Zinsen bleiben wohl schwankungsanfällig – so planen Sparer

Zinsentwicklung bei Tagesgeld und Festgeld, inklusive Rechenbeispiel zu 20.000 Euro und möglichen Ertragsunterschieden. | Foto: Liechtensteinische Landesbank AG/ Roland Korner / Close Up AG
  • Zinsentwicklung bei Tagesgeld und Festgeld, inklusive Rechenbeispiel zu 20.000 Euro und möglichen Ertragsunterschieden.
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Zinsen sparen. Wer Geld parkt oder anlegt, sollte eher mit stärkeren Schwankungen rechnen als mit einer schnellen Rückkehr zu dauerhaft sehr niedrigen Zinsen.

Diese Einordnung stammt aus einer aktuellen Einschätzung der Liechtensteinischen Landesbank AG. Für den Alltag heißt das vor allem: Variable Zinsen wie beim Tagesgeld können wieder nachgeben, während fest vereinbarte Zinsen Planungssicherheit bringen, dafür aber binden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Einlagenzins im Juni auf 2,25 Prozent angehoben und im Juli unverändert gelassen. Gleichzeitig erwartet das ifo Institut für Deutschland für 2027 eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Aus Sicht von Bernhard Schmitt, Head of Equity & Multi Manager Management bei der Liechtensteinischen Landesbank und Anlageexperte bei willbe, spricht das eher für ein Zinsumfeld mit mehr Ausschlägen. Kurzfristige Rückgänge seien möglich, langfristig dürften die Zinsen aber eher über dem Niveau der Jahre vor der Inflationswelle liegen.

Warum die Zinsen stärker schwanken könnten

Für dauerhaft sehr hohe Zinsen gibt es laut Einschätzung sowohl stützende als auch dämpfende Faktoren. Als Gründe für anhaltenden Zinsdruck nennt Schmitt vor allem höhere Staatsausgaben, Defizite und zusätzlichen Finanzierungsbedarf über neue Staatsanleihen. Hinzu kämen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sowie geopolitische Risiken und höhere Energie- und Produktionskosten.

Die Europäische Kommission erwartet, dass die deutsche Staatsschuldenquote von 63,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 68,0 Prozent im Jahr 2027 steigt. Höhere Staatsausgaben stützten die Nachfrage und schwächten damit einen Teil der bremsenden Wirkung höherer Leitzinsen ab. Das könne es Notenbanken schwerer machen, die Inflation dauerhaft auf zwei Prozent zurückzuführen.

Gleichzeitig spricht laut Schmitt gegen dauerhaft hohe Zinsen, dass das Wachstum strukturell schwach sei, die Bevölkerung altere und die Produktivitätsdynamik gering bleibe. Wahrscheinlicher als ein stetiger Zinsanstieg sei daher ein Umfeld mit stärkeren Schwankungen, im Durchschnitt aber über dem Niveau der Nullzinsjahre.

Was das für Tagesgeld, Festgeld und Ertrag bedeutet

Für Sparer ist der Unterschied zwischen variabel und fest verzinst unmittelbar spürbar. Tagesgeld bleibt wegen der täglichen Verfügbarkeit typischerweise eine Lösung für die finanzielle Reserve, der Zinssatz ist aber variabel und orientiert sich am Geldmarkt.

Wie stark schon moderate Änderungen wirken können, zeigt eine Modellrechnung aus dem willbe-Beispiel: Bei 20.000 Euro Tagesgeld und einem Zinssatz von 2,15 Prozent entstehen innerhalb eines Jahres 430 Euro Zinsen vor Steuern. Sinkt der Zinssatz auf 1,15 Prozent, reduziert sich der Ertrag auf 230 Euro. Das sind 200 Euro weniger pro Jahr.

Wer in den kommenden Jahren eher sinkende Zinsen erwartet, kann einen Teil des Geldes zu einem festen Zinssatz anlegen. Dabei muss nicht der gesamte Betrag für dieselbe Dauer gebunden werden.

  • Tagesgeld: flexibel verfügbar, Zinsen können sich jederzeit ändern.
  • Festgeld: fester Zinssatz für eine Laufzeit, dafür eingeschränkte Verfügbarkeit.
  • Laufzeiten staffeln: unterschiedliche Laufzeiten können dafür sorgen, dass regelmäßig Geld frei wird und zu dann geltenden Konditionen neu angelegt werden.

Anleihen und Aktien: Mehr Auswahl, aber genauer hinschauen

Mit dem höheren Zinsniveau werden laut Schmitt auch Anleihen wieder interessanter. Sie können einen laufenden Ertrag bieten und im Kurs steigen, wenn Marktzinsen später fallen. Bei Unternehmensanleihen sollte das höhere Risiko im Verhältnis zum zusätzlichen Ertrag geprüft werden.

Aktien bleiben für den langfristigen Vermögensaufbau relevant, müssen sich aber wieder stärker an verzinsten Alternativen messen lassen. Das erhöht den Druck auf hoch bewertete oder stark verschuldete Unternehmen. Höhere Zinsen allein seien jedoch kein Grund für fallende Aktienkurse, solange Umsätze und Gewinne die höheren Finanzierungskosten ausgleichen.

Hintergrund: willbe ist eine Investment-App für Tages- und Festgelder sowie Gold der Liechtensteinischen Landesbank. Weitere Informationen: http://www.willbe-invest.com/de.

Quellen und Hinweise: Europäische Zentralbank, Europäische Kommission, ifo Institut und willbe.
Stand: am Mittwoch, 9. September.
Das Rechenbeispiel ist eine vereinfachte Modellrechnung vor Steuern und unterstellt einen über zwölf Monate unveränderten Zinssatz. Kapitalmarktanlagen sind mit Kurs- und Verlustrisiken verbunden.

Praktische Konsequenz: In einem schwankungsanfälligen Zinsumfeld wird Planbarkeit oft wichtiger als das perfekte Timing.

Autor:

Meike Jakob aus Landau

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