Umstrittener Abschuss in Trier: So kämpft Rheinland-Pfalz gegen die Nilgans-Invasion
- Laut EU-Verordnung gilt die Nilgans seit 2017 als invasive gebietsfremde Art. (Archivbild)
- Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Rheinland Pfalz. Wer an Badeseen und auf Uferwiesen entspannen will, trifft in vielen Städten auf ein wachsendes Problem mit Nilgänsen und viel Tierkot. In Trier geht die Stadt nun einen besonders umstrittenen Weg und lässt unter engen Vorgaben auf die Tiere schießen.
Nilgänse zählen an Flüssen, Seen und in Parks zu den auffälligsten eingewanderten Vogelarten. Nach EU-Recht gelten sie als invasive gebietsfremde Art. In Rheinland-Pfalz klagen Kommunen vor allem über Verschmutzungen auf Liegewiesen und an Gewässern. Dazu kommt aus Sicht der Behörden, dass die Tiere während der Fortpflanzungszeit sehr territorial sind und heimische Wasservögel verdrängen können.
Was in Trier jetzt erlaubt ist
Die Obere Jagdbehörde hat die Schonzeiten für Nilgänse in Trier aufgehoben. Eine allgemeine Schießerlaubnis im Stadtgebiet ist das aber nicht. Nach Angaben des Landes darf nur in nicht befriedeten Bezirken wie Feldern und Wäldern gejagt werden. Innerorts ist die Jagd weiter verboten.
Schießen dürfen ausschließlich die zuständigen Jagdpächter. Elterntiere und Küken sind ausgenommen. Gejagt werden dürfen nur juvenile Tiere sowie erwachsene Tiere, die aktuell keine Jungen aufziehen. Die Stadt verweist darauf, dass zuvor andere Mittel ausprobiert wurden. Genannt werden akustische Vergrämung, Greifvogelattrappen und Vogelscheuchen. Eine dauerhafte Wirkung habe das nicht gebracht.
Wie andere Städte in Rheinland Pfalz vorgehen
In Ludwigshafen wächst die Nilgans-Population nach Angaben der Stadt besonders an Badegewässern. Die Verwaltung setzt dort bislang auf Vergrämung, auf Hunde und auf ein konsequentes Fütterungsverbot. Zusätzlich gibt es einen „Runden Tisch Wildgänse“ mit Verwaltung, Jagd, Landwirtschaft und Naturschutz.
In Kaiserslautern sind Nilgänse an den Siegelbacher Teichen verbreitet. Aktuell sind dort laut Ordnungsamt jedoch keine Probleme bekannt. Mainz sieht ebenfalls keinen akuten Handlungsbedarf. Die Stadt verweist auf Abstand und Respekt im Umgang mit den Tieren.
In Koblenz ist die Lage angespannter. Dort meldet die Stadt Verschmutzungen auf wassernahen Grünflächen im gesamten Stadtgebiet. Versucht wurden unter anderem Flugdrachen mit Vogelsilhouetten, Drohnenflüge und Raubvogelschreie. Ein Konzept für den tiergerechten Umgang mit Nil und Kanadagänsen soll im Umweltausschuss beraten werden.
Was Naturschützer empfehlen
Der Nabu Rheinland-Pfalz lehnt die Bejagung während der Schonzeit ab. Aus Sicht des Verbands ist eine Jagd zur Bestandsreduktion meist nicht sinnvoll, weil sie die weitere Entwicklung der Population kaum beeinflusse. Stattdessen nennt der Nabu mehrere Alternativen:
- Fütterungsverbote konsequent durchsetzen
- Ausweichflächen für Gänse schaffen
- Teile von Liegewiesen höher wachsen lassen
- Barrieren an sensiblen Bereichen aufstellen
Der Hintergrund ist praktisch: Kurz gemähte Rasenflächen sind für Nilgänse besonders attraktiv. Wer Tiere füttert, kann das Problem zusätzlich verschärfen.
Wie die Art in Rheinland Pfalz eingeschätzt wird
Nach Einschätzung des Nabu ist die Nilgans in weiten Teilen des Landes fest etabliert, vor allem entlang von Rhein und Mosel sowie an größeren Stillgewässern. Klare Hinweise auf eine tatsächliche Schädlichkeit für die biologische Vielfalt sieht der Verband derzeit nicht. Auch Tierschützer kritisieren den Abschuss. Peta verweist darauf, dass sich Kot mit speziellen Kehrmaschinen entfernen lasse und fordert mehr Toleranz gegenüber wildlebenden Tieren. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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