Trauer um Peter Weibel
Medienkünstler und Museumschef überraschend verstorben

Foto: ZKM

Karlsruhe. Mit großer Trauer gab das ZKM, das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, bekannt, dass der künstlerisch-wissenschaftliche Vorstand des ZKM, Peter Weibel, nach kurzer schwerer Krankheit, am 1. März im Alter von 78 Jahren in Karlsruhe verstorben ist. Als Künstler, Theoretiker und Kurator prägte der 1944 in Odessa geborene Weibel die Kunstwelt durch seine visionäre Kraft, sein umfassendes Wissen und seinen Mut. Er war Künstler, Ausstellungskurator und Kunst- und Medientheoretiker, der neben seinen zahlreichen Tätigkeiten in Institutionen auch stets Zeit für eine intensive publizistische und kuratorische Tätigkeit fand und sich als streitbarer Intellektueller auch zu politischen Themen äußerte. Bedeutende Stationen seines Schaffens waren unter anderem seine Tätigkeit für die "Ars Electronica" in Linz in den 1980er und 1990er Jahren. Von 1993 bis 1999 kuratierte er den Pavillon des Staates Österreich auf der Biennale von Venedig. Als Nachfolger des Gründungsdirektors Heinrich Klotz leitete der Österreicher seit 1999 das ZKM, das er gerne als „Raumschiff mit unglaublicher Flughöhe“ bezeichnete. Über 24 Jahre lang entwickelte er das ZKM zu einer international renommierten Kunstinstitution mit einem weltweit einzigartigen Profil. Bis zuletzt arbeitete er intensiv an den kommenden Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen des ZKM.

"Peter Weibel hat für den Kunststandort Baden-Württemberg eine Ära geprägt und unser Land als weltweit geschätzter und viel beachteter Botschafter vertreten", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann in einer Trauerbotschaft. "Weibel war im ursprünglichsten Sinne Avantgarde: immer schon da, wo der Rest erst hinwollte. Er hat Kunst als soziale Praxis gelebt und sie immer auch als Absage an die Bestätigung des Bekannten verstanden."

Breites Spektrum künstlerischer Formate
Das Werk von Weibel umfasst ein ungewöhnlich breites Spektrum künstlerischer Formate – von Performance, Film, Expanded Cinema, Klangkunst und Videokunst bis hin zur digitalen Kunst – und ist deutlich von seiner theoretischen Arbeit beeinflusst. Aus seiner Auseinandersetzung mit Sprachphilosophie, Kunst- und Filmgeschichte, Erkenntnistheorie, politischer Philosophie, Automatentheorie, Mathematik und Physik leitet Weibel eine Vielfalt von Inhalten und Formen ab, um die für ihn zentralen Fragen immer wieder neu zu thematisieren: die Frage nach der Konstruktion von Wirklichkeit sowie nach den Bedingungen von Gerechtigkeit für den Einzelnen und die Gesellschaft. Weibel selbst betont, Kunst sei für ihn ein „Akt der Erkenntnis“ – sowohl auf Seiten des Künstlers als auch auf Seiten des Publikums.

Für seine außerordentlichen Verdienste wurde Weibel 2008 der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg verliehen - eine Verleihung des Bundesverdienstkreuzes war im Zuge seiner Verabschiedung Ende März 2023 geplant.

„Mit seinen Ausstellungen im ZKM hat Peter Weibel uns immer wieder vor Augen geführt, wie sich unsere Wahrnehmung der Welt durch die digitale und mediale Transformation wandelt", so Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg: "Seine avancierten Ansätze waren immer herausfordernd, denn in seinen oft brillanten Konzepten war Peter Weibel dem Heute oft voraus. Das weltweite Renommee und die dauernde Weiterentwicklung und Öffnung des ZKM für Themen und gesellschaftliche Fragen sind dieser Haltung und seinem kompromisslosen Einsatz zu verdanken. In diesem Sinn war er in vielen Gremien des Landes und auch mir persönlich ein wichtiger Ratgeber.“

„Karlsruhe verliert mit Professor Peter Weibel einen Pionier und eine herausragende Persönlichkeit", so Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe. "Karlsruhe bleibt weltweit als Ort des ZKM und als UNESCO Stadt der Medienkunst mit seinem Namen verbunden. Sein Tod ist ein schwerer Verlust.“

Traurig: Unlängst hatte das "Wochenblatt" noch mit Professor Weibel über die anstehenden Projekte gesprochen, schließlich war sein großer Abschied als Vorstand des ZKM Karlsruhe für Ende des Monats geplant. Dazu sollte es eine letzte Ausstellung mit einem Event in Karlsruhe geben, doch wenige Tage vor seinem Geburtstag am 5. März kam die traurige Nachricht. Es wäre sein letztes großes Projekt als ZKM-Vorstand gewesen, die Ausstellung „Renaissance 3.0“, die sich mit neuen Allianzen von Kunst und Wissenschaft im 21. Jahrhundert befasst. Dieses wird nun vom ZKM Team in seinem Sinne umgesetzt und Ende März mit einem Veranstaltungswochenende eröffnet.

Ab April 2023 wird der Brite Alistair Hudson die Leitung übernehmen.

Infos: www.zkm.de

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Autor:

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