Zugvögel im Herbst: Wohin Rotkehlchen, Kranich und Co. ziehen
- Wenn im Herbst viele Vögel am Himmel ziehen, hilft die Einordnung der Arten dabei zu verstehen, warum manche nur bis ans Mittelmeer fliegen und andere bis nach Afrika.
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Zugvögel im Herbst. Wer jetzt V-Formationen oder rufende Trupps am Himmel sieht, kann viele Beobachtungen direkt einordnen, weil je nach Art ganz unterschiedliche Winterquartiere und Zugwege typisch sind.
Am Mittwoch, 8. Oktober, ist am Himmel Hochbetrieb: Vom kleinen Rotkehlchen bis zum großen Rotmilan steuern Zugvögel ihre Wintergebiete an. Die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt dazu, dass sich die Tiere in den Wintermonaten vor allem Regionen suchen, in denen Nahrung verfügbar ist und das Klima milder ausfällt.
Dabei unterscheidet sich der Zug deutlich je nach Art. Gänse ziehen oft tagsüber in geordneten V-Formationen. Andere Arten wie der Kuckuck fliegen eher nachts und allein Richtung Süden.
Welche Arten nur kurz ziehen und welche bis nach Afrika fliegen
Für die Einordnung hilft vor allem der Blick auf die Zugdistanz.
- Kurzstreckenzieher wie Rotkehlchen und Stare überwintern häufig im Mittelmeerraum. Dort finden sie Früchte, Beeren und teils Insekten.
- Kraniche zogen früher oft bis nach Spanien, manche bis nach Afrika. Laut Michael Tetzlaff, Artenschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung, bleiben heute viele Tiere näher, teils sogar in Deutschland, weil sie im Winter auch hier Feldfrüchte und Sämereien finden.
- Störche, die früher recht zuverlässig in Afrika überwinterten, verkürzen teils ebenfalls die Route und bleiben häufiger im Mittelmeerraum. Als Grund nennt die Stiftung unter anderem leicht verfügbare Nahrung auf offenen Müllkippen in Portugal und Spanien, etwa Nahrungsreste, Mäuse, Ratten und Regenwürmer.
- Rotmilane verbrachten den Winter früher oft auf der Iberischen Halbinsel. Inzwischen überwintern mehr Tiere in Mitteleuropa und Südfrankreich.
- Der Waldrapp aus neuen Brutkolonien in Überlingen am Bodensee und im bayerischen Burghausen fliegt über die Alpen in die Toskana. Durch menschengeführte Migration werden inzwischen auch Routen nach Andalusien dokumentiert.
Andere Arten zieht es weiterhin sehr weit nach Süden.
- Der Schreiadler legt auf dem Weg ins südliche Afrika laut Stiftung rund 10.000 Kilometer zurück. Als Thermiksegler ist er auf Aufwinde angewiesen, die es vor allem über Land gibt. Deshalb umfliegt er das Mittelmeer.
- Die Wiesenweihe kann als Schlagflügler direkt über das Mittelmeer fliegen. Ihr Ziel ist die heuschreckenreiche Sahelzone südlich der Sahara.
- Der Mauersegler zieht ebenfalls nach Afrika. Außerhalb der Brutzeit bleibt er demnach bis zu zehn Monate in der Luft, frisst Fluginsekten und kann sogar im Fliegen trinken und schlafen.
- Schwalben ziehen jedes Jahr bis ins westafrikanische Nigeria.
Die lange Reise bringt Risiken mit sich. Die Deutsche Wildtier Stiftung ordnet ein, dass Zugvögel zwar in Deutschland meist streng geschützt sind, außerhalb der Grenzen aber durch legale Jagd und illegale Verfolgung bedroht werden. Als Beispiel nennt die Stiftung zwei Waldrappe, die im vergangenen Oktober in Italien von einem Jäger abgeschossen wurden.
Zum Schutz engagiert sich die Deutsche Wildtier Stiftung auf mehreren Ebenen, unter anderem mit Unterstützung der Kampagne Stop Wildlife Poisoning, mit der Finanzierung von GPS-Sendern zur Dokumentation von Waldrapp-Flugrouten sowie mit Forschungsförderung zu Rastplätzen der Wiesenweihe in Nordafrika und einem Schutzprojekt für die letzten Wiesenweihen in Mecklenburg-Vorpommern.
Unterm Strich wird der „Hochbetrieb“ am Himmel verständlicher, wenn klar ist, dass manche Arten nur bis zum Mittelmeer ziehen, während andere je nach Flugtechnik und Nahrungssuche bis tief nach Afrika wandern.
Autor:Meike Jakob aus Landau |