Sicher reisen: So sinkt das Betrugsrisiko im Urlaub deutlich
- Unterwegs in Hotel- oder Café-WLANs steigt das Risiko für Phishing und Konto-Missbrauch. Ein paar einfache Routinen helfen, Daten und Zahlungen auf Reisen besser zu schützen.
- Foto: Ricardo/stock.adobe.com
- hochgeladen von Thorsten Kornmann
Cybersicherheit auf Reisen. Mit ein paar festen Gewohnheiten lassen sich im Urlaub typische Betrugsmaschen wie Phishing, Fake-WLAN und Konto-Übernahmen oft vermeiden, ohne dass die Reise komplizierter wird. Gerade unterwegs passiert vieles nebenbei. Schnell im Hotel-WLAN einchecken, eine Buchung per Mail bestätigen oder in der Ferienwohnung die Banking-App öffnen. Genau diese Mischung aus Zeitdruck und neuen Netzen nutzen Betrüger häufig aus. Der Sicherheitsanbieter KnowBe4 ordnet das ähnlich ein. Dr. Martin J. Krämer, CISO-Advisor bei KnowBe4, weist darauf hin, dass Cyberkriminelle auch auf Reisen „näher sind, als wir denken“ und dass konsequente Cybersicherheit helfen kann, Betrug und Cyberangriffe zu verhindern.
Die wichtigsten Reisefallen und was im Alltag hilft
- Öffentliches WLAN. In Cafés, Flughäfen oder Hotels sind freie Netze praktisch. Ein Risiko entsteht vor allem dann, wenn Logins oder Zahlungen darüber laufen. Alltagsregel: Für Bank- und Bezahldienste eher mobile Daten nutzen oder ein VPN verwenden. Bei WLAN-Namen auf Tippfehler achten, weil Betrüger häufig Netze mit ähnlich klingenden Bezeichnungen anlegen.
- Phishing per E-Mail und SMS. Typisch sind Nachrichten zu „Buchungsproblemen“, „Zollgebühren“ oder angeblich offenen Rechnungen, oft mit Link. Praktischer Check: Links nicht aus der Nachricht öffnen, sondern Anbieter über die offizielle App oder die selbst eingegebene Webadresse aufrufen. Bei Druckformulierungen wie „sofort“ oder „letzte Chance“ besonders skeptisch bleiben.
- QR-Codes und Kurzlinks. Auf Reiseplakaten, in Restaurants oder an Parkautomaten führen QR-Codes direkt zu Webseiten. Das Problem: Das Ziel ist vorher nicht sichtbar. Sinnvoll ist es, nach dem Scannen die Webadresse kurz zu prüfen, bevor Daten eingegeben oder Zahlungen gestartet werden.
- Diebstahl und neugierige Blicke. In vollen Zügen oder am Pool wird schnell über die Schulter mitgelesen. Ein Sichtschutz am Smartphone und das Deaktivieren von Vorschauen auf dem Sperrbildschirm reduzieren das Risiko, dass Einmalcodes oder Kontodaten „mitgelesen“ werden.
- Unsichere Geräte-Einstellungen. Bluetooth, AirDrop oder Freigaben bleiben unterwegs oft aktiv. Praktisch ist ein kurzer „Abreise-Check“, bei dem unnötige Funkverbindungen ausgeschaltet und automatische WLAN-Verbindungen deaktiviert werden.
Kleine Sicherheitsroutine vor Abreise
- Updates einspielen. Betriebssystem und Apps auf den aktuellen Stand bringen, weil viele Angriffe bekannte Sicherheitslücken ausnutzen.
- Mehr-Faktor-Authentifizierung aktivieren. Wo möglich, schützt ein zweiter Faktor gegen Kontoübernahmen. Besonders relevant für E-Mail-Konten, weil darüber oft Passwort-Resets laufen.
- Gerätesperre und Ortungsfunktionen prüfen. PIN oder biometrische Sperre aktivieren und „Gerät finden“ einschalten. So lässt sich ein verlorenes Smartphone eher sperren oder löschen.
- Backups. Ein aktuelles Backup verhindert, dass bei Verlust zumindest Fotos, Kontakte und Reisedokumente weg sind.
Wenn doch etwas passiert: schnelle Schritte
- Karten und Zugänge sperren. Bei Verdacht auf Betrug oder bei Geräteverlust Karten sperren und Passwörter ändern, beginnend mit dem E-Mail-Konto.
- Buchungen prüfen. Konten und Kreditkartenumsätze zeitnah kontrollieren, weil unbemerkte Kleinbeträge oft ein Testlauf sind.
- Nachrichten als Beleg sichern. Phishing-Mails oder SMS nicht weiterklicken, aber für eine spätere Anzeige oder Reklamation dokumentieren.
KnowBe4 verweist zusätzlich auf ein kostenloses „Cyber Awareness Program for You (CAPY)“, das typische Maschen erklärt und Übungen anbietet. Der Link lautet: https://www.knowbe4.com/free-cybersecurity-tools/capy.
Unterm Strich senken konsequente Basics wie Updates, Mehr-Faktor-Login und vorsichtiger Umgang mit Links und WLAN das Alltagsrisiko auf Reisen deutlich.
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |