Zweite Chance Schulabschluss - Wie das andere SchulZimmer Jugendlichen neue Perspektiven gibt
- Die erfolgreichen Absolvent*innen zusammen mit den ehrenamtlichen Lehrkräften.
- Foto: Gerhard Friederici / Das andere SchulZimmer
- hochgeladen von Charlotte Basaric-Steinhübl
Mannheim. 21 Jugendliche haben in diesem Jahr im Mannheimer Projekt „Das andere SchulZimmer“ ihren Haupt- oder Realschulabschluss geschafft. Für viele ein Erfolg, den sie selbst längst nicht mehr für möglich gehalten hatten. Die jungen Menschen, die hier lernen, haben häufig schwierige Erfahrungen im Regelschulsystem gemacht, kämpfen mit psychischen Belastungen, Mobbing-Erfahrungen oder anderen persönlichen Herausforderungen. Das andere SchulZimmer setzt auf individuelle Betreuung, freiwilliges Lernen und einen Blick auf den Menschen hinter den Noten. Seit acht Jahren begleitet das Projekt Jugendliche auf dem Weg zurück in Bildung, Ausbildung und Beruf. Über die Gründe für den Erfolg, die Geschichten hinter den Abschlüssen und die Herausforderungen der Finanzierung sprach das Wochenblatt mit Ute Schnebel, die das andere SchulZimmer mit gegründet hat.
21 Abschlüsse in einem Jahr und 134 in acht Jahren: Was bedeuten diese Zahlen für Sie persönlich?
Ute Schnebel: Jeder einzelne Abschluss ist für mich eine Erfolgsgeschichte. Er zeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen eine echte Chance bekommen und engagierte Lehrkräfte fest an sie glauben. Auf unsere Absolventinnen und Absolventen und auf unser Team bin ich unglaublich stolz.
Gab es in diesem Jahr Geschichten von Jugendlichen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ute Schnebel: Ein Jugendlicher, bei dem lange nicht sicher war, ob er den Abschluss schaffen würde, hat mich besonders bewegt. Er hat nicht aufgegeben und ist in der Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen über sich hinausgewachsen. Schließlich hat er seinen Realschulabschluss geschafft. Zu sehen, wie sehr ihn diese Erfahrung und dieser Erfolg gestärkt haben, war einfach wunderbar.
Warum scheitern die Jugendlichen im Regelschulsystem und im anderen SchulZimmer schaffen sie den Abschluss?
Ute Schnebel: Wir haben ein Konzept entwickelt, das genau auf diese Zielgruppe zugeschnitten ist und das wir kontinuierlich weiterentwickeln. Entscheidend sind die individuelle Begleitung und Beratung – nicht nur beim Lernen, sondern auch mit Blick auf die persönliche Lebenssituation. Die Jugendlichen lernen in ihrem eigenen Tempo und erleben bei uns eine familiäre Atmosphäre, in der sie Vertrauen fassen und wieder an sich glauben können.
Wie groß ist das Problem Schulabsentismus und Schulabbruch aus Ihrer Sicht in Mannheim?
Ute Schnebel: Schulabsentismus und Schulabbruch sind in Mannheim und in Deutschland ein ernstes Problem, das mehr junge Menschen betrifft, als viele vermuten. Umso wichtiger sind verlässliche und passgenaue Angebote, die diese Jugendlichen auffangen, individuell begleiten und ihnen neue Perspektiven eröffnen.
Was ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Schulabschluss: Fachwissen oder Selbstvertrauen?
Ute Schnebel: Selbstvertrauen. Wer wieder an sich glaubt, kann auch fachlich aufholen.
Was passiert nach dem Abschluss? Welche Wege schlagen Ihre Absolventen ein?
Ute Schnebel: Manche machen ein FSJ oder beginnen eine Ausbildung, manche besuchen eine weiterführende Schule, manche machen ein Praktikum und finden darüber den Einstieg ins Berufsleben. Manche möchten erstmal arbeiten und sich etwas Geld verdienen.
Sie weisen darauf hin, dass Ihre Arbeit ohne Spenden nicht möglich ist. Wie angespannt ist die finanzielle Situation derzeit?
Ute Schnebel: Unsere Finanzierung ist ein ständiger Drahtseilakt. Ohne Spenden und ehrenamtliches Engagement gäbe es das andere SchulZimmer in dieser Form nicht. Jede Unterstützung hilft uns, jungen Menschen eine echte zweite Chance auf Bildung und Zukunft zu geben.
Wenn Sie einem Jugendlichen, der die Schule bereits aufgegeben hat, nur einen Satz mitgeben könnten: Welcher wäre das?
Ute Schnebel: Gib dich nicht auf – es gibt immer einen Weg, und wir gehen ihn gern mit dir.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Unterstützen kann man das andere SchulZimmer mit Spenden, außerdem werden weitere ehrenamtliche Lehrkräfte für die Prüfungsvorbereitung gesucht.
Infos & Kontakt:
www.das-andere-schulzimmer.de
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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