Drittes Dürrejahr & seine Folgen / Klimawandel
Stadtwald ist in desolatem Zustand

Eindringlich schilderte Karlsruhes Forstamtsleiter Ulrich Kienzler die aktuelle Situation des Karlsruher Stadtwaldes
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  • hochgeladen von Jo Wagner

Karlsruhe. Zu einer Waldexkursion trafen sich kürzlich Karlsruher Stadträte, um sich mit Forstamtsleiter Ulrich Kienzler ein Schadensbild des Stadtwalds im dritten Dürrejahr zu machen.

Gemeinsam beging man den Stadtwald – Distrikt Rissnert – bei Rüppurr. Waldzustand, Waldökologie und die Situation der Verkehrssicherung (herabfallende Äste) standen auf der Agenda. Was der Forstamtsleiter mitteilte, war desillusionierend. „Wir stehen vor einer Katastrophe. Wir haben massive Schäden im Wald. Hinzu kommt die Thematik Verkehrssicherungspflicht“, so Kienzler. Denn man habe rund 110 Kilometer Waldrand an Straßen und Bahnschienen.

„Hier, die Buche, eigentlich ein robuster Baum, aber kaputt. Wir sägen Äste ab, wo wir können, um die Stabilität zu sichern. Aber wir kommen nicht mehr hinterher. Das belastet unsere Mitarbeiter“, führte Kienzler aus. Zu Beginn wies Bürgermeisterin Bettina Lisbach darauf hin, wie wichtig es sei, sich vor Ort anzuschauen, wie der Zustand des Waldes sei. „Wir plagen uns mit dem dritten extremen Trockenjahr herum. Das sind die Folgen“, sagte Lisbach im Kontext des Klimawandels. Ob Bergahorn, Rotbuche, Eiche, Esche („ein Totalausfall“): Das Schadensbild sei immens, bilanzierte Kienzler, der Zahlen sprechen ließ.

Normalerweise stehen zur ökonomischen Nutzung 14.200 Kubikmeter an Festmetern Holzmenge im Stadtwald zur Verfügung. 2018 habe man rund 13.000 m³ verwertet, 2019 9.700 m³, 2020 nur noch 6.300 m³. Schadensbedingt beläuft der Ausfall 2018 (9 Prozent), 2019 (29 Prozent) und aktuell gar 63 Prozent! Rußrindenpilz oder Buchdrucker-Käfer schädigten den Wald massiv.
Kienzler monierte zudem, dass immer nur von „schönem Wetter“ für die Freizeitindustrie die Rede sei – und plädierte beim Waldspaziergang, öfter mal nach oben zu schauen, um die kaputten Baumkronen ins Visier zu nehmen. Man müsse den Wald aus vielen Perspektiven betrachten – von Biodiversität über Freizeitnutzung bis hin zur Ökonomie, so Kienzler.

Auf eine jüngst erfolgte Öko-Pflanzaktion wies Revierförster Bernd Struck hin. „Den Eichen hier müssen wir helfen, ohne Eingriff haben sie keine Chance, sich zu entwickeln. Die Eichen leiden.“ Zudem: Es werde einem Angst und Bange, wie schnell der Heldbock die Bäume besiedele, so der Förster weiter.

Autor:

Jo Wagner

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