Proteste bei Mercedes in Stuttgart: Warum die Auto-Belegschaft aufbegehrt

Protest gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz. (Archivbild) | Foto: Focke Strangmann/dpa
  • Protest gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz. (Archivbild)
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Stuttgart. Für Beschäftigte in der Autoindustrie wächst der Druck auf Jobs, Arbeitszeit und Einkommen. In Stuttgart und anderen deutschen Autostandorten zeigt sich, wie stark die Krise inzwischen in den Belegschaften ankommt.

Jüngst hat Mercedes seinen Sparkurs verschärft. Gleichzeitig droht bei Volkswagen die nächste Zuspitzung. Die IG Metall kündigte einen „heißen Sommer“ an. Noch vor der Tarifrunde im Herbst nehmen damit die Spannungen in der Branche deutlich zu.

Drei Punkte treiben den Unmut

  • Stellenabbau: Volkswagen hat den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen. Weitere Stellen betreffen Töchter wie Audi und Porsche. Nach Angaben aus dem Bericht haben bereits mehr als 37.000 Beschäftigte entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
  • Mehr Arbeit für gleiches Geld: Bei Mercedes hat die Debatte über eine Rückkehr zur 40 Stunden Woche neue Proteste ausgelöst. Chefaufseher Martin Brudermüller hatte diesen Schritt in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ angeregt. Kurz darauf schrieb der Vorstand an die Beschäftigten, die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Als direkter Weg wurde genannt, in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr zu arbeiten.
  • Weniger Geld: Sparprogramme wirken sich inzwischen auch auf Sonderzahlungen und Boni aus. Bei Mercedes wurde eine tarifliche Sonderzahlung verschoben. Mitarbeiterboni fielen zuletzt niedriger aus. Bei Porsche wurden sie nach dem Bericht sogar komplett gestrichen.

Protest in den Werken nimmt zu

Am Freitag, 3. Juli, protestierten nach Angaben der IG Metall bundesweit mehr als 33.000 Mercedes Beschäftigte gegen den Sparkurs. In tarifgebundenen Unternehmen der deutschen Autoindustrie gilt bislang meist die 35 Stunden Woche. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht.

Auch bei Zulieferern werden Einschnitte sichtbar. Beim Stuttgarter Unternehmen Mahle verzichteten nach Angaben aus der Meldung erst in der vergangenen Woche knapp 4.000 Beschäftigte unter anderem auf Tariferhöhungen und Weihnachtsgeld. Im Gegenzug erhielten sie einen Sonderkündigungsschutz bis Ende 2029.

Was jetzt wichtig wird

Die Konflikte treffen vor allem Regionen mit vielen Industriearbeitsplätzen. Im Südwesten richtet sich der Blick besonders auf Stuttgart und das Umland. Dort sitzen große Hersteller, Zulieferer und tausende Beschäftigte. Entscheidend wird nun, wie Unternehmen und Gewerkschaft in den kommenden Wochen aufeinander zugehen. Die Tarifrunde im Herbst dürfte unter schwierigen Vorzeichen starten. dpa/red

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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