Durchseuchung oder Infektionsschutz?
Kinder und das Coronavirus

Bei Schüler*innen immer dabei: die Maske. Allerdings werden aktuell, trotz der  steigenden Infektionszahlen im Kindesalter, die Schutzmaßnahmen an Schulen in Rheinland-Pfalz reduziert.
  • Bei Schüler*innen immer dabei: die Maske. Allerdings werden aktuell, trotz der steigenden Infektionszahlen im Kindesalter, die Schutzmaßnahmen an Schulen in Rheinland-Pfalz reduziert.
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Von Charlotte Basaric-Steinhübl

Ludwigshafen. Seit Beginn der Corona-Pandemie hörte man Sätze wie „Kinder stecken sich nicht an“, „Kinder verbreiten das Virus nicht“ oder auch „Kinder werden nicht krank“. Von alledem weiß man inzwischen, dass es so nicht stimmt. Kinder stecken sich an und sie können auch andere damit anstecken. Und sie können auch krank werden, auch wenn die akute Infektion bei den meisten harmlos verläuft. Wie sieht die Situation an den Schulen in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis aus? Wie steht es um die ärztliche Versorgung, wenn ein Kind ins Krankenhaus muss? Und wie ist der Stand bei den Impfungen für Kinder?

Regelungen für Schulen

Nach den Herbstferien wurden Schüler*innen zweimal in der Woche getestet, seit dieser Woche ist es seitens der Landesregierung nur noch einmal vorgesehen. Die Maskenpflicht im Klassenraum ist abgeschafft, man setzt auf das Lüften im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Tritt eine Infektion mit dem Coronavirus in Schulen auf, hat nur noch die betroffene Person eine Absonderungspflicht. Alle anderen Teilnehmer*innen der Klassen- oder Lerngruppe müssen sich im Regelfall nicht absondern, sondern stattdessen für den Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Schultagen täglich mittels Selbsttest testen sowie eine Maske am Platz tragen. Diese Testpflicht gilt dabei aber nicht für geimpfte und genesene Personen.

Aktuelle Zahlen

Die Inzidenz betrug bei den 5- bis 14-Jährigen am 9. November, also gut zwei Wochen nach Herbstferienende, 607 in Ludwigshafen und 927 im Rhein-Pfalz-Kreis. Dabei gab es in Ludwigshafen 163 infizierte Schüler*innen, 140 im Rhein-Pfalz-Kreis, bei ihnen wurde die Infektion nachgewiesen. In Absonderung waren zu diesem Zeitpunkt 1511 Schüler*innen in Ludwigshafen, 712 im Rhein-Pfalz-Kreis.

Bei besonderen Ausbrüchen, die sich durch eine erhöhte Infektionsgefahr für alle am Ort der positiv getesteten Person Anwesenden auszeichnen, kann das Gesundheitsamt auch strengere Maßnahmen anlegen. Beispielsweise kann von einem besonders relevanten Ausbruchsgeschehen ausgegangen werden, wenn es neben dem Indexfall bei einer weiteren Person zu einer Ansteckung kommt. „Wenn von uns ein besonders relevantes Ausbruchsgeschehen festgestellt wird, müssen sich auch die Personen, die sich für einen nicht unerheblichen Zeitraum in einem Radius von 1,5 Metern von der positiv getesteten Person aufgehalten haben, in Absonderung begeben“, so eine Sprecherin des Gesundheitsamtes Rhein-Pfalz-Kreis. Solche Ausbruchsgeschehen würden zum jetzigen Zeitpunkt auch vorliegen, quantitativ wurden keine Angaben gemacht. Auch ganze Schulklassen in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis befinden sich aktuell in Absonderung, 15 komplette Klassen müssen zuhause bleiben.

Lage bei der gesundheitlichen Versorgung

Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses meldet am 8. November eine volle Bettenbelegung, zwei Intensivbetten sind noch frei. In der größten Kinderklinik in der Pfalz werden aktuell circa 15 RSV-Patienten behandelt. Immer wieder gäbe es auch ein bis drei Behandlungen wegen Covid-19. Die Situation bei den Mitarbeiter*innen sei extrem angespannt. Wenn noch weiteres Pflegepersonal ausfalle, müsse eine Station und damit Betten geschlossen werden, teilte uns der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, PD Dr. med. Ulrich Merz auf Anfrage mit. Gleiches gelte für die Ärzte. Auf die Frage, wie die Ärzteschaft die steigenden Covid-19 Infektionszahlen in der Altersgruppe der Kinder bewerte, wurde aus Zeitmangel auf die offiziellen Statements des RKI verwiesen.

Forderung des RKI

Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts, appellierte bei einer Pressekonferenz am 3. November sehr deutlich „Bitte lasst uns die Kinder schützen“ und verwies auf die bestehenden Leitlinien mit Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen. In diesen werden mehrer Maßnahmen für eine möglichst sichere Schulöffnung gefordert, unter anderem Masketragen, regelmäßiges Testen, Lüften und bei hohen Infektionszahlen auch Maßnahmen zur Reduktion der Schüler*innenzahl wie beispielsweise Wechselunterricht.

Stand bei den Kinder-Impfungen

In Deutschland können Kinder ab 12 Jahren mittlerweile gegen das Coronavirus geimpft werden, nach längerem hin und her gibt es mittlerweile auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Für jüngere Kinder gibt es aktuell noch keinen zugelassenen Impfstoff. In den USA beispielsweise ist dieser bereits zugelassen, in der Europäischen Union wartet man auf die Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Ab der Zulassung durch die EMA können Kinder unter 12 Jahren geimpft werden, auch wenn die Stiko-Empfehlung voraussichtlich wieder eine Weile dauern wird.

Allerdings gibt es auch bereits jetzt die Möglichkeit, Kinder unter 12 Jahren „Off Label“ zu impfen. Dies bedeutet, dass der Arzt nach gründlicher Abwägung entscheidet, ein Medikament oder einen Impfstoff auch ohne Zulassung zu nutzen. Off Label Impfungen sind bei kranken Kindern nicht unüblich - weil viele Medikamente nur für Erwachsene zugelassen sind, dann aber nach Abwägung des Für und Wider durch den Arzt trotzdem für kranke Kinder eingesetzt werden. Dabei setzt sich der Arzt einem Haftungsrisiko aus. Aktuell gibt es aber trotzdem immer mehr Ärzte, die die Vorteile der Corona-Impfung im Gegensatz zur Infektion sehen und Eltern dabei unterstützen, das Kind vor einer Infektion zu schützen. Zahlen werden dazu nicht erhoben, es ist aber davon auszugehen, dass in Deutschland bereits eine vierstellige Zahl an Kindern U12 geimpft ist. Vergangene Woche hatte die Stadt Wien angekündigt, noch vor der offiziellen Zulassung durch die EMA eine Kinderimpfung für Fünf- bis Elfjährige zu organisieren. Mit der geplanten Kinderimpfstraße reagiere Wien auf den „riesigen Nachfragedruck von Eltern“, es solle eine Möglichkeit geschaffen werden, damit es ausreichend Zeit für Aufklärung und Information geben könne.

Unterschätzte Gefahr der Infektion

Kinder und Jugendliche erkranken meist nicht schwer, landen sehr selten im Krankenhaus und ganz wenige, meist vorerkrankte Kinder, sterben. Allerdings weiß man inzwischen, dass ungefähr ein Prozent der erkrankten Kinder hospitalisiert werden. Das Risiko für das PIM-Syndrom, eine Immunerkrankung bei Kindern, die nach der eigentlichen Infektion auftritt, liegt bei circa eins zu 1.000 bis eins zu 5.000. „Long-Covid betrifft Kinder in einem niedrigen einstelligen Prozentsatz. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick nicht viel, aber wenn sich viele Kinder infizieren, wird dieser geringe Prozentsatz trotzdem zu größeren absoluten Zahlen und wir haben in Deutschland etwa neun Millionen Kinder unter zwölf, für die derzeit noch keine Impfung zugelassen ist“, so Dr. med. Jana Schröder, Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital. Dr. Schröder führte weiter aus, dass sie diesen Winter für Ungeimpfte nur zwei Möglichkeiten sehe: die Infektion mit einem unabschätzbaren Risiko, oder die Impfung. bas

Autor:

Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen

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