Schulstress senken: So finden Kinder nach Ferien zurück
- Lustlos heißt nicht faul. Viele brauchen nach mehreren Ferienwochen Zeit zum Reinkommen – Erfolgserlebnisse bauen Selbstvertrauen auf.
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Schulstress senken. Mit kleinen, erreichbaren Schritten fällt Kindern der Start nach den Ferien oft leichter, weil Motivation und Selbstvertrauen nicht durch zusätzlichen Druck, sondern durch schnelle Erfolgserlebnisse wachsen.
Nach sechs Wochen Ferien wirkt der neue Stundenplan für viele Schüler erst einmal wie ein harter Wechsel. Wenn Kinder blockiert, überfordert oder lustlos erscheinen, ordnet Bildungsexpertin Ulrike Lichtinger Vorwürfe und Vergleiche als wenig hilfreich ein. "Vorwürfe, Vergleiche oder Sätze wie "Reiß dich zusammen" helfen meist nicht weiter, weil sie Scham und Widerstand verstärken können", sagt die Professorin für Sozialwissenschaften von der "IU Internationalen Hochschule".
Für den Einstieg in den Schulalltag kommt es nach ihrer Einschätzung darauf an, die Hürde niedrig zu halten. "Motivation und Selbstvertrauen wachsen dabei am besten, wenn der Einstieg nicht zu groß und nicht zu anspruchsvoll ist", sagt Lichtinger, die zu "Positiver Bildung" forscht. Entscheidend seien kleine Erfolge, die Kindern zeigen, dass sie wieder Anschluss finden können.
Kleine Erfolgserlebnisse helfen beim Neustart
Statt den gesamten Stoff aus dem Vorjahr aufzuarbeiten, kann es helfen, nur zwei oder drei Aufgaben auszuwählen, die schon einmal geklappt haben. Gerade bei Unsicherheit in Fächern wie Mathematik wirkt ein kleiner Einstieg oft überschaubarer als ein großer Lernplan. Wenn eine Aufgabe gelingt, entsteht leichter das Gefühl, doch nicht bei null anzufangen.
Auch im Alltag setzt Lichtinger auf Mini-Ziele. Am Abend kann etwa vereinbart werden, dass sich ein Kind am nächsten Tag einmal im Unterricht meldet, eine besprochene Aufgabe allein beendet oder auf dem Schulhof jemanden anspricht. Wichtig ist danach eine konkrete Rückmeldung zum Fortschritt. Beispiele dafür sind Sätze wie: "Du hast heute angefangen, obwohl du keine Lust hattest." Oder: "Du bist bei der Aufgabe geblieben, obwohl das sehr schwierig war."
Ein sichtbarer Überblick über Fortschritte kann diesen Effekt verstärken. Lichtinger empfiehlt ein Fortschritts-Board auf einem Blatt im Format A3, auf dem das Schuljahr als Berg eingezeichnet wird. Der Gipfel steht für das Schuljahresende, Post-its markieren erledigte Schritte. So bleibt nicht nur die misslungene Klassenarbeit in Erinnerung, sondern auch das, was zwischendurch gelungen ist.
Vor Klassenarbeiten und Hausaufgaben zählt der erste Schritt
Vor einer Klassenarbeit kann nach Lichtingers Einschätzung eine kurze 3-2-1-Übung helfen. Dafür werden fünf Minuten eingeplant, in denen das Heft zur Seite gelegt wird. Anschließend notiert das Kind drei Dinge, die es noch weiß, zwei Punkte, bei denen es unsicher ist, und eine Sache, die es noch nicht verstanden hat. Das kann den Blick weg vom Gefühl der kompletten Überforderung hin zu einem konkreten Lernstand lenken.
Bei Hausaufgaben rät die Expertin ebenfalls zu kleinen Einheiten. Wenn der Stapel zu groß wirkt, kann zunächst nur eine erste Aufgabe bearbeitet, ein Schlüsselwort markiert oder bei einer Schreibaufgabe nur die Überschrift oder drei Stichworte notiert werden.
- Erst zwei oder drei bekannte Aufgaben auswählen.
- Mini-Ziele für den nächsten Schultag festlegen.
- Fortschritte sichtbar auf einem Board sammeln.
- Vor Klassenarbeiten die 3-2-1-Methode nutzen.
- Bei Hausaufgaben nur mit dem ersten kleinen Schritt beginnen.
Wichtig bleibt dabei, dass Eltern die Aufgaben nicht selbst übernehmen, sondern nur den Einstieg erleichtern. So entsteht eher das Erfolgserlebnis, das Kindern nach den Ferien wieder Sicherheit im Schulalltag geben kann. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |