „Tränen lügen nicht“, aus dem Jahre 2024 befinden wir uns jetzt in den 80-er Jahren, die angestaubte Schlagerluft wird ergänzt bzw. abgelöst durch die grellen neongeschwängerten minimalistischen Syntheziserklängen mit frisch-frechen Texten und schrillen Outfits von neuen Bands und Künstler wie Nena, Spliff, Trio und vielen anderen. Die Sommerspielzeit 2026 der Freilichtbühne hat begonnen. Ein sehr kurzer Regenguss hat es sich anders überlegt und ist kurz vor Premierenbeginn schnell vorbeigezogen. So konnten Dominik Kobel (1.Vorsitzender), Sabine Valentin (künstlerische Leitung), Thomas Nauwartat-Schultze (Geschäftsleitung) die Besucherinnen und Besucher auf der ausverkauften Freilichtbühne in der Mannheimer Gartenstadt herzlich willkommen heißen.
Die uns bereits vertraute Familie Spengler mit Mama Maria (Sabrina Petschi) und Vater Richard (Sven Wilhelmi) laden uns wieder in ihr biederes Wohnzimmer ein, wo die neueste Errungenschaft, ein VHS-Video-Recorder nicht nur Vater Richard in Entzücken versetzt. Tochter Dodo Spengler (Elisabeth Adelmann) hat inzwischen erfolgreich eine Friseurausbildung absolviert und träumt von einem Praktikum als Maskenbildnerin bei der „Schlager-Parade“ in Berlin. Sie ist gerade nicht besonders gut auf ihren Freund Jürgen (Paul Kaufmann) zu sprechen, der sich eher mit seinen Kumpels dem Tuning seines geliebten VW-Golfs widmet als seiner Freundin. Deshalb fällt ihr auch nach einer Zusage von Berlin der Abschied von Heimat und Freund Jürgen nicht besonders schwer, als dieser sich von seinem prolligen Freund Rocky mit Vokuhila-Frisur und angesagter Schimanski-Jacke (Christopher Shackley) zu wenig schmeichelhaften Äußerungen über seine Freundin anstacheln lässt.
In Berlin hingegen wehren sich Immer-noch-Starmoderator der „Starparade“ Peter Helmut Brock (Andreas Burger) und Dauergäste auf den Schlagerbühnen Deutschlands wie „Schlachtross“ Rolli König mit seinen Ewig-Hits wie „Santa-Maria“ oder „Joana“ vehement gegen die in der Musikbranche einziehenden Neuerungen beispielsweise eines Vollplaybacks, jungen Nachfolge-Moderatorinnen wie Inka Schöner (Hannah Fanslau) und frech-frische Interpretinnen wie Tina mit Texten wie „99 Luftballons“ oder Herbert P im Nachthemd mit seinem Hit „Sternenhimmel“. Auch die Skandaljournalistin Julia (Bettina Robl) mit ihrem Fotografen Berger (Michael Knapp) verbreitet zunächst immer noch bewusst skrupellos Halbwahrheiten und falsche Verdächtigungen zur Steigerung der Absatzzahlen ihres Magazins.
Schließlich machen sich der reuige und doch schwer verliebte Jürgen mit Rocky („Verliebte Jungs“ von Purple Schulz) schließlich nach Berlin zu Doro auf, um die entstandenen Missverständnisse aufzuklären und es klären sich letztendlich nicht nur hier die Differenzen.
Wieder werden in dieser Geschichte die verschiedenen Handlungsstränge aus der Heimat und Berlin sowie vor und hinter der „Starparade“-Bühne aus unterschiedlichen Perspektiven auf parallel aufgebauten Nebenschauplätzen erstaunlich geschickt verknüpft. Die Handlung wird von den sehr eingängigen Ohrwürmern getragen, sei es als Unterstreichung des Handlungsablaufes und jeweiligen Gefühlslage der Protagonisten („Da Da Da – ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ oder „Ohne dich… schlaf ich heut nicht ein“) oder aber als Wiedergabe der Auftritte in der „Schlagerparade“ wie die etwas steifen Auftritte von Rolli König, ääähm Roland Kaiser im klassischen Anzug oder Tina, äähhm Nena im engen Lederoutfit. Egal ob Schlager oder Hits der Neuen Deutschen Welle, nach Jahrzehnten verschwimmen die musikalisch verschiedenen eingeschlagenen Wege zu einem nostalgischen Gesamterlebnis. Das Publikum konnte die Schlager der 80er Jahren, die sich mit einem bunten Mix aus Spiel- und Tanzeinlagen abwechselten, allesamt erstaunlich textsicher mitsingen.
Wieder übernahm Claudia Knapp die Rolle als Anheizerin und auch Urgestein Christa Krieger hatte in ihrer kleinen Rolle als Putzfrau die Lacher auf ihrer Seite. Und als Running Gag tauchten erneut die drei Damen der Jakob-Sisters mit ihren weißen (gehäkelten) Pudeln unterm Arm auf und als (Noch-)Zaungäste warteten Dieter Bohlen und Andreas Anders (Daniel Wolf und Reinhard Goebels) auf ihre große Stunde als Modern Talking.
Ein großes Lob an dieser Stelle geht an die 30 genannten und ungenannten Mitwirkenden mit ihrer großen Spielfreude auf der Bühne und den zahlreichen Aktiven wie für Kostüme, Maske, Bühnenbau, Technik hinter den Kulissen, exemplarisch genannt sei hier nur noch die für die Regie Verantwortlichen Michael Knapp, Anja Adelmann und dieses Mal neu auch Dominik Kobel. Last but not least hat Thomas Nauwartat-Schultze als musikalischer Leiter, verstärkt durch Florian Wilhelm ganze Arbeit geleistet bei der Einstudierung der Lieder. Auch ein großes Lob für die Choreo geht an Sabrina Petschi (auf der Bühne als Mama Maria) und Nina Füllhase für diese grandiose Darbietung, die nach zweieinhalb Stunden mit standing ovations, einem von Publikum und Aktiven geschmetterten „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ und jeder Menge Blumensträußen für die Aktiven belohnt wurde.
Das Abendstück kann an allen Samstagen bis Ende Juli besucht werden. Karten gibt es unter tickets@flbmannheim.de, reservix oder telefonisch unter 0621/7628100. Weitere Fragen werden unter www.flbmannheim.de, instagram oder facebook beantwortet. Nach der Vorstellung zeigte sich auch Paul Kaufmann, der den Jürgen spielt, zufrieden mit der gelungenen Premiere: „Die Stimmung auf der Bühne war von Anfang an großartig. Man hat gemerkt, dass das Publikum bereit war, mit uns in die 80er Jahre einzutauchen. Für uns als Ensemble ist es ein wunderschönes Gefühl, wenn die Zuschauer lachen, mitsingen und am Ende sogar aufstehen.
Text: Beate Tilg- Bilder: Wolfgang Neuberth

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Autor:

Wolfgang Neuberth aus Mannheim

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