Mehr Schulungen im Ahrtal: Landräte üben Krisenmanagement

Die Flutkatastrophe hinterließ eine Schneise der Verwüstung. (Archivfoto) | Foto: Boris Roessler/dpa
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Für Städte und Kreise kann bessere Vorbereitung im Ernstfall über schnellere Hilfe und klarere Entscheidungen vor Ort mitentscheiden. In Bad Neuenahr-Ahrweiler steigt deshalb das Interesse an Schulungen für Krisenmanagement und Katastrophenschutz deutlich.

Nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nahmen im vergangenen Jahr 3.656 Führungskräfte aus Bund, Ländern und Kommunen an Kursen der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung teil. Im Jahr davor waren es 2.329, im Jahr 2022 noch 1.845.

Ahrtal-Flut als wichtiger Bezugspunkt

Beobachter sehen in der Flutkatastrophe im Ahrtal vom 15. Juli einen möglichen Grund für das gewachsene Interesse. Damals starben 135 Menschen, mehrere hundert wurden verletzt. Im Mittelpunkt der Kritik standen das Krisenmanagement des Landkreises Ahrweiler und das Handeln der damaligen politischen Verantwortungsträger.

Die Akademie liegt selbst mitten im Ahrtal. Wegen ihrer erhöhten Lage blieb sie von der Flutwelle weitgehend verschont. Ein regulärer Betrieb war nach der Katastrophe im zerstörten Umfeld aber zunächst nicht möglich. Die Einrichtung stellte ihre Räume direkt nach der Flut zudem der Technischen Einsatzleitung des Kreises Ahrweiler zur Verfügung.

Teilnahme bisher freiwillig

In Deutschland sind die Länder für den Katastrophenschutz zuständig. Akute Lagen werden vor allem von Ländern und Kommunen bewältigt. Der Bund kann unterstützen, etwa mit Bundespolizei oder Bundeswehr. Für den Schutz der Bevölkerung im Spannungs- und Verteidigungsfall ist dagegen der Bund verantwortlich.

Die Teilnahme an den Kursen der Akademie ist für Landräte, Oberbürgermeister und weitere Verantwortliche bisher freiwillig. Vermittelt werden unter anderem Grundlagen zu Trinkwassernotversorgung, Katastrophenmedizin und behördlichem Krisenmanagement.

Mehr Seminare bis 2029 geplant

Die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern legte im Juni fest, welche Verantwortlichen im behördlichen Krisenmanagement geschult werden sollen. Dazu gehören auch Themen der Zivilen Verteidigung und des Zivilschutzes. Laut Bundesregierung sollen die nötigen Aus- und Fortbildungsplätze von Bund und Ländern gesichert werden.

An der Akademie ist deshalb eine deutliche Ausweitung geplant. Statt bisher rund 170 Seminaren pro Jahr sollen bis 2029 etwa 700 Seminare angeboten werden. Auch das THW soll seine Lehrgangskapazitäten ausbauen.

Grüne fordern Pflicht für Verantwortliche

Die Grünen plädieren dafür, den Zivil- und Katastrophenschutz per Gesetzesänderung zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zu machen. Aus Sicht der Fraktion könnte der Bund schon jetzt über seine Zuständigkeit im Zivilschutz eine Pflichtausbildung für Landräte und Oberbürgermeister vorschreiben.

Der Grünen-Abgeordnete Leon Eckert sagte, gute Krisenbewältigung finde vor Ort statt. Deshalb müssten Verantwortliche in Landratsämtern und Rathäusern wissen, was sie im Ernstfall tun.

Einheitliche Standards für den Ernstfall

Die Bundesregierung verweist darauf, dass für den Bereich Zivilschutz bundesweit einheitliche Standards für Oberbürgermeister, Landräte sowie Mitglieder von Verwaltungs- und Krisenstäben verpflichtend definiert worden seien. Mindestens alle sechs Jahre sollten diese Gruppen Schulungen im behördlichen Krisenmanagement absolvieren. Auch wenn der Bund beim Katastrophenschutz keine direkte Zuständigkeit hat, dürften diese Kenntnisse im Ernstfall auch vor Ort nützlich sein. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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