Vitaminpräparate für Schwangere im ÖKO-Test: Nur zwei sind gut
- Die meisten Vitaminpräparate für Schwanger sind laut Öko-Test nicht mal gut.
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Öko-Test. Viele Schwangere greifen zu Vitaminpräparaten, um ihr Kind gut zu versorgen. Der aktuelle Test zeigt aber: Von 19 geprüften Produkten sind nur zwei mit „gut“ empfehlenswert, mehr als die Hälfte fällt mit „ungenügend“ durch.
Im Mittelpunkt standen frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel für Schwangerschaft, teils auch für Kinderwunsch und Stillzeit. Das zentrale Problem: Viele Präparate enthalten deutlich mehr als die in der Schwangerschaft grundsätzlich empfohlenen Nährstoffe Folsäure und Jod.
Folsäure und Jod gelten in der Schwangerschaft als wichtige Basics. Für viele weitere Vitamine und Mineralstoffe gilt dagegen: Sie sollten nur bei ärztlich festgestelltem Mangel oder in besonderen Situationen ergänzt werden.
Nur zwei Präparate schneiden gut ab
Unter den 19 getesteten Vitaminpräparaten für Schwangere kommen nur zwei Produkte auf das Gesamturteil „gut“. Beide gehören zudem zu den günstigeren Angeboten im Test.
- Avitale Folsäure 800 Plus, Tabletten – Note „gut“
- Folio 1 basic, Mini-Tabletten – Note „gut“
- Mivolis Mama & Baby 1, Tabletten – Note „ungenügend“
- Doppelherz System Schwangere + Mütter Vegan, Tabletten/Kapseln – Note „ungenügend“
Auffällig ist damit vor allem die schwache Gesamtbilanz. Mehr als die Hälfte der Produkte erhält ein „ungenügend“, weil Dosierungen, Zusatzstoffe oder Kennzeichnung aus Sicht des Tests nicht überzeugen.
Zu viele Nährstoffe, oft zu hoch dosiert
Kritisch bewertet wurden vor allem Präparate, die weit über Folsäure und Jod hinausgehen. Teilweise waren bis zu sechs Nährstoffe pro Produkt überdosiert.
Besonders häufig betroffen war Vitamin B6. In 14 Produkten lag die deklarierte Menge über der aktuellen Höchstmengenempfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Eine dauerhaft zu hohe Zufuhr steht nach neueren Erkenntnissen mit Nervenschädigungen in Verbindung.
Auch Eisen war oft ein Problem. Mehr als die Hälfte der Produkte überschritt die empfohlene Höchstmenge, obwohl Eisen in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache ergänzt werden sollte.
Abweichungen bei Folsäure und Jod
Neben der Dosierung insgesamt prüfte der Test auch, ob die tatsächlich gemessenen Gehalte zu den Angaben auf der Packung passen. Dabei fielen deutliche Abweichungen auf.
Bei Doppelherz System Schwangere + Mütter Vegan lag der gemessene Jodgehalt deutlich über dem deklarierten Wert. Bei Naturtreu Kugelzeit Schwangerschaftskomplex und Velnatal 2 Schwangerschaft + Stillzeit wurde dagegen deutlich weniger Folsäure gemessen als angegeben.
Für Schwangere ist das relevant, weil gerade Folsäure und Jod gezielt und verlässlich dosiert sein sollten. Folsäure hilft besonders in der frühen Schwangerschaft, das Risiko für Neuralrohrdefekte zu senken, Jod ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion und die Versorgung des ungeborenen Kindes.
Umstrittene Hilfsstoffe und fehlende Hinweise
Nicht nur die Nährstoffmengen sorgten für Kritik. In sechs Produkten steckte Talkum, das aus Sicht des Tests schnell aus Rezepturen verschwinden sollte. Ebenfalls abgewertet wurden unter anderem Carrageen, Carboxymethylcellulose, bestimmte Phosphate und ein Süßstoff.
Hinzu kamen Mängel bei Hinweisen auf der Verpackung. Bei vielen Präparaten fehlten wichtige Informationen, etwa zu Eisen, Biotin, Vitamin K oder Zink. Teilweise wurden außerdem Gesundheitsversprechen verwendet, die nicht dem zugelassenen Wortlaut entsprachen.
Wer sich genauer über getestete Produkte informieren will, findet weitere Informationen bei ÖKO-TEST .
Was Schwangere daraus mitnehmen können
Der Test spricht für einen zurückhaltenden Umgang mit Vitaminpräparaten in der Schwangerschaft. Folsäure und Jod sind die entscheidenden Standardergänzungen, alles Weitere sollte im Zweifel ärztlich abgeklärt werden.
Wichtig ist außerdem der Blick auf die Dosierung und auf Hinweise zur Anwendung. Gerade bei Eisen oder bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen ist eine individuelle Beratung sinnvoll.
FAQ zu Vitaminpräparaten in der Schwangerschaft
Welche Nährstoffe gelten in der Schwangerschaft grundsätzlich als wichtig?
Folsäure und Jod gelten als die zentralen Ergänzungen. Für weitere Nährstoffe kann ärztlicher Rat sinnvoll sein, etwa bei diagnostiziertem Mangel oder veganer Ernährung.
Warum wurden viele Präparate abgewertet?
Häufig wegen überhöhter Dosierungen, zusätzlicher umstrittener Hilfsstoffe oder fehlender wichtiger Hinweise auf der Verpackung. Auch Abweichungen zwischen gemessenem und deklariertem Gehalt spielten eine Rolle.
Ist mehr Vitaminzufuhr automatisch besser?
Nein. Der Test zeigt, dass viele Produkte über den Bedarf hinausgehen. Gerade in der Schwangerschaft ist eine gezielte und passende Dosierung wichtiger als möglichst viele Zusatzstoffe.
Eingekauft wurden die Testprodukte im Februar und März 2026.
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |
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