Magnesium einnehmen: Wann es hilft und wann Nebenwirkungen drohen

Viele Menschen nehmen regelmäßig Magnesium, dabei ist das gar nicht notwendig | Foto: prostock-studio/stock.adobe.com
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Magnesium einnehmen sinnvoll? Wadenkrampf mitten in der Nacht, plötzliche Müdigkeit, Muskelzucken nach dem Sport – und sofort greifen viele zu Magnesium. Doch Vorsicht: Das beliebte Mineral kann ein echter Helfer sein, aber auch zur unterschätzten Nebenwirkungsfalle werden, wenn man es falsch oder ohne echten Bedarf einnimmt.

Magnesium hat längst Kultstatus: Für die einen ist es der Retter bei Krämpfen, für die anderen das schnelle Mittel gegen Erschöpfung und Stress. Tatsächlich ist Magnesium lebenswichtig, denn es spielt eine zentrale Rolle für Muskeln, Nerven, Herzrhythmus und den Energiestoffwechsel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mitteilt. Aber genau hier liegt der Haken: Nicht jeder schmerzende Muskel schreit automatisch nach Magnesium – und nicht jede Tablette ist eine gute Idee. Wer nur auf Werbung hört, tappt schnell in die Gesundheitsfalle.

Woran erkennt man, dass der Körper Magnesium benötigt?

Ein möglicher Magnesiummangel kann sich auf ziemlich unangenehme Weise bemerkbar machen. Die DGE informiert, dass zu den Warnzeichen unter anderem Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und allgemeine Schwäche gehören. Später können Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskelkrämpfe, plötzliche Verhaltensänderungen oder sogar Herzrhythmusstörungen dazukommen. Auch Schlafstörungen und muskuläre Krampfneigung werden immer wieder mit einem Mangel in Verbindung gebracht.

Aber hier kommt die bittere Wahrheit: Diese Symptome sind tückisch unspezifisch. Wie die Verbraucherzentrale berichtet, kann Müdigkeit von Stress kommen, Krämpfe von Flüssigkeitsmangel, Überlastung, falschen Schuhen oder anderen Störungen im Elektrolythaushalt. Die Verbraucherzentrale weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass nächtliche Wadenkrämpfe in der Regel nicht durch Magnesiummangel ausgelöst werden. 
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Wann sollte man am besten Magnesium nehmen?

Viele stellen sich die große Gesundheitsfrage: morgens, mittags oder abends? Die ehrliche Antwort lautet: Den einen magischen Einnahmezeitpunkt gibt es nicht. Viel wichtiger ist, Magnesium – wenn es überhaupt sinnvoll ist – so einzunehmen, dass es gut vertragen wird. Fachlich empfohlen wird vor allem, die Tagesmenge eher auf zwei oder mehr Portionen zu verteilen, statt alles auf einmal zu schlucken, empfehlen DGE und Verbraucherzentrale. 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt bei Nahrungsergänzungsmitteln maximal 250 Milligramm pro Tag, möglichst über den Tag verteilt, da Magnesium im Darm schnell unangenehm werden kann. Schon ab etwa 300 Milligramm zusätzlich pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln drohen bei Erwachsenen Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden. Sollte man einen empfindlichen Magen haben, lohnt es sich, Magnesium zum Essen einzunehmen.

Was passiert, wenn man jeden Tag Magnesium nimmt?

Die tägliche Magnesiumtablette wirkt auf viele wie eine kleine Versicherung für Muskeln, Nerven und Energie. Doch so verlockend das klingt: Für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung ist ein echter Magnesiummangel eher selten, wie die DGE erklärt. Magnesium steckt in Nüssen, Samen, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und grünem Gemüse – wer ordentlich isst, ist oft längst versorgt. Zusätzlich betont die DGE,  dass ein Mangel bei stoffwechselgesunden Personen mit ausgewogener Ernährung relativ selten ist.

Täglich Magnesium zu nehmen, ohne dass ein Bedarf besteht, ist deshalb nicht automatisch schlau – sondern kann schlicht unnötig sein. Die Verbraucherzentrale weiß: Vor allem hoch dosierte Präparate sind ein Problem. Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten mehr als empfohlen. Die Folgen können weiche Stühle, Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden sein. Bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion kann es sogar richtig gefährlich werden, weil überschüssiges Magnesium schlechter ausgeschieden wird und schwere Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen möglich sind.

Warum empfehlen Ärzte kein Magnesium?

Magnesium ist nicht automatisch die Lösung. Beschwerden wie Krämpfe, Müdigkeit oder Schlafprobleme können viele Ursachen haben, und oft ist Magnesiummangel eben nur eine von mehreren Möglichkeiten. Wer Beschwerden nur mit Präparaten überdeckt, riskiert, dass die wahre Ursache unerkannt bleibt. Genau deshalb empfehlen Fachleute bei anhaltenden Symptomen zuerst eine ärztliche Abklärung, bevor man Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt.

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Hinzu kommt, dass die Diagnose eines Magnesiummangels alles andere als einfach ist. Der Großteil des Magnesiums steckt nicht im Blut, sondern in Knochen und Muskulatur. Deshalb ist ein Blutwert oft nur begrenzt aussagekräftig. Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Lage bei vielen angeblichen Magnesium-Wunderwirkungen eher dünn: Bei zahlreichen Beschwerden ist der Nutzen unklar oder nicht eindeutig belegt, wie Sana Kliniken weiß. Ärzte sind also nicht „gegen Magnesium“ – sie sind gegen blinde Selbstmedikation.

Autor:

Sarah Isele aus Mannheim-Nord

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