Was hat eine Straßenküche für Schweine mit der Kartoffel zu tun?
Wenn die Dämpfkolonne durch die Dörfer zog

Links der Grumbeerdämpfer, rechts die Kartoffelwaschmaschine. Beide gehören den Oldtimerfreunden Ottersheim. Das Gerät stammt aus Rheinzabern und wurde vom Verein erworben und restauriert.
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  • Links der Grumbeerdämpfer, rechts die Kartoffelwaschmaschine. Beide gehören den Oldtimerfreunden Ottersheim. Das Gerät stammt aus Rheinzabern und wurde vom Verein erworben und restauriert.
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Kartoffel. Als der Kartoffelanbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Landwirtschaft aufblühen ließ und fett gemästetes Schweinefleisch gutes Geld einbrachte, zogen Dämpfkolonnen von Dorf zu Dorf. Mit einer mobilen Grumbeerdämpfe, ein holzbeheizter fahrbarer Dampfkessel, zogen Menschen von Dorf zu Dorf, um für die Bauern die Futterkartoffeln für die Schweine zu dampfen. Das war aber nicht nur für Landwirte ein Ereignis, sondern auch für Kinder.„Die Grumbeere spielte früher eine wichtige Rolle. Jeder Bauer hat alles angepflanzt“, sagt Walter Frey von den Oldtimerfreunden Ottersheim. Die Oldtimerfreunde, die dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern, haben vor einigen Jahren in Rheinzabern einen alten Grumbeerdämpfer aus dem Jahr 1964 erworben und mühevoll restauriert.Die Montagsschrauber widmen sich gern alten Geräten. Heute kommt das Gerät nur noch bei historischen Vorführungen zur Einsatz. Früher hatte der Grumbeerdämpfer aber eine wichtige Funktion. Der fahrbare Dampfkessel hatte drei mächtige Behälter, die jeweils fünf bis sechs Zentner Dämpfgut fassen konnten. Dazu gehörte auch eine handbediente Kartoffelwaschmaschine. Allerdings gilt es als sicher, dass zumindest in Ottersheim die Kartoffeln lange im Dorfbach gewaschen wurden, ehe eine Kartoffelwaschmaschine zum Einsatz kam.

Kartoffeldämpfer wurden mit Holz oder Kohle eingedampft

Unter Dampfdruck wurden Futterkartoffeln gegart und als Wintersilage, also im Silo, eingestampft und eingesäuert. Der zischende Dampfkessel und das etwa vier Meter hohe rauchende Kaminrohr machten ordentlich Dampf. Er wurde extra so hoch gebaut, damit Passanten unbehelligt blieben. Der Dampf wurde direkt in die Kessel geleitet, die mit Kartoffeln gefüllt waren. Die im Dampf gegarten Kartoffeln kamen schließlich in ein gemauertes Silo, wurden gestampft und dann luftdicht abgedacht. Nach sechs bis acht Wochen ergeben sie eine perfekte Silage. Das Dämpfen macht das Kochen überflüssig und verhinderte den bei der Lagerung unvermeidlichen Verlust durch Fäulnis oder Austrocknung. Außerdem war das Futter gut haltbar. Damit ließen sich die Schweine gut mästen, welche anschließend den Bauern gutes Geld einbrachten.

Früher wurde alles verwertet

Ein alter Zeitungsbericht aus dem Jahr 1960 hängt bei den Oldtimerfreunden aus. Er zeigt, dass die Straßenküche damals mit Lohnarbeitern in Ottersheim betrieben wurde. „Das ist kein Vergleich zu früher. Heute bleiben nicht so gute Kartoffeln einfach auf dem Acker liegen und werden wieder vergraben“, sagt Walter Frey. Früher habe man alles verwertet. Der Grumbeerdämpfer zog aber nicht in jeden Ort. Entscheidend soll gewesen sein, ob es ein geeignetes Silo im Ort gab. „Mancher Bauer hatte auch ein eigener Grumbeerdämpfer“, erinnert sich Margarete Wiedmann, die im Badischen aufgewachsen ist. Dieser war aber in der Regel aus Stein gemauert und erfüllte mehrere Zwecke. Aus ihrer Kindheit kennt sie die Dämpferkolonne auch noch, denn für Kinder war es ein ganz besonderes Ereignis, wenn die Dämpferkolonne kam. Für die Kinder war das Dämpfen eine Abwechslung im täglichen Einerlei. Sie mussten oft Brennmaterial für das Kartoffelfeuer sammeln.
Das Kartoffelfeuer war ein gesellschaftliches Ergebnis. Jeder konnte seine Kartoffeln dort unter einer Ascheschicht garen. Die schwarze Außenhaut wurde danach mit dem Taschenmesser entfernt, bis darunter eine Kartoffel mit brauner Kruste zum Vorschein kam. Diese Kartoffel war bei allen sehr beliebt. Andere Überlieferungen berichten, dass die Schulkinder nach dem Unterricht zum Kartoffeldämpfer liefen. Dort sollen sie die ein oder andere Knolle zugesteckt bekommen haben. jlz

Autor:

Wochenblatt Archiv aus Germersheim

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