Schadstoffe im Neuwagen: Was der ADAC beim „Neuwagengeruch“ rät
- Schadstoffe und TVOC-Werte in Neuwagen-Innenräumen, Einfluss von Hitze und Lüftung.
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Schadstoffe im Neuwagen. Wer den typischen Neuwagengeruch als unangenehm empfindet, kann die Belastung im Innenraum oft schon durch Lüften und das Einschalten der Lüftung deutlich senken.
Der ADAC hat gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik untersucht, welche Schadstoffkonzentrationen in der Innenraumluft von jungen Fahrzeugen messbar sind und wie stark Gerüche subjektiv wahrgenommen werden. Hintergrund ist, dass Kunststoffe und Kleber nach der Produktion sogenannte flüchtige Stoffe abgeben, die in der Luft landen können.
Für die Messungen standen fünf Fahrzeuge in einer klimatisierten Messkammer. Untersucht wurden ein Hyundai Kona Hybrid mit 216 Tagen, ein Dacia Spring mit 92 Tagen, ein BYD Seal 6 Touring mit 116 Tagen sowie zwei VW Golf eTSI mit 39 und 200 Tagen Fahrzeugalter. Neben einzelnen Stoffen ist der Summenwert der Kohlenwasserstoffverbindungen, kurz TVOC, ein zentraler Indikator für die Innenraumluftqualität. Unter TVOC fallen auch potenziell gesundheitlich relevante Chemikalien wie Formaldehyd, Benzol oder Xylole.
Was die Messungen für den Alltag im Auto bedeuten
Die Ergebnisse zeigen vor allem einen praktischen Zusammenhang. Je jünger das Auto, desto höher fallen im Schnitt die gemessenen Konzentrationen aus. Beim rund einen Monat alten VW Golf lag die Konzentration aller Kohlenwasserstoffe in der Luft mehr als fünf Mal so hoch wie beim 200 Tage alten Fahrzeug. Auch beim BYD Seal ergaben die Messungen einen vergleichsweise hohen Wert.
Gleichzeitig ordnet der ADAC die Werte ein. Alle untersuchten Autos lagen beim TVOC-Wert über dem Referenzwert des Umweltbundesamts, erreichten in der Untersuchung aber keine gefährliche Konzentration. Gesetzlich verpflichtende Grenzwerte gibt es bislang nur für Formaldehyd und auch diese gelten nach Angaben des ADAC erst ab 2027.
Wichtig für typische Sommersituationen ist der Temperatureffekt. Im Umgebungsmodus bei 23 Grad lagen alle Fahrzeuge unter dem künftigen Formaldehyd-Grenzwert. Wurden die Autos künstlich erhitzt, so als würden sie in der Sonne stehen, stiegen die Messwerte jedoch an. In allen Fällen senkte das Einschalten der Lüftung die Werte deutlich.
Praktische Konsequenzen aus der Untersuchung lassen sich so zusammenfassen:
- Bei starkem Neuwagengeruch kann Durchlüften vor Fahrtantritt die Schadstoffkonzentration spürbar reduzieren.
- Pralle Sonne kann die Emissionen erhöhen, Lüftung senkt die Messwerte in den Tests deutlich.
- Ein untypisch starker Geruch, der auch nach mehreren Wochen bleibt, kann als Mangel schriftlich beim Händler reklamiert werden.
- Das exakte Fahrzeugalter steht laut ADAC im COC-Papier, dort ist das Datum der Endabnahme in der Fabrik vermerkt. Im Fahrzeugschein findet sich meist nur die Erstzulassung, die je nach Lagerdauer um Monate abweichen kann.
Für die Einordnung der Messwerte verweist die Studie auf Empfehlungen des Ausschusses für Innenraumrichtwerte, der beim Umweltbundesamt angesiedelt ist und Vorsorgewerte sowie Gefahrenwerte unterscheidet. Unterm Strich bleibt als Alltagserkenntnis: In sehr jungen Autos können Messwerte deutlich höher liegen, und Hitze verstärkt das, während Lüften und Lüftung im Test klar entlasten.
Autor:Meike Jakob aus Landau |